Fußball

Bockfeld will Gewinnertypen formen

Sie sind das Null-Punkte-Team: Die Fußballer der TSG Osterholz-Gödestorf beendeten die vergangene Serie ohne einen einzigen Zähler. Den Neustart gehen sie mit Mike Bockfeld an. Er will den Erfolg zurückbringen.
30.07.2020, 17:40
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Bockfeld will Gewinnertypen formen

Gibt die Richtung bei der TSG vor: Mike Bockfeld leitet gemeinsam mit Denis Kastendiek den Neustart.

Thorin Mentrup

Osterholz/Gödestorf. Quotientenregelung ist für einen vermeintlich einfachen Sport wie Fußball ein äußerst sperriges Wort. Berühmtheit erlangt hat es durch den Saisonabbruch in fast allen Landesverbänden, so auch in Niedersachsen. Auf einmal zählten nicht mehr die reinen Punkte, sondern die Punkte pro Spiel. Für die TSG Osterholz-Gödestorf tat das besonders weh. Denn aus der einfachen Null, die nach 17 Niederlagen in 17 Spielen der 1. Kreisklasse ohnehin stand, wurde eine dreifache. 0,00 weist die Abschlusstabelle als Ausbeute aus. Das ist einzigartig unter den Herrenteams im Kreis Diepholz. Doch die TSG hat Hoffnung, dass sie dieses Horror-Halbjahr schnell hinter sich lassen kann. Diese Hoffnung trägt den Namen Mike Bockfeld. Der 35-Jährige wird an der Seite von Denis Kastendiek den Neustart verantworten.

Die Null-Punkte-Misere habe er durchaus verfolgt, gibt Bockfeld zu. Abschrecken lässt er sich von ihr nicht. Er kennt die TSG schließlich: In der Saison 2018/19 trug er ihr Trikot. Damals spielte sie noch in der Kreisliga. Jetzt sieht die Situation ganz anders aus. Es wird ein Neustart in der 2. Kreisklasse werden – obwohl die TSG auch in der 1. Kreisklasse hätte starten können. Denn Absteiger gibt es in der abgebrochenen Saison nicht. Auch nicht mit einem Quotienten von 0,00.

Unvorbelasteter Start

Dennoch machen die Gödestorfer einen freiwilligen Schritt zurück, was Bockfeld zu einer im ersten Moment durchaus erstaunlichen Aussage treibt: „Der Weg in der 2. Kreisklasse ist schwerer für uns.“ Wie er zu dieser Einschätzung kommt? Mit ein paar Punkten in der 1. Kreisklasse könne man sich bereits auf die Schulter klopfen lassen. Es sei ja dann besser gelaufen als zuvor. Aber einen Wiederaufbau zu leiten, eine erfolgreiche Mannschaft zu formen, noch dazu in einer Liga, in der sich diverse Teams wie unter anderem der TSV Heiligenrode im Angriffsmodus befinden, das sei keine Selbstverständlichkeit.

Außerdem streife die TSG so den Makel des vergangenen halben Jahres ab. „In der 1. Kreisklasse wären wir immer die Mannschaft gewesen, die null Punkte geholt hat und eigentlich abgestiegen wäre“, weiß Bockfeld. Diese Last ersparen er, Partner Kastendiek und der neue Co-Trainer Julio Pacheco, der ebenfalls eine Gödestorfer Vergangenheit hat, ihrem Team. In die neue Saison starte er mit seiner Mannschaft erst einmal ohne Ziel, sagt Bockfeld. „Wir werden nach fünf bis zehn Spielen schauen, was machbar ist“, bekräftigt er. Sein Team werde eine Rolle spielen. Welche das ist, müsse sich noch zeigen.

Zuversicht versprüht der 35-Jährige jedenfalls. Er habe richtig Lust auf die Aufgabe. Trainer der TSG hätte er bereits nach dem Rückzug von Karsten „Kalle“ Köitsch und André Hanke nach dem Kreisligaabstieg werden können. Das sei damals aber keine Option gewesen. „Da wollte ich lieber in Sebaldsbrück mit meinen Kumpels bei der Ü32 kicken“, verdeutlicht Bockfeld. Das ATSV-Trikot wird er auch in Zukunft weiter tragen, in einem Vorbereitungsspiel sogar gegen seine TSG antreten. Spielertrainer in Gödestorf will er dagegen nicht sein. „Damit macht man sich angreifbar“, findet er. Er wolle sich lieber komplett auf die Rolle an der Seitenlinie konzentrieren.

Im Werder-NLZ gelernt

Ganz neu ist der Trainerjob für den in Arsten lebenden Bockfeld nicht. Auf dem Feld galt er als verlängerter Arm des Coaches, so etwa in Sebaldsbrück und später auch in Gödestorf. Beim ATSV trainierte er darüber hinaus die zweite Herrenmannschaft und zog dann weiter in das Nachwuchsleistungszentrum des SV Werder Bremen. Bei der U13 arbeitete er unter der Leitung von Markus Wehrle. „Von ihm habe ich extrem viel gelernt“, sagt er. Diese Erfahrungen will Bockfeld, der im kommenden Jahr seinen Trainerschein machen will, nun in Gödestorf einbringen.

Die Grundvoraussetzungen bei der TSG seien gut, findet er. Viele Spieler habe er bei seiner Rückkehr nicht mehr gekannt, aber dennoch eine sehr ordentliche Basis vorgefunden. Allen voran Partner Denis Kastendiek. „Ohne ihn hätte ich diese Aufgabe nicht übernommen. Denis ist hier tief verwurzelt und extrem engagiert. Es war mir wichtig, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er ist die tragende Kraft bei allem, was drumherum passiert.“ Bremer Einfluss auf der einen und ein echter TSG-Insider auf der anderen Seite seien eine gute Kombination, um das Team wieder auf Kurs zu bringen. Generell hat Bockfeld in seinem Jahr bei der TSG Osterholz-Gödestorf das Vereinsleben schätzen gelernt. „Die Gemeinschaft neben dem Platz ist hier größer als in Bremen“, findet er. Die TSG sei ein Verein, in dem man sich wohlfühlen könne. Eine reine Wohlfühloase wird Bockfeld aber nicht erschaffen. „Wir werden hart arbeiten“, kündigt er vor dem Vorbereitungsstart in der kommenden Woche an. Der 35-Jährige will aus Verlierer- wieder Gewinnertypen machen. Er hat klare Vorstellungen von dem, was er in der neuen Serie von seiner Mannschaft erwartet: Lauf- und Leistungsbereitschaft vor allem, er will ein pressingintensives Spiel aufziehen. „Das passt zur Mannschaft“, ist er überzeugt, genau die richtigen Spielertypen in seinen Reihen zu haben. Ohnehin hat das Team an Qualität gewonnen, allein durch die bezirksligaerfahrenen Neuzugänge Mirko Garlich und Daniel Richter.

Erfolgversprechende Konstellation

Auch die Konstellation, dass die erste und zweite Herrenmannschaft gemeinsam trainieren und sich die Wege nur bei Schwerpunktthemen trennen, hält der neue Coach für erfolgversprechend. „Wir haben eine schöne Gruppe. Der Vorteil ist, dass wir immer richtig trainieren können.“

Nicht ohne Stolz verweist er darauf, dass sich die TSG-Fußballer bereits wieder zum freien Kicken treffen, obwohl sie bis zur kommenden Woche die Beine hätten hochlegen können. „Dass trotzdem 20 Leute auf dem Platz stehen, ist wirklich cool“, findet Bockfeld. Das stachelt auch ihn an: „Ich habe wirklich Bock zu arbeiten und erfolgreich zu sein“, sagt er. Den Ruf des Null-Punkte-Teams könne man schnell abstreifen. „Wenn wir ein Erfolgserlebnis hatten, ist das überhaupt kein Thema mehr“, ist er überzeugt.

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