Gericht stellt Strafverfahren um fahrlässige Tötung ein

VON RENATE SCHÖRKEN
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VON RENATE SCHÖRKEN

Syke?Twistringen. Ein 44-jähriger Familienvater starb in einer Augustnacht des vergangenen Jahres auf der Bundesstraße 51 bei Binghausen unter dramatischen und bis heute nicht geklärten Umständen: Offenbar mitten auf der Fahrbahn laufend, war der Fußgänger von einem Taxi in voller Fahrt frontal erfasst und getötet worden. Der 39-jährige Fahrer musste sich gestern wegen fahrlässiger Tötung vor der Syker Strafrichterin verantworten.

Das Verfahren wurde nach Anhörungen mehrerer Zeugen ohne Auflagen wegen geringer Schuld eingestellt. Allerdings muss der Angeklagte die Kosten für den eigenen Rechtsanwalt und den Anwalt der Witwe, die als Nebenklägerin am Verfahren beteiligt war, bezahlen. Zur öffentlichen Verhandlung kam es erst, nachdem die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl über 1800 Euro geschrieben hatte. Dagegen legte der Twistringer Einspruch ein. Mit der Einstellung ist dieser Strafbefehl nichtig.

Es war der 30. August 2009, die Nacht zum Sonntag, kurz nach vier Uhr. Der Twistringer Taxifahrer war nach Schichtende zwischen Bassum und Twistringen nach eigenen Angaben mit etwa Tempo 90 unterwegs. Auf gerader Strecke erfasste er den Mann, den er erst im letzten Moment wahrgenommen hatte. Der 44-Jährige prallte vor dem Fahrer auf die Frontscheibe und wurde fortgeschleudert. Die Wucht muss ungeheuerlich gewesen sein. Der VW Caddy wurde an der Aufprallstelle stark verformt. Der Fahrer erlitt eine Gesichtsverletzung durch Glassplitter und einen schweren Schock.

Im Gerichtssaal sprach der Verteidiger für seinen Mandanten. Er beschrieb die schwere Traumatisierung des 39-Jährigen, die zunächst fehlende Erinnerung an den Aufprall, den Versuch der therapeutischen Aufarbeitung. Er bemühe sich, ins normale Leben zurück zu finden und vielleicht wieder als Taxifahrer zu arbeiten. Sein Mandant empfinde eine schwere moralische Schuld, sagte der Rechtsanwalt.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft stützte sich auf den Paragraphen 3 der Straßenverkehrsordnung: Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, dass er sein Fahrzeug ständig beherrscht, heißt es dort. Damit er auch auf unvermutete Hindernisse rechtzeitig hätte reagieren und abbremsen können. Laut der Berechnung eines Gutachters wäre dies bei Tempo 45 möglich gewesen. Der Verteidiger wertete diese Anklage als stark überzogen: "Wer fährt nachts auf einer geraden Landstraße mit 45 Stundenkilometern? Dann wäre er doch eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer gewesen."

Der Polizei ist es nicht gelungen, die Hintergründe des Unfalls aufzuklären. Was machte der Mann mitten auf der Fahrbahn? "Wir konnten die Frage nicht beantworten", sagte eine Beamtin des Syker Kommissariats im Gerichtssaal. "Alle möglichen Erklärungen blieben Spekulation."

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