Neue Vorsitzende "Wir fangen gerade erst an"

Der Ortsverband Syke der Grünen hat einen neuen Vorstand. Mit Marco Gehrke und Mandy Hayen bildet eine jüngere Generation die neue Doppelspitze. Neben dem Klimaschutz liegt ihnen das Soziale am Herzen.
21.10.2021, 16:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Sarah Essing

Syke. Der Ortsverband Syke der Grünen hat einen neuen Vorstand. Marco Gehrke und Mandy Hayen bilden für die kommenden zwei Jahre die Doppelspitze des Ortsverbands. Die 48-Jährige und der 52-Jährige sind zwar schon seit Jahrzehnten politisch interessiert und engagiert, doch in die Partei fanden beide erst in diesem Jahr.

Das Interesse an der Politik sei ihm "quasi in die Wiege gelegt" worden, sagt Marco Gehrke. Schon seine Eltern waren politisch aktiv, seit den 1960er-Jahren demonstrierten sie mit, nahmen an Ostermärschen teil und brachten den Sohn mit. "Und dann ist das Interesse schon da", sagt der Barrier, der dort in den Ortsrat gewählt wurde. Bei Aktionen und als Wähler unterstützte er die Grünen schon lange, doch Mitglied war er noch nicht. Das änderte sich erst in diesem Jahr. "Ich wollte meine Ideen mit einbringen", erklärt Gehrke seine Bereitschaft, für die Grünen bei der Kommunalwahl anzutreten.

Klimaschutz ist nicht das einzige Thema

"Mitglied in einer politischen Partei zu werden, hat sich irgendwie nicht ergeben", sagt auch Mandy Hayen. Wie ihr Vorstandskollege war die Sykerin "schon immer" politisch interessiert, engagierte sich bei Aktionen, half mit, doch letztendlich brauchte es einen Anschub von außen, um das politische Engagement mit einer Partei zu verknüpfen. "Vor fünf Jahren sprach Heinz-Jürgen Michel mich an, ob ich nicht für die Grünen bei der Kommunalwahl antreten wollte", erinnert sie sich. Daraus habe sich das Ganze dann entwickelt. Denn als Michel umzog und deshalb seinen Platz im Syker Stadtrat aufgeben musste (wir berichteten), erklärte sie sich bereit, für ihn nachzurücken. Der Eintritt bei den Grünen war dann nur noch eine Formalie. "Mein Herz war schon immer grün", sagt sie. Als Nachrückerin für Michel konnte Hayen schon einen ersten Einblick in die Ratsarbeit bekommen. "Jetzt will ich von Anfang an dabei sein."

Lesen Sie auch

"Klimaschutz ist schon wichtig", sagen beide, doch es sei nicht das einzige Thema. Denn die beiden lernten sich im Flüchtlingscafé kennen, und das ist nicht die alleinige Gemeinsamkeit. Beide sind Arbeitspädagogen, oder genauer Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung. Mandy Hayen arbeitet bei den Delme-Werkstätten, Marco Gehrke bei Awo Trialog. Aus ihrer alltäglichen Arbeit mit ihren Kunden wissen sie daher um die vielen Herausforderungen für Menschen, die das ein oder andere Päckchen mehr zu tragen haben. Inklusion, Integration, bezahlbarer Wohnraum sind daher Themen, die ihnen besonders am Herzen liegen. Für Menschen mit Beeinträchtigungen und psychisch Kranke, aber auch für die Jugend, Senioren und Menschen aus anderen Ländern, die nach Deutschland kommen, wollen sie sich für bezahlbaren Wohnraum, eine bessere Mobilität und mehr Inklusion einsetzen, auch in Syke. Denn auch in der Hachestadt gebe es Bereiche, wo in dieser Hinsicht mehr getan werden könnte.

Ansprechpartner für Syker Bürger

Der Schutz der Artenvielfalt und des Klimas werde dabei aber nicht vernachlässigt. "Das eine schließt das andere nicht aus", unterstreicht Gehrke. Und Mandy Hayen verweist auf die Diskussion um das Hallenbadareal, bei dem beide Bereiche betroffen sind. Zum einen der Artenschutz, zum anderen als Standort für sozialen Wohnungsbau. "Man muss ja nicht alles in einer Ecke bündeln", sagt sie und verweist auf die Nähe zur Berliner Straße. Auch der Ausbau von Fahrradwegen oder Strecken sei nicht nur für den Klimaschutz wichtig, sondern auch für die Mobilität aller Menschen in der Gegend. Dazu zähle auch ein Eintreten für die Hauptstraße als autofreie Zone. "Zurzeit dient sie nur als Durchfahrt", hat Marco Gehrke beim Weg zur Arbeit lange Zeit festgestellt. Eine Beruhigung käme der daher der Umwelt zugute, gleichzeitig könnten mehr Plätze geschaffen werden, mit viel Grün fürs Klima und als Möglichkeit zum Zusammenkommen für alle Syker.

Neben den administrativen Aufgaben, die der Vorsitz mit sich bringt, etwa das Vorbereiten von Sitzungen oder die Leitung von Treffen, sehen sich die beiden Vorsitzenden als erste Ansprechpartner für alle Syker Bürger. "Wir hoffen auf Feedback von den Syker Bürgern", sagen sie. Darüber hinaus haben sie sich aber auch vorgenommen: "Wir Syker Grünen wollen präsenter sein." Mehr in die Öffentlichkeit mit ihren Themen, mehr Projekte, bei denen sich auch Bürger einbringen können und auch mehr in Kooperation mit anderen Einrichtungen oder Institutionen unternehmen. Dabei können sie bereits auf ein gutes Fundament zurückgreifen. "Altbewährtes soll natürlich beibehalten werden", sagt Mandy Hayen und nennt als Beispiel die Fahrradtouren, die Neujahrswanderung oder besondere Kinofilme im Zuge des Syker Ferienprogramms. Darüber hinaus sei jedoch auch ein grüner Stammtisch angedacht, um im Vorfeld der Landtagswahl im kommenden Jahr mit Bürgern zu aktuellen Themen ins Gespräch zu kommen, ebenso wie mehr Aktionen in den Syker Ortsteilen. Spruchreif sei das jedoch noch nicht. "Wir fangen gerade erst an."

Zur Sache

Der neue Vorstand der Syker Grünen

Im Zuge ihrer Jahreshauptversammlung wählte der Grüne Ortsverband Syke seinen Vorstand neu. Neben den beiden Vorsitzenden Mandy Hayen und Marco Gehrke wurde Jutta Filikowski erneut zur Kassenwartin gewählt, zu Beisitzern Gerhard Thiel, Gerd Finger und Inga-Brita Thiele, berichtet Marco Gehrke. Mit "großem Dank" verabschiedet wurden die beiden bisherigen Vorsitzenden Matthias Oerke und Marita Thiel-Wolf. Sie hatte den Ortsverband seit Jahrzehnten geleitet.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+