Interview mit Robert Corvus

Gestatten: Corvus, Autor und Lateintänzer

Die 23. Ausgabe der Namenlosen Tage steht kurz bevor. Wieder darf eine Autorenlesung nicht fehlen. Am Freitag, 22. September, liest Bernd Robker alias Robert Corvus aus der Phileasson-Saga.
15.09.2017, 17:30
Lesedauer: 5 Min
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Von Dominik Albrecht
Gestatten: Corvus, Autor und Lateintänzer

Wenn Bernd Otto Robker nicht schreibt, arbeitet er entweder an seinen Tanzschritten oder der Prunkausgabe der Phileasson-Saga.

Gustav Kuhweide FOTO-KUHWEIDE.DE und Gustav Kuhweide, Gustav Kuhweide

Die ersten Vorpremieren zum vierten Band der Phileasson-Saga kamen ihren Worten nach gut an. Rechnen Sie mit ähnlich guten Resonanzen in Syke?

Bernd Robker : Ich denke schon. Bernhard (Hennen, Anm. d. Red.) hat mich gebrieft und gemeint, dass die Besucher der Namenlosen Tage voll in der Szene sind. Seiner Meinung nach werde ich mich in Syke wohlfühlen. Ich selber kenne Syke noch überhaupt nicht und bin gespannt.

Bernhard Hennen musste sich ja krankheitsbedingt abmelden. Wie wird die Lesung am 22. September ab 19 Uhr alleine ablaufen?

Ich werde zu Beginn grob die Handlung der ersten drei Bücher zusammenfassen, damit jeder weiß, worum es geht. Bei den vergangenen Lesungen habe ich Bernhards Leseteil übernommen und mit veränderter Stimme gelesen.

Und eine eigenwillige Tradition für Ihre Lesungen wurde ja auch eingeführt...

Ja, Bernhard Hennen und ich machen das immer so, dass wir zum Schluss mit dem Publikum singen. Die Besucher werden dann zum „Thorwaler Chor“ und singen mit uns Lieder, die einen Bezug zur Phileasson-Saga haben.

Die Norddeutschen genießen ja einen eher kühleren Ruf, wenn es um spontane Gefühlsausbrüche geht...

Das klappt überall. Spätestens in dem Moment, wenn man als Autor die Clownsschuhe anzieht. Und der Vorteil: Wenn man das mitmacht, ist einem danach nichts mehr peinlich.

Kommen wir zu der Phileasson-Saga. Im April vergangenen Jahres erschien der erste Band, nur rund eineinhalb Jahre später liegt schon der vierte auf den Ladentischen.

Eigentlich soll die Saga aus zwölf Bänden bestehen. Dann sind mit uns die Y-Chromosome durchgegangen, und wir wollten sechs pro Jahr veröffentlichen. Das hat offensichtlich nicht geklappt, und jetzt haben wir uns auf zwei pro Jahr geeinigt.

Provoziert man da nicht auch eine Übersättigung der Leser?

Das hatte ich auch befürchtet, wurde aber eines Besseren belehrt. Kurz nachdem das Buch herauskam, kamen schon die ersten Kommentare der Leser, dass sie jetzt leider wieder sechs Monate auf den nächsten Band warten müssen. Manche nehmen extra eine Woche frei und machen das Internet aus, um sich nicht spoilern (übersetzt etwa: sich nichts verraten lassen, Anm. d. Red.) zu lassen.

Mehr Hingabe kann man sich nicht wünschen, oder?

Für mich ist das ein wenig beängstigend (lacht). Aber es ist eine schöne Sache. Wenn die Freude da ist, haben wir als Autoren alles richtig gemacht.

Jetzt ist die Saga nicht nur auf Sie zurückzuführen, sondern entstammt einer Zusammenarbeit mit Bernhard Hennen. Wie schreibt man zu zweit ein Buch?

Der große Vorteil ist, dass die Geschichte durch die zwei Gruppierungen auch zwei Handlungen hat. Wir haben einerseits die Ansicht des Bösewichts Beorn der Blender und der Guten um Asleif Phileasson. Jeder schreibt aus seiner Sicht, sendet dem anderen den Text. Der gibt zuweilen Änderungsvorschläge und schickt es dann zurück. Kurz vor Fertigstellung des Buches treffen wir uns und gehen durch, ob es wirklich harte Knackpunkte gibt, die wir angehen müssen.

Hat sich Bernhard Hennen gewehrt, die Rolle des Antagonisten zu übernehmen, oder waren Sie sich gleich einig?

Nein, darum hat Bernhard sogar gebeten. Man muss dazu sagen, dass das ganze Universum, in dem das Buch spielt, sein Baby ist. Er hat früher die Abenteuer für „Das Schwarze Auge“ (eines der beliebtesten Rollenspielsysteme, Anm. d. Red.) geschrieben und kennt viele Charakterzüge der Protagonisten und des Helden. Darum war es ihm wichtig, auch einmal aus der Gegenansicht zu schreiben und damit etwas Frisches zu schreiben.

In Ihrer Biografie heißt es, dass das Fantasy-Epos „Game of Thrones“ für Sie der Standard ist. Inwiefern wirkt sich das auf ihre eigenen Bücher aus?

„Game of Thrones“ ist prägend für die heutige Fantasy. Der Ansatz, dass man mit vielen und unsicheren Perspektiven Geschichten erzählt und für eine Ambivalenz sorgt, ist Standard geworden, den man in seinen Büchern auch haben muss.

Besteht da nicht die Gefahr, dass sich alles gleich liest?

Natürlich. Das heißt auch nicht, dass man die Namen herausstreicht, durch andere ersetzt und den Rest übernimmt. Ich vergleiche das mit Fußballspielen. Früher war Manndeckung die Taktik. Dann fing eine Mannschaft an mit Raumdeckung und alle anderen zogen nach. Trotzdem hat jeder seine eigenen Spieler.

Sie bringen Ihre Bücher nicht nur unter dem Namen Robert Corvus heraus, sondern auch als Bernard Craw. Wie kam es dazu?

Bernard Craw stammt noch aus meiner Teenager-Zeit. Damals waren alle Autoren Amerikaner. Ich wollte auch einen englisch klingenden Namen. Damals habe ich den Film „The Crow“ geliebt und den Namen in Craw abgewandelt. Allerdings hatten Buchhändler mit dem Namen Probleme und suchten bei Nachfragen nach „Bernhard“ oder „Crow“ und fanden nichts. Dann hieß es immer: „Das können wir nicht bestellen.“ Bei meinem Wechsel zum Piper-Verlag habe ich ihn in Robert Corvus geändert.

In Ihrer Biografie outen Sie sich als Kinofan, Metalhead sowie Latein- und Standard-Tänzer. Wie passt letzteres Duo zusammen?

Erstmal ist „Nothing Else Matters“ ein Wiener Walzer, auch wenn es dafür ein wenig zu langsam ist (lacht). Eigentlich passt das nicht, aber ich führe lieber ein farbenfrohes Leben, als festgefahren zu sein.

Und wie reagieren andere Metal-Fans, wenn sie von Ihrem Hobby erfahren?

Die sind ja in der Regel sowieso so drauf, dass sie sagen, mach dein Ding und basta. Da könnte ich wahrscheinlich auch Blumenzüchter sein, solange es authentisch ist.

Außerdem bezeichnen Sie sich als bibliophil. Wie infiziert sind Sie, und wo kommt dieser Hang her?

Ich achte sehr auf schöne Umschläge und Sachen wie Lesebändchen. Und je älter ich werde, desto schlimmer wird es. Bücher stehen die meiste Zeit im Regal und gehören für mich damit auch zur Dekoration des Wohnraums. Ich sehe meinen Hang zu Büchern als familiären Ausgleich. Meine Mutter hat nur zwei Bücher gelesen, und ich darf das jetzt wieder ausgleichen. Bernhard ist da aber noch extremer. Er war es auch, der mich mit Nachdruck zur Prunkausgabe der Phileasson-Saga gedrängt hat.

Damit sprechen Sie sicher die gestartete Crowdfunding-Kampagne an, für die Sie im Moment mehr als 20 000 Euro gesammelt haben...

Ja, und die guten Fortschritte sind auch zurzeit das Wesentliche, was zur Gesundung von Bernhard beiträgt (lacht).

Mit der Kampagne soll die Phileasson-Saga sowohl in einem Hardcover-Leineneinband mit Prägung als auch aus Echtleder erscheinen. Wie kamen Sie beide auf die Designs?

Bernhard sagte, es soll geil aussehen, und ich habe wenig Ahnung von Produkten. Die Ausstattung kommt daher vom Verlag Ulisses. Die kennen sich gut damit aus und haben das ganze Ding aufgesetzt. Die Rolle von Bernhard und mir ist, sich zu freuen, wie es aussieht.

Dann haben E-Books bei Ihnen keine Chance, oder?

Doch, durchaus. Ich war mal auf einer Pilgerreise. Ein Freund hat mir vorgeschlagen, ich soll doch einen Esel mitnehmen, der meine Bücher trägt. Letztlich dachte ich mir, dass ein Kindle besser wäre. Von da an habe ich es zu schätzen gelernt, dass man eine komplette Buchsammlung mit hat.

Was werden Sie auf den Namenlosen Tagen in Syke auf jeden Fall machen?

Ich freue mich sehr auf Karl-Heinz Witzko. Ich werde alle seine Bücher mitnehmen und mir signieren lassen.

Das Gespräch führte Dominik Albrecht.

Der SYKER KURIER verlost auf www.facebook.com/sykerkurier drei Pakete, bestehend aus freiem Eintritt für die Namenlosen Tage, Band 1 der Phileasson-Saga , garantiertem Sitzplatz bei der Lesung und mehr.

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