Ferien-Workshop Kunst mit Fingerspitzengefühl

Mit Spraydosen lassen sich schnell tolle Kunstwerke zaubern. Wie schnell erfuhren jetzt die Teilnehmerinnen am Graffiti-Workshop in Syke. Im Zuge des Ferien-Programms hatte die Stadt den Workshop angeboten.
22.10.2020, 16:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing

Syke-Barrien. Graffiti, das. So steht's im Duden. Es kommt vom italienischen Wort graffiare, kratzen. Heutzutage wird das Wort für verschiedene Techniken angewandt, mit denen Bilder, Zeichen oder Schriftzüge auf Oberflächen, zumeist im öffentlichen Raum, aufgebracht werden. Die einen nennen es Kunst, für die anderen kann es weg. Der Gesetzesgeber trennt zwischen erlaubter und unerlaubter Gestaltung. Letzteres heißt dann Vandalismus und kann teuer für den Verursacher werden. Doch das stand beim Graffiti-Workshop in der Barrier Butze nicht im Vordergrund. „Probiert euch einfach aus“, gab Workshop-Leiterin Mia Himme den Teilnehmerinnen mit und damit auch gleich an, worum es bei diesem Angebot im Zuge des Ferienangebots der Stadt Syke ging: Ausprobieren, Spaß haben, kreativ sein.

Elf Mädchen haben sich für diesen Workshop angemeldet. Nur Mädchen? Ja, denn dieses Angebot richtete sich speziell an den weiblichen Nachwuchs. Mit gutem Grund. „Ich durfte früher nicht mitmachen bei den Sprayern. Das fand ich doof“, berichtet Mia Himme, die gemeinsam mit ihrem Mann Jesse nach dem Kunststudium „Make It Bright“ gründete, wo sie Auftragsarbeiten und Workshops anbieten. Letzteres auch ganz speziell für den weiblichen Nachwuchs, um Mädchen ebenfalls Zugang zu dieser eher männlich dominierten Kunstform zu bieten. „Wir haben das noch nie gemacht, wollten es mal ausprobieren“, schildern Franziska und Shalia, was sie zu diesem Workshop gebracht hat. Nun stehen sie mit neun weiteren Mädchen im Alter zwischen neun und 16 Jahren im Halbkreis vor der Barrier Butze und lauschen Mia Himmes Anweisungen.

Hinter der Künstlerin stehen gut zwei Dutzend Spraydosen. Das Handwerkzeug für diese Kunstform. Gesprayt wird auf Leinwände. „So kann jede Teilnehmerin ihr eigenes Werk mitnehmen“, sagt Mia Himme. Als Motiv hat sie den Weltall vorgeschlagen. Verschiedene runde Formen helfen bei der Gestaltung der Planeten, doch zunächst heißt die Anweisung der Künstlerin: „Die Dosen vor dem Gebrauch gut schütteln!“ Damit sich die Pigmente der Lackfarben gut verteilen und somit gut sprühen lassen. Verschieden große Caps, also Sprühköpfe, erlauben eine Abstufung, wieviel Farbe auf der Leinwand landet. „Wenn ihr die Farbdosen ausprobiert, immer schön weg von den anderen halten“, rät sie noch.

Dann können die Mädchen loslegen. Jede sucht sich eine Leinwand aus, eine der runden Schablone für den ersten Planeten und dann ist erst mal nur noch das Klackern der Kugeln in den Spraydosen zu hören. Vorsichtig testet Leni mit wieviel Druck sie den Sprühkopf betätigen muss, um einen ersten Planeten auf die Leinwand zu bekommen. Zu wenig, und der Kreis wird zu blass. Zu viel, dann droht die Farbe zu verlaufen. „Wenn ihr etwas gemacht habt, was euch nicht gefällt: kein Problem. Das kriegen wir wieder hin“, sagt Mia Himme. Das sei das Schöne am Sprayen mit Lackfarben. Mit einer weiteren Schicht, lassen sich Fehler schnell wieder korrigieren.

Die Künstlerin geht von Leinwand zu Leinwand, gibt Tipps, wie man mit ein wenig Pappe, zerknülltem Papier oder den eigenen Fingern den Planetenoberflächen unterschiedliche Strukturen verpassen kann. Damit keine Farbe an den Fingern kleben bleibt, gibt es für jede Teilnehmerin Einmalhandschuhe. Mit ein wenig Schwarz und Weiß lässt sich Licht und Schatten um die Planeten gestalten. Mia Himme zeigt, wie schnell man damit Tiefe in die Bilder zaubern kann. Alles andere bleibt den Teilnehmerinnen überlassen. „Man kann beim Sprayen tolle Sachen machen“, ist die Künstlerin von dieser Technik überzeugt. Gerade auch bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, da der Erfolg schnell zu sehen ist. „Und zwar auch so, dass es gut aussieht.“

Wie gut, zeigt sich bei Franziska und Shalia als Erstes. Unterschiedlich große, farbige Planeten, versehen mit Licht und Schatten zieren ihre Leinwände. Nun kommen die Schablonen wieder auf die Planeten, dann wird der Weltraum drumherum schwarz gesprüht. Mia Himme zeigt, wie man mit ein wenig Fingerspitzengefühl, die Farbe tropfen lassen kann, um weitere kleinere Sterne aufs Bild zu sprenkeln. Noch ein wenig bunter Sternenstaub – und fertig ist das eigene Universum. Und wie hat ihnen das Sprayen nun gefallen? „Das ist geil“, sagen beide. Und dabei leuchten die Augen wie Sterne.

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