Fußball Mustafa Cali ist angekommen beim SV Heiligenfelde

Er war im Sommer der Neue. Doch Mustafa Cali hat sich beim SV Heiligenfelde schnell eingelebt und fühlt sich dem Klub bereits verbunden. Dabei war im vergangenen halben Jahr längst nicht alles leicht.
18.01.2021, 11:05
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup

Heiligenfelde. Auf seine erste Weihnachtsfeier beim neuen Klub muss Mustafa Cali noch warten. „Sehr schade. Die Jungs hatten mich schon heißgemacht“, sagt er und lacht. Auch ihm war schließlich zu Ohren gekommen, dass die Sause des SV Heiligenfelde im Dorfgemeinschaftshaus Kultstatus genießt. Doch wegen Corona fiel die Party aus und auch sonst vieles, was das Vereinsleben ausmacht. „Ich hatte noch nicht die Möglichkeit, den Verein richtig kennenzulernen“, sagt Cali, der seit vergangenem Sommer an der Seite von Torben Budelmann für die erste Herrenmannschaft des SVH in der Bezirksliga verantwortlich zeichnet. Bei den Fußballern aber ist der Coach angekommen – sowohl sportlich, als auch menschlich.

„Ich fühle mich wirklich wohl in Heiligenfelde. Die Jungs und alle um die Mannschaft herum haben es mir sehr leicht gemacht. Ich habe bislang nur super nette Menschen kennengelernt“, hat sich Calis erster Eindruck aus dem Sommer in den wenigen Wochen des gemeinsamen Sporttreibens bis zum erneuten Lockdown im November verfestigt. Von der guten Stimmung beim SVH hatte der Trainer, der zuvor beim Klassengefährten TuS Sulingen II Regie führte, in den vergangenen Jahren einiges gehört. „Und es ist wirklich so“, freut er sich. Er habe die Mannschaft lieb gewonnen, auch wenn die Integration wegen der Pandemie anders lief als gewohnt. „Wir mussten immer aufpassen, durften nur in großem Abstand zusammensitzen. Aber ich bin vom ersten Tag an super aufgenommen worden“, hatte Cali keinerlei Probleme, sich beim Nordkreis-Klub einzuleben.

Zwei Alphatiere: Klappt das auch?

Wobei er über sich selbst sagt: „Ich glaube, es ist auch schwierig, mit mir Probleme zu bekommen.“ Cali ist ein umgänglicher Typ, „eine Spaßkanone“, wie Budelmann sagt. Doch sein Partner wurde nicht nur wegen seiner menschlichen Qualitäten geholt, sondern auch wegen seiner fachlichen. Und auch in dieser Hinsicht passt es, wie Budelmanns Aussage zeigt: „Ich habe von ihm nicht nur einiges gelernt, ich habe in ihm auch einen neuen Freund gewonnen.“ Das Trainerduo harmoniert miteinander. Wenn „Budel“ seinen gleichberechtigten Partner damit neckt, er sei ein guter Co-Trainer, dann kommt die Antwort prompt: „Torben ist ja auch ein guter Torwarttrainer.“ Cali und Budelmann – das passt. „Wir sind auf einer Wellenlänge“, sagen beide. Dabei war die Situation im Sommer für beide neu. Auf einmal ein Partner an der Seite. Nicht mehr ein Alphatier an der Seitenlinie, sondern zwei. Beide kennen sich zwar seit längerer Zeit, beide haben eine ähnliche Idee des offensiven Fußballs. Beide wussten also durchaus, mit wem sie da zusammenarbeiten würden. Aber die Frage blieb: Klappt das auch?

Stand heute gibt es für Cali und Budelmann nur eine Antwort: Ja. Beide haben zueinandergefunden. „Wir entscheiden gleichberechtigt, haben jeden Tag Kontakt. Es ist anders, zunächst mit dem Partner zu sprechen und nicht direkt selbst zu entscheiden, aber das hat sich gut eingespielt“, findet Cali. Budelmann glaubt: „Es geht sogar noch besser.“ Mit seinen Trainingsmethoden und seiner Art sei Cali definitiv eine Bereicherung.

Am Anfang sei die Situation ungewohnt gewesen, gibt der Trainerneuzugang zu. Cali kam von außerhalb, für Budelmann ist es dagegen bereits die dritte Saison beim SVH. Sportlich war es zunächst auch kompliziert. Denn der SVH, als Topkandidat für die Qualifikation der Meisterrunde gehandelt, kam überhaupt nicht in Schwung, verlor vier der ersten fünf Spiele. Cali führte beim 0:4 in Seckenhausen, aber auch beim 5:0 in Okel allein Regie. Seinen ersten Sieg feierte er also ohne Partner. Budelmann musste fast einen weiteren Monat auf den ersten Saisonerfolg warten, den er vor Ort miterlebte. Damit aufgezogen habe er ihn aber nie, sagt Cali. „Das wäre albern“, sagt er.

Schließlich ging es darum, dauerhaft in die Erfolgsspur zu finden. Gemeinsam. Nicht als Alleinverantwortlicher. „Die Situation war in den ersten Spielen nicht einfach. Ich war immer in Mannschaften, die ambitioniert waren, deshalb ist der Druck schon immer da gewesen. Aber es war dieses Mal total frustrierend, weil es einfach nicht funktioniert hat und weil unsere Ideen nicht aufgegangen sind“, blickt Cali zurück. Das eine oder andere Mal habe er sich in dieser Phase zurückgenommen, erzählt er. „Weil Torben die Spieler besser kennt und besser weiß, wie er sie in so einer Situation anpacken muss“, erklärt er. Nicht etwa, weil er sich als der Neue weniger verantwortlich fühle. „Ich fühle mich total verantwortlich. Ich habe jeden Tag überlegt, was wir machen können und woran wir schrauben können, damit wir wieder Spiele gewinnen“, nahm ihn die Talfahrt genauso mit wie seinen Partner und die Spieler.

Positiv, positiv, positiv

Eine Sache beeindruckte Cali in dieser Zeit: „Die Stimmung war nie extrem im Keller. Auch wenn wir am Wochenende verloren hatten, waren dienstags beim Training wieder alle voll bei der Sache und fokussiert auf das nächste Spiel. Da hat niemand die Köpfe hängen lassen“, blieben die Heiligenfelder positiv. Das sei wichtig gewesen, um die Wende zu schaffen, glaubt Cali. Er und Budelmann, der öffentlich die Probleme in der ersten Saisonphase auf seine Kappe nahm, entwickelten einen neuen Plan: Sie bauten das Team um, verschrieben ihm eine neue Taktik und ein neues System – und schafften die Wende mit zehn Punkten aus den vergangenen vier Spielen. „Das tat gut“, sagt Cali. Ihm und der ganzen Mannschaft. Einen Gang zurückgeschaltet habe nach den ersten Erfolgen niemand. „Dafür sind wir zu ehrgeizig“, sagt der Trainer. Auch in dieser Hinsicht passt er zum SVH und zu seinem Mitstreiter an der Seitenlinie.

Die erste schwierige Phase ihrer Trainerbeziehung haben Cali und Budelmann gemeistert. Wie geht es jetzt weiter? Bleiben beide Seite an Seite? „Ich kann mir das vorstellen“, sagt Cali. Er würde gern in Heiligenfelde bleiben. Wie Budelmann betont er aber auch, dass es schwer sei, nach so wenigen Monaten bereits ein Fazit zu ziehen. Potenzial sehen beide in der Verbindung. „Ich fand es in den vergangenen Monaten schon cool“, betont Budelmann. Er habe noch mehr Austausch gehabt als mit Wilco Freund oder Dirk Hofmann zu Seckenhauser Zeiten. Und das will etwas heißen. Auch er habe die Arbeit als Duo, wie sie etwa in Stuhr Christian Meyer und Stephan Stindt seit Jahren vorleben, schätzen gelernt, sagt Cali. Nicht umsonst hält er fest: „Ich habe Bock darauf, so weiterzumachen.“ Das Band zwischen ihm und dem SV Heiligenfelde ist trotz des Lockdown bereits stark. Und es dürfte noch stärker werden, wenn der Sportbetrieb wieder dauerhaft läuft. Dann kann sich Cali sogar auf seine erste Weihnachtsfeier freuen.

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