Gedichtband

Ganz persönlich

Die Gesselerin Gundi Albrecht-Boese hat einen Gedichtband veröffentlicht. Viele der Texte für das Büchlein „Gedanken“ hatte sie schon lange in der Schreibtischschublade liegen.
13.07.2020, 17:22
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Von Rita Behrens
Ganz persönlich

Gundi Albrecht-Böse veröffentlicht ihre Gedichte jetzt in einem eigenen Band.

Michael Braunschädel

Syke-Gessel. Das Leben ist ein Labyrinth. Es ist nicht immer einfach, dieses verschlungene Rätsel – zumindest anteilig – zu lösen. Die Suche nach dem zielführenden Weg gehört dazu. Und manchmal kommt am Ende dabei ein Buch heraus. Die Gesselerin Gundi Albrecht-Boese hat ihren Weg gefunden: Ein harmonisch illustriertes Gedichtbändchen mit dem Titel „Gedanken“ liegt inzwischen auf ihrem Tisch.

Die Idee, eigene Gedichte in einem Buch zu veröffentlichen, ist an sich noch kein weitreichendes Ereignis. Indessen: Sich damit nach außen zu öffnen, erfordert sicherlich Mut. Da die lyrischen Texte aus individuellen Lebenssituationen heraus entstanden sind, bedurfte es zumindest der „zeitlichen Distanz“. So bewertet die Autorin ihren Entschluss im Januar, eine Auswahl eigener Lyrik einem Verlag anzuvertrauen: „Jetzt bin ich Rentnerin und es drängte sich auf, die Gedichte zu veröffentlichen. Die Texte lagen teilweise schon lange in der Schreibtischschublade.“

Bereits im Alter von circa 20 Jahren habe sie mit dem Schreiben einen Weg gefunden, tiefgreifende Ereignisse und Erfahrungen – „auch ganz Persönliches“ – zu verarbeiten und in komprimierter Form dichterisch darzustellen. Ihre Gedanken presst sie nicht in formale Muster oder Reimschemen. Sie bevorzugt eine offenere Form. Gleichwohl schiebt sich gänzlich unaufgefordert der lyrische Sprecher in die Kommunikation zwischen Verfasserin und Lesenden. Er verfremdet, gibt einerseits Schutz, aber beiderseits Freiheiten, ermöglicht Einsichten. Ganz so, wie es sich die Autorin und vermutlich auch die Rezipienten wünschen.

In Eigenregie hat die Syker Autorin der vorliegenden Sammlung zahlreiche Illustrationen hinzugefügt. Einige davon hatte sie im Laufe der Jahre geschenkt bekommen und gesammelt, teilweise gerahmt. Jetzt umrahmen sie, auf die Buchgröße übertragen, quasi die Dichtung. Sie freut sich darüber zusammen mit ihrer 95-jährigen Patentante, Elfriede Binnewies aus Westerstede. Denn deren Bilder, kunsttechnisch unterschiedlich gestaltet, wurden in das Buchprojekt eingebunden. Der Frieling-Verlag habe sich sehr kooperativ gezeigt und die konkreten Gestaltungsideen umgesetzt. Die Zusammenarbeit sei „äußerst angenehm“ und zügig verlaufen.

Gundi Albrecht-Boese ist im südwestlichen Niedersachsen, in der Grafschaft Bentheim aufgewachsen. Nach ihrem Abitur 1974 studierte sie zusammen mit ihrem späteren Ehemann Gartenbauwissenschaften in Hannover. Nach einer beruflichen Zwischenstation in Kassel und dem folgenden Stellenangebot in Bremen zogen sie 1990 gemeinsam mit ihren Eltern nach Gessel. In der naturnahen Umgebung fühle sie sich nach wie vor sehr wohl, berichtet sie.

Im Zuge ihres beruflichen Tätigkeitsfeldes füllte sie diverse Funktionen aus. Beim Norddeutschen Gartenbauverband (inzwischen Wirtschaftsverband Gartenbau) in Bremen verfasste sie beispielsweise eine Chronik zur 50-jährigen Vereinsgeschichte. Hierzu gehörte auch eine arbeitsintensive Recherche, die viel Zeit und Engagement beanspruchte, erinnert sie sich. Doch die damaligen Schreiberfahrungen waren primär durch eine sachliche Ausrichtung geprägt. Zur Entstehungszeit des Werkes, Ende der 1990er-Jahre, befand sie sich noch in der Familienphase mit zwei Schulkindern. Heute kann sie sich weitgehend neu orientieren.

Interessierte werden das Gedichtbändchen „Gedanken“ wohl gern zur Hand nehmen. Bereits auf den ersten Blick eröffnet der Einband Spielräume zur individuellen Reflexion. In schlichtem Grau-Weiß schmückt ihn symbolhaft ein ornamentartig wirkender Kranz, auch eine frei fliegende Friedenstaube zeigt sich. Jedoch erst auf den zweiten Blick werden zudem kleine und größere Tierarten, gewissermaßen in friedlicher Verbundenheit, sichtbar. Nicht allein hierzu sind Gedankenspiele durchaus erwünscht.

„Meine Welt“ zählt zu den Lieblingsgedichten der Verfasserin. Unsere heutige Lebensart gerät darin in den Fokus, konträre Lebensweisen beziehungsweise -betrachtungen werden anschaulich reflektiert. Für Gundi Albrecht-Boese gilt: „Wir müssen gucken, dass die Oberflächlichkeit, die immer stärker wird, nachlässt. Dass wir davon wieder wegkommen – wenn das überhaupt möglich ist.“ Mit dem Blick auf das abgebildete Aquarell (Am Zwischenahner Meer) formuliert sie abschließend: „Die Erde hat so viel zu bieten, es darf so nicht weitergehen.“ Eines ist sicher: Der kleine Gedichtband bietet mancherlei Möglichkeiten, die eigene Resonanz aufzuspüren oder gar die Sichtweise ganz nebenbei zu schärfen.

Der illustrierte Gedichtband kann im Buchhandel erworben werden: „Gedanken“ von Gundi Albrecht-Boese, Frieling-Verlag, ISBN 978-3- 8280-3541-6, 10,90 Euro.

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