Weyhe Gemeinderat als Landesvorsitzender der Bremer SPD im Gespräch

Weyhes Erster Gemeinderat Andreas Bovenschulte wird jetzt als Landesvorsitzender der Bremer SPD gehandelt. Über Bovenschultes politische Ambitionen und die Vereinbarkeit von Parteivorsitz und Beruf, sprach mit ihm Hauke Gruhn.
24.03.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Die Nachricht war schon eine faustdicke Überraschung: Erst bahnte sich ein Duell um den Bremer SPD-Parteivorsitz zwischen Amtsinhaber Uwe Beckmeyer und dem Bundestagsabgeordneten Carsten Sieling an, jetzt wird plötzlich Weyhes Erster Gemeinderat Andreas Bovenschulte in Bremen als Landesvorsitzender seiner Partei gehandelt. Hauke Gruhn sprach mit Bovenschulte über seine politischen Ambitionen und die Vereinbarkeit von Parteivorsitz und Beruf.

Herr Bovenschulte, Sie werden als neuer SPD-Chef in Bremen gehandelt. Wie haben Sie eigentlich von Ihrem Glück erfahren?

Andreas Bovenschulte: Ich bin von den beiden Bremer Bundestagsabgeordneten angesprochen worden, ob ich mir das vorstellen könnte. Und ich habe ja gesagt. Mit dem Gedanken, mich stärker in meiner Partei zu engagieren, habe ich mich schon länger getragen. Erst am vergangenen Mittwoch bin ich ja von meinem Ortsverein als Beisitzer für den Landesvorstand nominiert worden.

Nun also möglicherweise Vorsitzender statt Beisitzer. Wie ist das weitere Prozedere?

Auch als Kandidat für den Parteivorsitz muss man von seinem Ortsverein nominiert werden. Wenn es am Ende mehrere Kandidaten gibt, kann es auch zu einer Mitgliederbefragung kommen. Das ist ein demokratischer Prozess.

Das mit der Nominierung durch Ihren Ortsverein dürfte doch wohl nur Formsache sein, schließlich ist Ihre Ehefrau Ulrike Hiller dort Vorsitzende...

Das hat damit nichts zu tun. Aber ich rechne mir in der Tat gute Chancen aus.

Verliert Weyhe jetzt möglicherweise seinen Ersten Gemeinderat?

Nein, das ist nicht der Fall. Der Parteivorsitz ist ein Ehrenamt. Es macht mir nach wie vor sehr viel Spaß in Weyhe, ich möchte das mit ganzem Einsatz weitermachen. Ich würde auch nicht für die Bürgerschaft kandidieren, falls ich zum Parteivorsitzenden gewählt werde.

Einen Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte wird es also nicht geben?

Das steht doch überhaupt nicht zur Debatte. Wie gesagt, ich bin gerne in Weyhe tätig.

Haben Sie schon Reaktionen aus Weyhe bekommen auf die Nachricht, dass Sie möglicherweise aufsteigen in Ihrer Partei?

Ich habe meine Schritte natürlich mit dem Bürgermeister Frank Lemmermann abgesprochen. Er steht ehrenamtlichem Engagement generell positiv gegenüber - und er findet es gut, dass ich mich in meiner Partei engagieren möchte. Auch sonst habe ich nur positive Reaktionen bekommen.

Sind das Ehrenamt als Bremer SPD-Vorsitzender und Ihre Leitungsposition in Einklang zu bringen?

Aus meiner Sicht ja.

Profitiert Weyhe von einem Bremer SPD-Parteichef Andreas Bovenschulte? Oder umgekehrt: Profitiert Bremen von einem SPD-Chef, der auch in Weyhe etwas zu sagen hat?

Es gab in den vergangenen Jahren ein ausgesprochen gutes Verhältnis zwischen Weyhe und Bremen. Die Südumgehung Dreye ist doch das beste Beispiel für eine gute Zusammenarbeit. Das Ehrenamt als Parteivorsitzender und meine Arbeit als Erster Gemeinderat wären aber ganz verschiedene Ebenen mit ganz unterschiedlichen Aufgaben.

Also ist aus Ihrer Sicht kein Interessenkonflikt denkbar, wenn Bremen und Weyhe - ausnahmsweise - mal nicht einer Meinung sein sollten?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich sehe keinen Interessenkonflikt, auch keinen potenziellen. Ich bin Wahlbeamter der Gemeinde Weyhe und sehe meinen Schwerpunkt in der Verwaltungsarbeit. Auch zu den anderen Parteien in Weyhe pflege ich ein gutes Verhältnis. Ich glaube, das könnte ich klar trennen. Vom Ersten Gemeinderat erwarten die Parteien eine gute Vorbereitung ihrer Entscheidungen. Ich gehe nicht davon aus, dass das Verhältnis zu den Weyher Parteien plötzlich belastet würde, falls ich zum Bremer SPD-Parteivorsitzenden gewählt werde. In Weyhe ist die Politik durch ein hohes Maß an Sachbezogenheit geprägt.

Sie sagten es bereits, Sie sind Wahlbeamter. Wie lange läuft eigentlich noch ihre Amtszeit als Erster Gemeinderat in Weyhe?

Ich bin für acht Jahre gewählt - also bis 2015.

Dann könnte Herr Böhrnsen in Bremen ja theoretisch schon etwas anderes vorhaben...

(lacht) Sie können es einfach nicht lassen! Aber ich befürchte, dass ich mich da wiederholen muss: Daran denke ich überhaupt nicht. Im Übrigen: 'Hoppla-jetzt-komm-ich' ist überhaupt nicht mein Ding.

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