Aufgetischt (Teil 1)

Gasthaus Holschenböhl in Emtinghausen

Bereits die Anreise zum Gasthaus Holschenböhl, das am Rande der Gemeinde Emtinghausen und der Grenze zur Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen liegt, ist ein kleines Stück Urlaub.
06.06.2015, 09:47
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Neukirchen-Stratmann
Gasthaus Holschenböhl in Emtinghausen

Irmgard Riechers und ihre Enkelin Anna freuen sich auf ihre Gäste.

Udo Meissner

Bereits die Anreise zum Gasthaus Holschenböhl, das am Rande der Gemeinde Emtinghausen und der Grenze zur Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen liegt, ist ein kleines Stück Urlaub. Denn wer zu Fuß oder per Fahrrad hierherkommt, der kann kilometerweit die Natur genießen, in der Bruchlandschaft zahlreiche Tiere beobachten oder sich an seltenen Pflanzen erfreuen. Eine Besonderheit: Die Anreise ist auch per Paddel möglich, denn die Eyter fließt direkt vor dem Lokal entlang – und es gibt einen Anlegesteg vor dem Haus. Selbstverständlich können Gäste auch mit dem Auto herfahren, die Ausschilderung über die vielen Zufahrtswege ist gut sichtbar.

Wer einen Platz gefunden hat auf der schönen Außenterrasse mit Blick in die freie Landschaft oder in den gemütlichen Schankräumen, der kann die Alltagsseele baumeln lassen. Wechselnde Speisekarten je nach Jahreszeit laden ein zur Wiederkehr, derzeit spielt, wie sollte es anders sein, der Spargel die Hauptrolle. Bei unserem Besuch, mitten in der Woche und einem bis auf den letzten Platz gefüllten Lokal, war das nicht anders. Schon der Blick in die Weinkarte entlockte Vorfreude, stand doch ein Rheingau Riesling darauf, ein eher seltenes Angebot in einem hiesigen Lokal. Der Riesling entpuppte sich dann zwar als Rheinhesse, aber immerhin ist damit die geografische Nähe zum Rheingau gegeben, und der Riesling überzeugte durch seine fruchtige Note. Als Vorspeise können Besucher in der Spargelsaison zwischen verschiedenen Salaten wählen, als große und kleine Portion, je nach Hunger. Wir freuten uns so auf den Spargel, dass wir gleich mit der Hauptspeise starteten: Spargel mit Lachs für 17 Euro, und Spargel mit Schnitzel für 16,50 Euro, dazu die als „Geheimtipp“ auf der Homepage des Lokals angepriesenen Röstkartoffeln.

Wir wurden nicht enttäuscht. Die Kartoffeln waren in der Tat knusprig mit Röstaroma, der Spargel allein aber wäre die Anreise schon wert gewesen, eine Soße dazu braucht es eigentlich nicht, so fein ist das leicht süßliche Aroma. „Den Spargel beziehen wir aus Riethausen vom Hof Mysegades“, erklärte uns Holschenböhl-Inhaberin Irmgard Riechers. Und sie verriet gleich ein kleines Küchengeheimnis. Dass etwas Zucker ins Spargelwasser gehört, weiß man als Hobbykoch. „Ich nehme etwas mehr Zucker als Salz,“ so die Köchin. Daher also das leicht süßliche Aroma. Regionale Produkte zu verwenden, das ist Konzept im Gasthaus Holschenböhl. „Ich gucke immer nach guten Produkten, vermeide Glutamat, ich denke, das schmeckt man auch“, so die Inhaberin des Traditionshauses.

Sie bewirtschaftet das Holschenböhl in der mittlerweile vierten Generation, zusammen mit Tochter Corinna Grobe. Und auch Enkelin Anna, jetzt zwölf Jahre alt, ist schon als kleine Hilfe dabei, etwa wenn sie „Abendessen für die Familie kocht, wenn wir nicht dazu kommen“, so Irmgard Riechers. Kochen hat sich die Inhaberin über viele Jahre in zahlreichen Dehoga-Lehrgängen erarbeitet, nimmt jetzt an Reisen in Weinregionen teil und ist immer auf der Suche nach passenden Produkten für ihr Lokal. Eine Konzession hat das Haus seit 1907, „ich bin im nächsten Jahr 25 Jahre hier aktiv“.

Das Erfolgsrezept des Familienbetriebes? „Man muss das machen, was die Gäste wollen“, ist Irmgard Riechers überzeugt. Mit je nach Jahreszeit wechselnden Angeboten, sei es Spargel, Matjes, Pfifferlinge, Wild aus heimischen Revieren, trifft das Holschenböhl offenbar den Nerv der Kunden. Sehr beliebt sind auch deftigere Gerichte wie Sülze mit Röstkartoffeln, Rührei mit Krabben oder Räucheraal. Zug um Zug wurden die Räumlichkeiten im Holschenböhl in den letzten Jahren erweitert. In den gemütlichen Räumen und dem rustikalen Wintergarten können Gesellschaften mit bis zu 100 Personen bewirtet werden, bei Feierlichkeiten wird auch oft die parkähnliche Außenanlage einbezogen. Wie die Gaststätte zu ihrem Namen kam, ist eine gern erzählte Sage, wie Irmgard Riechers erklärt: „Vor Jahrtausenden soll ein Riese auf seinen Wanderungen durch die Sand- und Bruchgebiete des Weserurstromtales seinen Holzschuh, auf plattdeutsch ’Holschen’, voller Sand gehabt und ihn eben hier entleert haben, wo heute unser Familiengehöft steht. Durch diesen Sand entstand eine kleine Anhöhe, die auf plattdeutsch ,Böhl‘ heißt.“

Adresse und Öffnungszeiten: Das Gasthaus Holschenböhl hat täglich ab 17 Uhr, sonnabends und sonntags ab 12 Uhr durchgehend geöffnet. Neu ist mittwochs und donnerstags ab 15 Uhr Kaffee und Kuchen. Adresse: Zum Holschenböhl 2 (Navi: Pahlfortweg eingeben), in 27321 Emtinghausen, Telefon 04295/248.

Rezept für klassische Mehlschwitze

Ein einfaches Rezept „wie von Großmutter“ für eine Grundsoße verrät Irmgard Riechers – es ist eine klassische Mehlschwitze.

Zutaten:

  • Gute Butter
  • Mehl
  • Spargelwasser
  • Schlagsahne
  • Salz, Zitrone, Eigelb

Zubereitung:

Die Butter auslassen, mit Mehl bestäuben und schnell verrühren, mit Spargelwasser ablöschen, immer so viel Spargelwasser zugeben, bis sich eine sämige Soße bildet. Schlagsahne unterziehen und mit Salz und Zitrone abschmecken, mit einem Eigelb verfeinern.

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