Syker Vorwerk

Durchs Gehölz

Das Syker Vorwerk öffnet wieder. Ab Sonntag gibt es die Ausstellung „Gehölz die Zweite“ zu sehen. Allerdings ohne Vernissage vorweg.
26.06.2020, 16:23
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Von Dagmar Voss
Durchs Gehölz

Es geht wieder los: Nicole Giese präsentiert ab Sonntag die Ausstellung "Gehölz die Zweite" im Syker Vorwerk.

Vasil Dinev

Syke. Wieder einmal ist im Syker Vorwerk, dem Zentrum für zeitgenössische Kunst, eine erstaunliche Ausstellung zu sehen. Eigentlich wollte Kuratorin Nicole Giese-Kroner eine Fortsetzung der ersten erfolgreichen Ausstellung „Gehölz“ aus dem Jahr 2014 zeigen. Aber mit der Nachfolgerin „Gehölz die Zweite“ sind ganz andere, ungewöhnliche Werke in die beiden Etagen des historischen Gemäuers eingezogen. Ab Sonntag, 28. Juni, ist die Präsentation zu sehen. Es gibt keine Vernissage.

„Sechs weitere Vertreterinnen und Vertreter der zeitgenössischen Holzbildhauerei aus Deutschland“, erklärt Giese-Kroner. Mit ihren zeitgenössischen Herangehensweisen präsentieren also ab Sonntag Susanne Auslender, Beate Debus, Klaus Effern, Gunther Gerlach, Regine Hawellek und Markus Keuler ihre Werke. Wobei sich zu den Skulpturen ab und an auch mal eine Zeichnung oder ein Gedicht gesellen.

„Holz spielt im Leben des Menschen seit jeher eine hervorgehobene Rolle, die Bildhauerei in Holz ist eine der ältesten Formen der skulpturalen Ausdrucksmöglichkeiten, die wir kennen“, sagt Giese-Kroner. Diese Varianten ziehen sich „wie keine zweite durch die bekannte Kunst- und Kulturgeschichte, von der Steinzeit über die großen Holzschnitzer bedeutender Altäre wie Veit Stoß und Tilman Riemenschneider bis ins 20. Jahrhundert“.

Jedem teilnehmenden Künstler stehen ab Sonntag zwei Räume im Vorwerk zur Verfügung, die sie mit ihren Objekten gefüllt haben. Mit beeindruckenden Arbeiten, die genau diese Variationsmöglichkeiten darstellen. Ob nun aufgrund ihrer raumfüllenden Größe, ihrer figürlichen Darstellungsweise oder ihres Bezugs zu aktuellen Themen. Denn „mit der Emanzipation von der figürlichen Form zu abstrakter Kunst im 20. Jahrhundert hat sich auch die Holzbildhauerei weiterentwickelt“, so die Kuratorin. „Gegenwärtig laufen die verschiedenen Strömungen von figürlicher bis abstrakter Darstellung gleichberechtigt nebeneinander.“

Die Ausstellung „Gehölz die Zweite“ beleuchtet also unterschiedliche Darstellungsweisen und künstlerische Ansätze sowie ihre Zwischentöne. Vor allem wird das organische Ausgangsmaterial von den sechs Künstlern sehr unterschiedlich aufgefasst und behandelt. Im Erdgeschoss sind Schöpfungen von Beate Debus und Regina Hawellek zu sehen. Letztere wird manch einem sicherlich in Erinnerung sein von ihrer Installation „Zwei“ auf dem Kunstwanderweg Wald-Weg-Zeichen. Auch hier ist zwischen den moderneren Arbeiten ein solcher „Pilzkopf“ dabei. Bei ihr als Einziger sei das Ausgangsmaterial Baum, so Giese-Kroner, auch bei den dreidimensionalen Bildern.

Bei den riesigen Formen von Debus wird klar, dass Tanz und Bewegung Thema sind, dass Körper und Raum in Beziehung gesetzt werden. Im Obergeschoss trifft der Besucher auf die schon fast vertrauten Motive von Markus Keuler – ebenfalls auf den Wald-Weg-Zeichen vertreten –, dessen Wesen immer Angesichte von Menschen mit Trisomie 21 aufweisen; immer mit Humor und Taktgefühl dargestellt wie bei der ergreifenden Rauminstallation. Er stellt Wertschätzung dar auf Augenhöhe und verzichtet auf Naturalismus.

Die ebenfalls riesigen Figuren von Klaus Effern sind entstanden als Porträts von straffälligen Jugendlichen, wobei sich der Künstler auch bei mythologischen Figuren bedient. Oder bei Schweizer Bergen: „Il Chapütschin“ ist eine bemerkenswerte Rauminstallation. Susanne Auslenders Objekte – eins davon Titel auf der Einladungskarte – thematisieren ganz eindeutig die weltweite Kinderarbeit, ihr Leben, ihre Ausbeutung. Und Gunther Gerlachs „Beflügelt“ präsentiert nicht nur hölzerne Stelen mit Flügeln, sondern auch sein dazu passendes Poem.

Entstanden ist ein spannungsreicher Rundgang durch die aktuelle Bildhauerei in Holz. Nicole Giese-Kroner ist überzeugt: „Das Kapitel Holzbildhauerei ist noch lange nicht zu Ende erzählt.“ Zu sehen ab Sonntag, 28. Juni, bis zum 30. August. Zu Ende Juli plant das Vorwerk einen virtuellen Rundgang, der dann übers Internet begangen werden kann. Die Ausstellung im Vorwerk, Waldstraße 76, ist zu den Öffnungszeiten zu sehen, also mittwochs 15 bis 19 Uhr, sonnabends 14 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr sowie nach vorheriger Anmeldung. Weitere Informationen gibt es online unter www.syker-vorwerk.de.

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