Eis-Café hilft Lebenshilfe

Gelebte Inklusion

Julian Bake mag gerne Eis. Bei der Herstellung konnte er nicht dabei sein. Aber mit Nino Cabiddu vom Eis-Café "Mi Piace" in Syke stellte er einen Eis-Becher zusammen. Davon profitiert die Lebenshilfe.
13.07.2018, 17:36
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Gelebte Inklusion
Von Micha Bustian

Syke. Unten im Glas liegen Blaubeeren, darüber die Eissorte Himmelblau, eine Schicht Erdbeersoße, Mango- und Vanille-Eis, ein großer Haufen Sahne und Marshmallows in Blassblau und Zartrosa – das ist er, der "Spaßbecher", der ab sofort im Syker Eis-Café "Mi Piace" aufgetischt wird. Das Schöne daran – neben dem Geschmack natürlich: Ein Euro pro Portion geht an das ambulant betreute Wohnen der Lebenshilfe Syke. Und dahinter steckt eine Geschichte. Die Geschichte des Eis-Liebhabers Julian Bake.

Julian Bake ist 29 Jahre alt, arbeitet bei den Delme-Werkstätten in Weyhe und ist Kunde des ambulant betreuten Wohnens bei der Syker Lebenshilfe. Und er mag Eis. Da er ein neugieriges Kerlchen ist, hat er sich auf dem Weg zum Syker Bahnhof gefragt, wie Speise-Eis eigentlich hergestellt wird. Gefragt, gehandelt: Bake stieg vom Fahrrad ab, enterte das Eis-Café "Mi Piace" und fragte beim Chef nach, ob er bei der Herstellung einmal zuschauen könne.

Um es kurz zu machen: konnte er nicht. "Das geht aus hygienetechnischen Gründen nicht", erklärt Nino Cabiddu. "Leider." Aber die beiden Eis-Liebhaber blieben im Gespräch und einigten sich darauf, gemeinsam einen Eis-Becher zu kreieren. "Das dauerte zwei, zweieinhalb Stunden", sagt Julian Bake. Und Nino Cabiddu schmunzelt: "Er hatte das alles schon im Kopf. Wegen der Lebenshilfe wollte er auf jeden Fall die Farbe Blau integrieren. Dann haben wir einfach nur die Farbe und den Namen kombiniert."

Am Freitag schließlich durfte Julian Bake erstmals selber seinen Eisbecher ins Glas löffeln. Und probieren natürlich. "Alle reden immer von Inklusion", wundert sich der 29-Jährige. Dies hier wäre gelebte Inklusion. "Ich finde es toll, dass Nino das so möglich gemacht hat." Noch besser sei es natürlich, dass bei dieser Aktion noch einige Euro für die Lebenshilfe abfallen. "Davon können wir wieder Aktivitäten machen", freut sich Bake. Denn die Einnahmen für den "Spaßbecher" sollten doch auch für Spaß genutzt werden.

Während der arbeitsminimierten Zeit – bitte nicht verwechseln mit Ferien – bietet die Lebenshilfe für ihre Schützlinge nämlich regelmäßig Aktionen für Gruppen aus dem ambulant betreuten Wohnen an. "Freizeitparks, Ausflüge ans Meer, Kochabende", zählt Yvonne Lehmkuhl von der Lebenshilfe auf. Auch Julian Bake profitiert davon, denn er wird ambulant betreut. Heißt: Zweimal wöchentlich kommt ein Kollege von der Lebenshilfe in seine Wohnung und unterstützt ihn bei Dingen, die er alleine nur schlecht bewältigen kann.

Auf der Karte wird der "Spaßbecher" nicht erscheinen, Nino Cabiddu wird extra einen Aufsteller dafür anfertigen lassen. Die Gemeinschaftskreation wird bis zum Saisonende verkauft, "es soll ja auch eine ordentliche Summe dabei zusammenkommen". Noch wichtiger als der gute Zweck ist Cabiddu allerdings die Qualität. "Wir arbeiten nicht mit Milchpulver, das wäre für mich industriell hergestelltes Eis. Und das kann ich nicht gut leiden." All seine Eissorten seien glutenfrei, fügt Yvonne Lehmkuhl an. Nur die Waffel nicht. Noch nicht. "Alles, was geht, machen wir selber", verspricht Cabiddu. Der Großteil der Rohstoffe für Eis und Sößchen käme aus Bella Italia.

Fünf Euro kostet das Gemeinschaftswerk im Verkauf. Das Tolle daran ist auf jeden Fall: Die Eissorten kann jeder Käufer selbst bestimmen. "Das ist ja der Spaß daran", findet Julian Bake.

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