Fußball

Der TuS Syke ist bei den Aradinis Familiensache

Flamur, Alban und Arlind Aradini schreiben ein besonderes Kapitel Syker Fußballgeschichte. Sie geben alles für die erste Herrenmannschaft des TuS.
07.03.2021, 14:03
Lesedauer: 5 Min
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Von Thorin Mentrup
Der TuS Syke ist bei den Aradinis Familiensache

Arlind, Flamur und Alban Aradini (von links) sind Gesichter der ersten Herrenmannschaft des TuS Syke.

Thorin Mentrup

Manche Entwicklungen sind eben doch vorhersehbar. Dass Alban und Arlind Aradini mal Fußball spielen würden, gehört dazu. Ihr Vater Flamur ist schließlich seit 30 Jahren Kicker und Trainer beim TuS Syke und längst zu einem Gesicht des Vereins geworden. Und während er die erste Herrenmannschaft coacht, stehen seine beiden Söhne auf dem Platz. Fußball, der TuS Syke und die Aradinis – das ist eine ganz enge Verbindung.

Wer die Spiele des TuS in der 2. Kreisklasse verfolgt, der wird um die Familie Aradini nicht herumkommen. Denn da fallen nicht nur Alban, 21 Jahre jung, und Arlind, gerade einmal 19 Jahre, und Flamur auf, sondern auch Ehefrau und Mutter Valentina, die ihre Männer nicht nur motiviert, sondern ein Riesenantrieb für sie ist, ihr Bestes zu geben. „Mir war es immer wichtig, dass jemand aus der Familie zuschaut, wenn ich spiele – vor allem meine Mama“, sagt Alban. Dann könne er stets sein Bestes abrufen. Deshalb spiele er überhaupt nicht mit dem Gedanken, den TuS zu verlassen. „Das macht doch überhaupt keinen Sinn“, findet er. Wo könnte er es besser haben? Das sieht Arlind übrigens genauso: „Es ist doch viel schöner, hier zu spielen, wo unsere Familie ist und wo unsere Freunde sind, als es allein höherklassig zu versuchen.“ Schließlich steht mit Albion noch der dritte Sohn in den Startlöchern. Noch ist er Jugendspieler, doch bald wird auch er in den Herrenbereich aufsteigen.

Klingt nicht danach, als müsse sich irgendein Verein darum bemühen, einen der Aradinis vom TuS wegzulotsen. Flamur, dem als Trainer in den vergangenen Jahren die eine oder andere Tür offenstand, freut das. Für ihn gilt es nämlich genauso. „Die meisten fragen schon gar nicht mehr an“, sagt er und lacht. Und wenn doch, lehnt er höflich ab.

Zweite Heimat Waldstadion

Als Flamur 1991 aus dem Kosovo in die Hachestadt kam, begann er beim TuS mit dem Fußballspielen. Seine Kinder wuchsen auf den Sportplätzen der Region auf. „Als wir klein waren, sind wir mit unserer Mutter hier hoch gekommen und haben zugesehen, wie unser Vater gespielt hat“, erinnert sich Alban an die Wochenenden im Waldstadion. „Klar, dass man dann auch Bock entwickelt.“ Welche andere Sportart als Fußball hätte es also werden können für ihn und seinen Bruder? „Für mich war nur wichtig, dass sie einen Sport angefangen haben. Zum Fußball hätte ich sie nie gezwungen“, sagt Flamur. Stolz darauf, dass seine Söhne in seine Fußstapfen treten, sei er aber schon.

Diese Fußstapfen sind durchaus groß nach 30 Jahren im Verein, in denen sich Flamur stets engagiert hat und unter anderem früh zum Trainer aufgestiegen ist. Den Werdegang seiner Sprösslinge prägte er quasi parallel mit, war als Betreuer in ihren Mannschaften tätig. „Gemeinsam mit vielen Eltern“, beansprucht er keine Lorbeeren für sich. „Wir sind nicht der TuS Aradini, sondern der TuS Syke. Wir Aradinis sind ein Teil davon“, bekräftigt er.

Eine Sonderbehandlung lässt der Vater seinen Söhnen übrigens nicht zukommen. „Nur die, dass ich mehr von ihnen erwarte“, sagt Flamur lachend. Ansonsten gilt: Vor dem Trainer sind alle gleich. Im Prinzip gehören alle seine Spieler ohnehin zur Familie. „Die meisten kenne ich seit dem Kindergartenalter. Sie halten mich beim TuS“, erklärt Flamur, der in der Alten Herren einen Abstecher zum SV Heiligenfelde machte, aber mittlerweile wieder das TuS-Trikot trägt. Er hat viele seiner Spieler Seite an Seite mit seinen Söhnen aufwachsen sehen. Generell habe er Spaß daran, mit jungen Spielern zu arbeiten. In dieser Hinsicht passt er perfekt zum TuS: Der Großteil der Mannschaft ist erst Anfang 20. „Wir sind eine große Clique. Da sind krasse Freundschaften gewachsen“, sagt Alban über das Team.

Noch mehr zusammengewachsen

Der Vater als Trainer – ist das nur eine schöne Familiengeschichte oder auch mal eine Belastung, weil man besonders abliefern muss, um seinen Platz im Team zu rechtfertigen? „Ein bisschen von beidem“, findet Alban, während Arlind sagt: „Für mich war es ja immer ganz normal, dass Papa mit dabei ist. Ich finde das schön. Da gibt es überhaupt keine Probleme.“ Für Alban hat sich das Verhältnis untereinander sogar noch verbessert: „Obwohl wir alle für Fußball brennen und es auch ein Emotionssport ist, ist das Privatleben entspannter. Wir können auch mal etwas frecher miteinander umgehen.“

Wenn doch mal Kritik vom Trainer-Vater kommt, dann sind beide Söhne nicht böse. „Man muss damit umgehen können. Das gehört einfach dazu“, sagt Arlind. Als Jüngster im Team mache man schon mal Fehler. Übel nehme man ihm das nicht. Auch wenn Flamur Disziplin, Fairness und vor allem ständige Weiterentwicklung predigt, vergisst er nicht, dass er mit Hobbykickern arbeitet. Dennoch kann er auch mal lauter werden. „Ich will die Jungs formen und entwickeln“, sagt er.

Denn eine Sache glaubt der 43-Jährige ganz fest: „Diese Truppe kann höher spielen.“ Die großen Zeiten des TuS sind zweifelsohne vorbei, die Fußballsparte war im Herrenbereich vor Jahren sogar komplett abgemeldet. Nun sind die Aradinis Teil des langfristigen Neuaufbaus. Aber als Teamplayer, wie Flamur bekräftigt. „Ich ziehe den Hut vor jedem, der hier etwas leistet oder geleistet hat. Hier gibt es so viele, die anpacken“, sagt er und nennt exemplarisch Andreas Schmidt, Klaus Mauckisch oder auch Holger Surm. „Man könnte noch so viele mehr nennen“, betont Flamur, dass sich viele Syker für den TuS engagieren.

Seinen eigenen Beitrag leiste er gerne. „Ich bin sehr stolz auf die 30 Jahre, die ich hier bin“, sagt er. Flamur ist ein Gesicht des TuS. „Man bekommt das überall mit“, sagt Arlind. Nicht nur weil sein Vater auf jedem Platz in der Region freundlich empfangen wird, sondern auch weil einige Zeitungsartikel und Ausdrucke daheim von seinem Wirken zeugen. Bei der 100-Jahr-Feier des TuS durfte Flamur die Fußballsparte vorstellen. „Das ist ein Zeichen großer Wertschätzung“, weiß er.

Fußballerisch haben beide Söhne etwas von ihrem Vater geerbt. „Arlind hat die Ruhe weg, Alban hat die Technik und das Zweikampfverhalten. Das passt schon“, findet Flamur und ergänzt grinsend: „Ein bisschen Hitzköpfigkeit haben sie von ihrer Mutter.“ Ohne eine gewisse Emotionalität gehe es aber auch nicht auf dem Platz. Seine Söhne haben nicht nur die üblichen Stars zum Vorbild, sondern auch ihren Vater. „Wenn man so viele Spiele von ihm sieht, dann schaut man sich natürlich auch so einiges von ihm ab“, verrät Alban.

Die Söhne bald als Trainer?

Die Aradini-Geschichte beim TuS scheint noch lange nicht vorbei zu sein. Und sie kann gern noch jahrelang weitergehen. „Mit den Jungs gemeinsam auf dem Platz zu stehen, ist eine Riesenzeit für mich“, sagt Vater Flamur. Und auch Alban und Arlind genießen diese Zeit. „Solange es möglich ist, wollen wir das weiter gemeinsam durchziehen. Da gibt es kein Stopp. Da würde einfach etwas fehlen“, bekräftigt Alban. Und wenn Flamur irgendwann doch mal Schluss machen sollte? „Dann würde ich mir eine Riesenpause gönnen. Aber ich würde mich freuen, wenn die Jungs weitermachen“, sagt der Senior. Vielleicht sogar als Trainer. Auch wenn das für seine Söhne noch ein Stück weit weg ist, könnte auch hier ihr Vater ein Vorbild sein. „Ich konnte mir das als Spieler am Anfang auch überhaupt nicht vorstellen“, sagt Flamur. Und dann ging es plötzlich schneller als gedacht. Und mittlerweile trainiert er seine Söhne und sagt: „Viel schöner geht es nicht.“

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