Geschäftsbericht

Ein Hauch von Frankreich

Annette Arndt betreibt den Schützen- und Reiterhof in Okel. Ganz nebenbei züchtet sie Charolais-Rinder. Und das durchaus mit Erfolg.
03.11.2020, 17:20
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Von Dagmar Voss
Ein Hauch von Frankreich

Vielfach preisgekrönt: Annette Arndt besucht ihre Rinderherde auf der Weide in Okel.

Syke. Einen, nein, ganz viele „Mister Verden“ haben sie in Okel schon gezüchtet. Das Mister ist der erste Preis bei den Verdener Fleischrindertagen „Masterrind“. Da können gekrönte Rinder entweder in ihrer Rasse oder für alle Rassen oder beides Preise abräumen. Die Charolais-Rinder der Familie Arndt haben das schon sehr oft geschafft. Seit Ernst-August Arndt seine Landwirtschaft im Jahr 1990 umgestellt hatte von Milchkühen, dann Schweinen, schließlich auf Charolais, ist die ganze Familie mit Herzblut dabei. „Er fand damals wohl diese großen, starken und gutmütigen Tiere einfach gut“, vermutet seine Tochter Annette, die sich mittlerweile ebenso mit Hingabe um diese weißen Riesen kümmert.

Charolais ist die Bezeichnung für eine französische Fleischrinderrasse, die in Deutschland und Europa sehr verbreitet ist. Ihren Namen hat die Rasse von der Umgebung von Charolles, dem Charolais, gelegen im mittleren Osten Frankreichs, in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Und mit diesen Viechern räumen sie also ab, überall in Deutschland, aber besonders in Verden bei der Masterrind GmbH, die Europas Marktführer im Handel mit Zuchtrindern sein soll. „Für uns super, weil wir es nicht weit haben, also auch keine lange Reise für die Tiere, und man dort am besten in ganz Deutschland verkaufen kann“, sagt Annette Arndt. Da wird der jeweilige Bulle – immer einer auf zehn Kühe pro Betrieb darf teilnehmen – vorher selbstredend aufgehübscht, ausgiebig gewaschen, rasiert und gebürstet. Am Schluss stehe da ein schneeweißes Tier.

Masterrind unterstütze die Züchter, die durch Nutzung hervorragender Genetik und strategischer Zuchtplanung zu qualitativ hochwertigen Rindern kommen. Und das Unternehmen könne so in den Herden der Mitgliedsbetriebe auf besagte Qualität zurückgreifen. „Der Handel mit lebenden Tieren ist Vertrauenssache und basiert auf Transparenz und Fairness zwischen den beteiligten Marktpartnern“, lässt sich der Firmen-Homepage entnehmen. Nicht von ungefähr ist diese alljährliche Veranstaltung denn auch die beliebteste und erfolgreichste deutschlandweit.

Annette Arndt sagt voller Stolz: „Mit den Charolais haben wir uns eine kleine, aber feine Mutterkuhherde aufgebaut, mit der wir Tierschauen in ganz Deutschland mit Erfolg besuchen.“ In diesem Februar war die Krönung der Sieg über die Rindersorten Angus, Blonde d’Auitaine, Fleckvieh, Galloway, Hereford, Limousin, Welsh Black und Charolais. Rund 120 Tiere standen da in Konkurrenz, betrachtet von gut 1000 Besuchern.

Die Tiere sind im Frühjahr, sobald es möglich ist, auf der Wiese – zwölf Hektar davon stehen zur Verfügung – und fressen dort vornehmlich Gras. Bis zum Herbst verbleiben sie dort, trotzen Sonne, Wind und Wetter. Mit Augenzwinkern sagt Arndt: „Bei uns kann man gut Kuh sein, da hat man ein schönes Leben.“ Im Winter haben die Arndts Strohplätze im Stall für die Rinder reserviert. Die Hobby-Rinderzüchterin erklärt: „Wir verkaufen Zuchtvieh und Nutzvieh und schlachten keine Tiere für den Eigenbedarf – der Schlachter kommt nur, wenn Altersgründe oder Krankheit der Anlass sind.“ Allerdings sei es zurzeit mit dem Verkauf eh schwierig aufgrund der Corona-Pandemie und der Situation in den Schlachthöfen.

Zur guten Sorge um die Vierbeiner gehört auch, dass zweimal im Jahr der Tierarzt kommt. „Da wird Blut abgenommen, was sie natürlich nicht mögen, schon beim Geräusch seines Autos werden sie unruhig, aber es gehört dazu, dass sie regelmäßig überprüft werden, auch ihre DNA, denn Genetik ist das A und O der Züchtung.“ Dazu zählen auch, dass ihre „Haustiere“, wie Arndt schmunzelnd zugibt, keine Hörner mehr haben. Die sind weggezüchtet, und so erlangen die Tiere höhere Preise.

Immerhin bekommen die derzeit zehn Kühe im Schnitt und Idealzustand jedes Jahr ein Kalb, das in ein angenehmes Rinderleben hineingeboren wird. Das lässt sich auch der langen Ahnentafel entnehmen, auf die die Arndts verweisen können. So beispielsweise bei der „Okelerin“, einer elfjährigen Mutterkuh, bei der demnächst mit einem neuen Nachkommen gerechnet wird. Daneben stehen aktuell noch fünf Jungtiere auf dem Arndtschen Land – und zwei Jungbullen.

In ihrer Gaststätte „Schützen- und Reiterhof Okel“ trifft man sich unter Züchtern in der Region regelmäßig und tauscht sich aus. „Da haben wir schon darüber gesprochen, über die aktuelle Situation und unsere Ängste, vor allem wegen der Wölfe – da berichteten einige von gerissenen Tieren.“ Natürlich können Hungrige sich im Restaurant auch ohne Züchterinteressen von der gelernten Köchin Arndt verwöhnen lassen. Da gibt es immer leckere gutbürgerliche Küche.

Auch um ein wie auch immer stattfindendes Weihnachtsfest unter Coronabedingungen hat sich die energiegeladene Frau schon Gedanken gemacht: „Am ersten Weihnachtstag kochen wir eine Auswahl: Ente, Gans, Rinderroulade, Rehragout, wahlweise mit Rotkohl, Rosenkohl, Klößen, Salzkartoffeln und Soße." Dazu könnte man eine gemischte Salatplatte und oder Hühnersuppe ordern. Man müsste bis zum 19. Dezember bestellen und bezahlen, bis zum 23. Dezember müssten diejenigen dann die eigenen Töpfe bringen, damit man die dann am ersten Weihnachtstag gefüllt wieder abholen kann.

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