Fußball

Lutz Schröder bleibt Trainer in Okel

Die Nachfolgersuche war lang, aber erfolglos - und wurde zuletzt durch das Coronavirus noch erschwert. Also gab der Trainer, der seinen Rückzug bereits angekündigt hatte, doch noch sein Ja-Wort.
25.03.2020, 21:09
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Lutz Schröder bleibt Trainer in Okel

Er bleibt Trainer in Okel: Lutz Schröder sagte für eine weitere Saison beim Bezirksligisten zu.

Michael Braunschädel

Okel. Eigentlich schien seine Zeit als Trainer beim TSV Okel abzulaufen. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres erklärte Lutz Schröder dem Vorstand, für ein weiteres Jahr an der Seitenlinie nicht zur Verfügung zu stehen, sondern in einer anderen Rolle, etwa als Sportlicher Leiter, weitermachen zu wollen. Mehr Zeit für die Familie wollte er haben, darüber hinaus ist er beruflich bei einer Firma in Thedinghausen als Prokurist intensiv eingespannt. Doch nun die Wende: Schröder bleibt Trainer des Fußball-Bezirksligisten. Das hat mit der erfolglosen Nachfolgersuche zu tun, aber auch mit dem Coronavirus - und einer großen Portion Wertschätzung seinem Verein gegenüber.

Zeit hatten die Okeler reichlich, um einen neuen Trainer zu finden. Doch sie suchten vergeblich, obwohl auch Schröder mit eingespannt war. Er machte Vorschläge, war bei einigen Gesprächen dabei. Für seinen spielenden Co-Trainer Rico Volkmann war das dagegen eine neue Situation. „Für mich war es die erste Erfahrung, mit diversen Trainern zu sprechen. Das war schon manchmal gewöhnungsbedürftig. Da geht man auseinander und hat eigentlich klare Absprachen getroffen, aber zwei Tage später sieht die Welt ganz anders aus“, erlebte er nicht nur Positives. Klar ist aber auch, „dass eine Mannschaft irgendwann Planungssicherheit haben will“, wie Schröder weiß. Die Coronavirus-Pandemie hat die Trainersuche noch allerdings noch schwieriger gemacht, da persönliche Gespräche wegen der Kontaktsperre kaum möglich sind. „Klar kann man am Telefon das eine oder andere austauschen, aber mir persönlich geht es so, dass ich das Gefühl brauche, demjenigen, an dem ich Interesse habe, auch gegenüber zu sitzen, seine Körpersprache mitzubekommen. Das ist jetzt aktuell natürlich ganz schwer.“ Trainer-Dating am Telefon, das entsprach eigentlich nicht den Okeler Vorstellungen. „Und es ist auch total schwer, jemanden zu überzeugen“, weiß Volkmann. Dem TSV waren quasi die Hände gebunden.

Die Ungeduld wächst

Schröder erlebte all das mit - und konnte die Situation gut einschätzen. „Ich weiß selbst aus Erfahrung, wie schwierig es manchmal ist, wenn man auf der Suche nach Trainern für seine Mannschaften ist“, sagt der scheidende Jugendkoordinator des TuS Sudweyhe. Auf einmal wackelte all das, was er mit dem TSV aufgebaut hatte. Denn verständlicherweise wuchs auch Ungeduld der Mannschaft, die ebenfalls Planungssicherheit haben wollte. „Man merkt dann schon, dass das Ganze unter einem gewissen Druck steht“, erklärt Schröder, der ein feines Gespür für das Innenleben eines Vereins und einer Mannschaft hat.

Trotz Corona-Zwangspause drängte also die Zeit für die Verantwortlichen. Vor einigen Wochen habe er die Bitte, Trainer zu bleiben, noch rigoros abgelehnt, „weil ich zu dem Zeitpunkt gedacht habe, wir finden eine andere Lösung“, so der Coach. Doch die fand sich nicht. Die Situation spitzte sich stattdessen zu. Nach einem langen Gespräch mit Rico Volkmann und danach auch mit seiner Familie sagte Schröder zu. Für den Trainerstab wünscht er sich noch Verstärkung. „Da müssen wir schauen, ob wir vielleicht noch jemanden finden und die Aufgabenverteilung nachjustieren können“ Denn klar ist auch: Die Gründe, die Schröder dazu bewogen haben, nicht weiterzumachen, haben sich nicht grundlegend geändert, auch wenn die Entscheidung „nie eine Entscheidung gegen die Mannschaft war“, wie er betont. Das Team, aber auch der Vorstand liegen ihm am Herzen. Deshalb wollte er schließlich in anderer Funktion, dann vielleicht etwas mehr Hintergrund als zuvor, weitermachen. Ein kompletter Abgang vom TSV war nie eine Option.

Ein Zeichen der Wertschätzung

Dennoch kam das Signal, über den Sommer hinaus als Trainer aktiv zu sein, durchaus überraschend für Volkmann. „Aber ich habe mich tierisch gefreut. Und die Mannschaft auch. Unsere Whatsapp-Gruppe ist extrem heißgelaufen. Die Jungs sind überglücklich“, sagt er. Der Kreisliga-Aufstieg und die erste Bezirksligasaison, „das hat uns natürlich auch zusammengeschweißt“, weiß der Toptorschütze, der Schröder bereits zugesichert hat, in Zukunft mehr in die Bresche zu springen, um ihn zu entlasten. Wie das genau gehen soll, ist im Detail noch nicht besprochen, aber dafür bleibt noch Zeit. Erst einmal sei auch er glücklich, betont Volkmann. „Ich weiß, was das, was Lutz gemacht hat, für ein Zeichen von Wertschätzung den Spielern, dem Verein und auch mir gegenüber ist. Das kann man nicht hoch genug einschätzen.“ Schröder verschafft Okel Sicherheit, aber auch weitere Zeit, einen Nachfolger zu finden.

Jetzt gehe es darum, die Kräfte wieder zu bündeln und nach vorn zu schauen, findet der Trainer. „Sofern wir überhaupt etwas planen können“, fügt er mit Blick auf die Corona-Pause hinzu, deren Ende nicht absehbar ist. Ob die Saison beendet werden und wann die neue Serie starten kann, all das steht derzeit in den Sternen. „Es ist für alle kompliziert. Da gibt es auch keine Gebrauchsanweisung, wie man damit umzugehen hat.“ Sportliche Planungssicherheit wollen die Okeler dennoch schaffen. „Wobei ich mir natürlich wünsche, dass durch das Signal, dass ich an die Mannschaft sende, auch diejenigen, die vielleicht am Zweifeln waren, mit uns an einem Strang ziehen werden und wir alle zusammenbleiben. Das wäre natürlich das Schönste“, sagt Schröder. Seine Zusage soll der erste Schritt gewesen sein, die internen Planungen schnell abschließen zu können.

Eine neue Position der Stärke

Und wie sieht es mit neuen Spielern aus? Bereits im Winter hatte der TSV mit einigen Akteuren Kontakt, allerdings entpuppte es sich als schwierig, sie direkt zu verpflichten. Gut möglich, dass die Okeler nun einen neuen Anlauf nehmen werden. Schröder ist schließlich gut vernetzt und nicht bekannt dafür, die Flinte so schnell ins Korn zu werfen. Sicher ist, dass die Okeler potenzielle Neuzugänge aus einer neuen Position der Stärke heraus ansprechen können. „Ich bin bis jetzt immer gefragt worden, wie es in der nächsten Saison aussieht. Wenn ich dann nur 'Die Gespräche laufen' antworten kann, kommt das nicht so gut an. Es ist doch klar, dass alle wissen wollen, wer Trainer ist. Jetzt können wir ihnen ein klares Konzept und Inhalte vorlegen“, erklärt Volkmann. Die Ungewissheit, ob es dann die Bezirks- oder die Kreisliga für den TSV wird, der momentan den Relegationsrang belegt, lässt sich mit Schröder als Trainer sicher etwas leichter wegfegen…

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