Gödestorfer Straße

„Es muss etwas passieren“

An der Einmündung der Kreisstraße 74 auf die Landesstraße 354 in Gödestorf kommt es häufiger zu Unfällen. Ortsbürgermeister Andreas Schmidt will, dass nun etwas passiert.
07.08.2020, 17:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sarah Essing
„Es muss etwas passieren“

An der Einmündung der Gödestorf Straße (Kreisstraße 74) auf den Gödestorfer Damm (Landesstraße 354) kommt es immer wieder zu Unfällen. Daher soll dort nun etwas passieren. Möglich wäre ein Kreisel.

Michael Braunschädel

Syke-Gödestorf. Zwei Unfälle binnen weniger Tage: Vor einer Woche wurden zwei junge Männer bei einem Zusammenstoß mit einem landwirtschaftlichen Fahrzeug lebensgefährlich verletzt. Eine Woche zuvor kollidierte ein Fahranfänger mit einem anderen Auto. Dessen Fahrerin wurde schwer verletzt, ihre mitfahrende Tochter und der Fahranfänger leicht. Zwei Unfälle aus der jüngsten Zeit an der Einmündung der Kreisstraße 74 (Gödestorfer Straße) auf die Landesstraße 354 (Gödestorfer Damm). Doch die Liste ließe sich fortsetzen. „Wir haben bisher Glück gehabt, dass vor allem mit Fußgängern oder Radfahrern nicht noch mehr passiert ist“, sagt Gödestorfs Bürgermeister Andreas Schmidt und fordert: „Es muss etwas passieren.“

Dieser Unfallschwerpunkt beschäftigt Schmidt und den Gödestorfer Ortsrat schon länger. Im September stand die Verkehrssituation an der Einmündung der Kreisstraße 74, wo die Landesstraße in einer abknickenden Vorfahrtsstraße von Verden nach Syke an Gödestorf vorbeiführt, auf der Tagesordnung. Eine Verkehrsschau mit Landkreis, Stadt und Polizei wurde angeregt, um sich vor Ort die Problematik anzusehen, sodass dann etwas passieren kann. Angedacht war ein Termin im Frühjahr, doch Corona verhinderte weitere Planungen. Und Schmidt will nicht mehr warten. Weiß aber auch: „Um hier eine Lösung zu finden, muss man viele Probleme berücksichtigen.“ Denn, wenn es an dieser Stelle knallt, hat dies selten ein und dieselbe Ursache.

Da ist zum einen der motorisierte Verkehr auf der Landesstraße. „Wenn man von der Kreisstraße kommt, ist man vorsichtiger“, hat Schmidt beobachtet. Die Sicht ist dort eingeschränkt und ein Vorfahrt-achten-Schild weist auf die Einmündung hin. Auto-, Lkw- oder auch Motorradfahrer, die auf der Landesstraße unterwegs sind, unterschätzen die abknickende Vorfahrt jedoch häufig. Zwar gilt dort bereits ein Tempolimit von 70 Stundenkilometern, dennoch „wird die Kurve häufig völlig falsch eingeschätzt“, sagt Schmidt.

Änderung der Vorfahrt eher kritisch

Das sieht auch der Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Diepholz, Wolfgang Rehling, so. Abknickende Vorfahrten seien grundsätzlich problematisch, in Gödestorf sei sie „auch baulich schlecht gelöst“. Allerdings muss er auch sagen: „So richtig schweres Unfallgeschehen gibt es dort bisher nicht.“ Die jüngsten beiden Vorfälle seien die ersten dieser Art gewesen, sonst bleibe es meistens bei Blechschäden. Insgesamt seien bei dieser Einmündung, so Rehling weiter, 14 Unfälle passiert, die sich gleichmäßig in Vorfahrtsverletzungen und nicht angepasster Geschwindigkeit im Kurvenbereich aufteilten. Er bezweifelt, dass dies durch eine Änderung der Vorfahrtsregelung an dieser Einmündung gelöst werden könnte. Das ist zwar eine kurzfristige Lösung, die auch der Ortsbürgermeister schon angedacht hatte, doch Rehling befürchtet, dass dies die Situation tatsächlich noch verschlimmern könnte. „Das halte ich für gefährlich“, sagt er sogar und verweist auf die Ortskundigen, die mit der Einmündung vertraut sind. Ohnehin passieren die meisten Unfälle mit auswärtigen Fahrern, die nicht mit den Gegebenheiten vertraut sind und die Kurve unterschätzen, so Rehling weiter. Da könnte schon eine Nachbesserung der Markierungen helfen.

Doch es ist nicht der motorisierte Verkehr allein, der Probleme an dieser Stelle hat. „Wer als Radfahrer aus Gödestorf kommt und die Landesstraße kreuzen will, um auf den Radweg auf der gegenüberliegenden Seite zu gelangen, muss diagonal die Straße queren“, sagt Schmidt und betont: „Wir haben hier viele Radfahrer.“ Was auch daran liegen könnte, dass es in der Umgebung bereits Radwege gibt. Allein in Gödestorf fehlt ein Stück, genauer gesagt: Es fehlen noch 2,3 Kilometer – von der Friedeholzstraße in Osterholz bis zur abknickenden Vorfahrt in Gödestorf. „Dann wäre der Radweg von Syke bis nach Bruchhausen-Vilsen durchgängig“, so Schmidt. Auf seine Anfrage beim Landkreis, wann dieser Lückenschluss erfolgen soll, erhielt der Gödestorfer Ortsbürgermeister die Auskunft 2022 oder sogar 2023. Zu spät, wie Schmidt findet.

Fußgänger haben bereits ein Problem, überhaupt in den Einmündungsbereich zu gelangen: Es gibt an der Gödestorfer Straße keinen Fußweg. Ein schmaler Grünstreifen am Rand ist die einzige Möglichkeit. „Da muss aber alles lang“, sagt Schmidt. Kindergarten, Feuerwehrgerätehaus, Dorfgemeinschaftshaus, Sportplatz – alles ist über die Gödestorfer Straße zu erreichen. Eine Situation, die Sykes Bürgermeisterin Suse Laue ebenfalls nicht gefällt. „Wir müssen eine Lösung dafür finden“, sagt sie auch mit Blick darauf, dass Fußgänger derzeit den längsten Weg haben, wollen sie sicher ans Ziel gelangen.

Land sitzt mit im Boot

Ein Kreisel, so Suse Laue und Andreas Schmidt, wäre wohl die beste Lösung für alle Verkehrsteilnehmer an dieser Stelle. Bei einer Verkehrsschau mit dem Landkreis wird daher wohl auch dieser Vorschlag zur Sprache kommen. Diese Schau liegt in der Verantwortlichkeit des Landkreises, und dort hat man auf den Anruf aus Syke reagiert. Zügig werden sich Vertreter des Landkreises, der Stadt und der Polizei vor Ort treffen, um zu einer Lösung zu kommen. Allerdings kann der Kreis nicht allein entscheiden. Für bauliche Änderungen an der Landesstraße ist auch das Land Niedersachsen gefragt. Der zuständige Sachbearbeiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr war für eine Stellungnahme dazu allerdings bisher nicht zu erreichen.

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