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Lars Radolla: In Syke angefangen und aufgehört

Beinahe wäre er sogar Profi geworden. Obwohl dieser Traum nicht in Erfüllung ging, kann Lars Radolla dennoch auf eine spannende Laufbahn zurückblicken, die beim TuS Syke begann und endete.
13.07.2020, 14:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Sven Hermann
Lars Radolla: In Syke angefangen und aufgehört

Zurück an alter Wirkungsstätte: Im Syker Waldstadion bestritt Lars Radolla etliche Spiele für den TuS.

Michael Galian

Weyhe/Syke. 14 Jahre ist es mittlerweile her, dass Lars Radolla im Alter von 41 Jahren seine erfolgreiche Laufbahn als Fußballer beim TuS Syke beendete. Also dort, wo im Jahr 1970 auch alles begonnen hatte. Denn beim TuS unternahm Radolla im zarten Alter von fünf Jahren seine ersten Schritte im Fußballsport. In diesem langen Zeitraum hat der einstige Mittelfeldspieler, der später auch als Libero agierte, nicht nur beim TuS Syke einiges erlebt. Die Amateure des SV Werder Bremen, der VfB Oldenburg, Atlas Delmenhorst, der FC Mahndorf und der Barnstorfer SV waren weitere Stationen. Fast wäre er sogar beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach gelandet. „Ich habe in Syke angefangen und auch dort aufgehört. Ich hatte immer gesagt, dass ich beim TuS aufhören werde. Der Kreis hat sich also geschlossen“, blickt Radolla jetzt mit einigem Abstand zurück.

Seit dem Ende seiner Laufbahn im Jahr 2006 hat Radolla nicht mehr allzu viel mit dem Fußballsport am Hut. Ab und zu mal zieht es ihn ins Weser-Stadion, ansonsten verfolgt er den überregionalen Fußball überwiegend im Fernsehen und der Presse, den Fußball im hiesigen Beritt fast ausschließlich aus der Presse. „Ich gucke weniger zu in der Region. Ich finde es sehr beachtlich, dass Okel jetzt im Bezirk spielt“, staunt Radolla über die dortige Entwicklung in den vergangenen Jahren. Zwar kickte er nach dem Ende in der Syker Erstherrenelf noch einige Zeit in der Altherren-Mannschaft des TuS, doch dann war auch hier Schluss. Ambitionen, nach dem Ende der aktiven Zeit im Bereich des Fußballs als Trainer oder Funktionär weiterzumachen, hatte Radolla indes nicht. „Ich war und bin beruflich sehr eingespannt. Ich wollte nach dem Ende der Laufbahn einfach mehr Zeit mit der Familie verbringen. Wenn ich etwas gemacht habe, habe ich es auch richtig gemacht und die Saison voll durchgezogen. Dazu hat mir dann auch die Lust gefehlt. Ich wollte einfach kürzertreten“, erzählt Radolla, der sich in Syke mit einer Gebäudereinigungsfirma selbstständig gemacht hat.

Umzug nach Gessel

Seit zehn Jahren lebt er mittlerweile in Weyhe. Doch jetzt zieht es ihn zurück. Denn bald steht den Radollas ein Umzug nach Gessel bevor. „Wir bauen dort“, verrät Radolla, der im April seinen 55. Geburtstag feierte. Sportlich ist es ruhiger geworden in seinem Leben. „Radfahren, im Sommer etwas Schwimmen, mit Sohn Finn aus erster Ehe hin und wieder ein Tennismatch oder mit dem siebenjährigen Sprössling Mika im Garten ein wenig Fußball spielen“, schildert Radolla die sportlichen Aktivitäten. Letzteres kommt in Zeiten von Corona häufiger vor, denn die Auswirkungen der Pandemie machten sich auch im Betrieb Radollas bemerkbar. Und auch Sohnemann Mika musste während der Zwangspause des Fußballs daheim bleiben, konnte nicht mit der F-Jugend des TSV Weyhe-Lahausen trainieren. „Zu seinen Spielen und Turnieren fahre ich häufig mit. Da waren wir in der Zeit vor der Corona-Pause schon fast jedes Wochenende unterwegs. Jetzt beim Kicken im Garten ist er schon ein wenig unterfordert“, schmunzelt Radolla, der seinem Sohn durchaus Talent bescheinigt.

Viel Talent brachte auch Lars Radolla mit, als er 1970 im Alter von fünf Jahren seine ersten Schritte im Fußball beim TuS Syke unternahm. Als 17-Jähriger zog ihn der damalige Herrentrainer Wilfried „Charly“ Braun aus der A-Jugend des TuS in den Herrenbereich hoch. Das war im Jahr 1982. Es waren die besten Jahre der Mannschaft des TuS Syke, die damals in der Verbandsliga Niedersachsen beheimatet war. Ein Teamkollege in dieser Zeit war Michael Schulz, der es später in den Profi-Bereich schaffte und unter anderem für den 1. FC Kaiserslautern, Borussia Dortmund und Werder Bremen auflief. Auch Mittelfeld-Talent Radolla geriet ins Visier anderer Klubs. Im Jahr 1985 wechselte er in die Oberliga zu den Amateuren des SV Werder Bremen, wurde dort auch als rechter Verteidiger und Manndecker eingesetzt. Unter dem damaligen Coach Karl-Heinz Kamp spielte er unter anderem mit Gunnar Sauer und Dieter Eilts in einem Team, die später in der Bundesliga-Mannschaft der Grün-Weißen Karriere machten.

In der Hölle des Nordens

Nach zwei Jahren bei Werder zog es Radolla 1987 zum Amateur-Oberligisten VfB Oldenburg. „In Oldenburg herrschten tolle Bedingungen. Wir haben unter Profi-Bedingungen trainiert. Spiele vor 15 000 Zuschauern im alten Stadion Donnerschwee waren keine Seltenheit. Die Atmosphäre war einfach klasse“, schwärmt Radolla noch heute. Das enge Donnerschwee-Stadion wurde zur damaligen Zeit auch die Hölle des Nordens genannt. Besonders in Erinnerung ist ihm dabei das DFB-Pokalspiel 1987 gegen den damaligen Bundesligisten VfL Bochum geblieben. „Zuhause haben wir 0:0 gespielt, dabei kurz vor Schluss einen Elfmeter verschossen. Im Wiederholungsspiel in Bochum unterlagen wir dann mit 1:4. Die Bochumer scheiterten später erst im Endspiel mit 0:1 an Eintracht Frankfurt“, blickt Radolla zurück. 1988 wurde er mit dem VfB zudem Deutscher Amateur-Vizemeister. Dabei unterlagen die Oldenburger im Finale erst im Elfmeterschießen Eintracht Trier mit 4:5. Weitere Stationen beim damaligen Oberligisten FC Mahndorf, wo Radolla unter anderem auf die Trainer Hubert Adelt und Karl-Heinz „Charly“ Mrosko traf, der als Spieler beim FC Bayern und Hannover 96 auf sich aufmerksam machte, sowie bei Atlas Delmenhorst und dem Barnstorfer SV folgten.

Fast hätte es Lars Radolla auch in den Profibereich geschafft. So durfte er ein einwöchiges Probetraining beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach absolvieren. „Gerd vom Bruch war damals Trainer, Rolf Rüssmann Manager. Da spielten zum damaligen Zeitpunkt Norbert Meier, Stefan Effenberg und Hans-Jörg Criens. Ich konnte ganz gut mithalten, doch leider hat es für mich nicht ganz für einen Vertrag gereicht. Es war trotzdem eine sehr gute Erfahrung. Super, dass ich dorthin durfte“, blickt Radolla, von Kindesbeinen an Fan der Gladbacher, zurück.

1995 schloss sich der Kreis: Radolla kehrte zum TuS Syke zurück, agierte dann auch auf der Position des Liberos. Erfolge blieben auch in dieser Ära nicht aus. Unter Trainer Friedhelm Hark stieg die Elf im Jahr 2000 von der Bezirksklasse in die Bezirksliga auf. „Erst im Elfmeterschießen siegten wir im Relegationsspiel gegen den Heeßeler SV“, erinnert sich Radolla, der in der Verlängerung dieser Partie die Ampelkarte sah. 2006 beendete er im Alter von 41 Jahren seine Laufbahn. In diesem Jahr stieg der TuS von der Bezirks- in die damalige Bezirksoberliga auf. Radolla als Spielertrainer und André Hanke als Coach zeichneten für die Aufstiegsmannschaft verantwortlich. „Das war ein guter Abschluss. Der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören“ sagt Radolla rückblickend. Einige Jahre später begann der freie Fall des TuS Syke. „Ich war noch ein paar Mal oben im Waldstadion. Es war nicht schön anzugucken. Mittlerweile befindet sich der TuS ja wieder auf einem besseren Weg“, wünscht Radolla seinem Ex-Klub wieder erfolgreichere Zeiten.

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