Grüne im Landkreis Diepholz

Sylvia Holste-Hagen aus Twistringen will das Bundestags-Direktmandat für ihren Wahlkreis holen

Auf die Nominierung folgt die formelle Bestätigung - Sylvia Holste-Hagen geht als Kandidatin für den Diepholzer Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen in die Bundestagswahl. Sie strebt das Direktmandat an.
10.05.2021, 00:00
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Von Niklas Golitschek
Sylvia Holste-Hagen aus Twistringen will das Bundestags-Direktmandat für ihren Wahlkreis holen

Sylvia Holste-Hagen sprach bei der Versammlung der Grünen im Landkreis Diepholz über ihre Ambitionen für den Deutschen Bundestag.

Niklas Golitschek

Landkreis Diepholz. Mit Rückenwind in den Wahlkampf: Für den Wahlkreis Diepholz-Nienburg I wird Sylvia Holste-Hagen versuchen, für Bündnis 90/Die Grünen im September das Direktmandat für den Deutschen Bundestag zu gewinnen. Nachdem die 59-Jährige bereits Ende März bei einer virtuellen Sitzung einstimmig nominiert worden war, folgte am Freitagabend bei einer Präsenzveranstaltung in der Lagerhalle der Frischekiste in Gessel die formelle Bestätigung.

In einer kurzen Ansprache warb Holste-Hagen um die Unterstützung der inzwischen mehr als 400 Mitglieder im Kreisverband. Das Wahlprogramm der Bundespartei biete einen Höhepunkt nach dem anderen. „Es bedeutet Aufbruch“, betonte Holste-Hagen. SPD und CDU hätten gezeigt, dass sie nicht in der Lage zu ernsthaftem Klimaschutz seien: Mit Projekten wie Nord Stream 2 werde weiterhin auf fossile Energien gesetzt. Dass das Wahlprogramm der Grünen etwa vonseiten der Christdemokraten kritisiert werde, werte sie als Aufschlag. „Sie sollen erstmal ein eigenes Programm vorstellen“, gab sich die Twistringerin angriffslustig.

Im Gespräch mit dem WESER-KURIER untermauerte Holste-Hagen ihre Ambitionen, den Platz im Bundestag einzunehmen: „Wir treten mit vollem Elan an und wollen das Direktmandat – das meinen wir ernst.“ Bei der Bundestagswahl 2017 erhielt die CDU mit Axel Knoerig 44,6 Prozent der Erststimmen, Klau Schmelz kam mit den Grünen auf 7,7 Prozent. Das aktuelle bundesweite Umfragehoch will die Herausforderin in den kommenden Monaten nutzen.

In den kommenden fünf bis sieben Jahren müssten die Weichen für die Zukunft gestellt werden, sagte Holste-Hagen weiter: „Wir wollen wirklich etwas ändern für die nächste Generation.“ Auch das Artensterben mit mehr als einer Million bedrohter Arten sei für sie ein wichtiges Thema. Den sogenannten Niedersächsischen Weg nannte sie hier als Positivbeispiel. „Ein Großteil kommt aus unserem Programm“, merkte sie an.

Angesichts der Kontaktbeschränkungen werde der Wahlkampf zwar erschwert und die Mandatsträger hätten einen Vorteil. Daher wolle sie vor allem in Online-Veranstaltungen auf sich aufmerksam machen. An alle Ortsverbände im Wahlkreis sprach sie die Einladung aus, sich an solchen Formaten zu beteiligen. „Ich bin überall gerne dabei“, sagte Holste-Hagen. Bereits in den vergangenen Wochen habe sie aus dem Kreisverband viel Unterstützung erhalten, um einen Internetauftritt oder eine Whatsapp-Gruppe aufzubauen.

Während sich die Kreisverbands-Vertreter der Grünen einstimmig für Holste-Hagen aussprachen, dürften bei der Nominierung für die Listenplätze noch weitere Diskussionen anstehen. Gerhard Thiel etwa sprach sich für Katja Keul aus, die den Diepholzer Wahlkreis als Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Nienburg II – Schaumburg mit betreut. „Wir fanden ihre Arbeit gut und wollen sie unterstützen“, argumentierte Thiel. Parteikollegin Annika Bruck befürwortete dagegen ein strategisches Vorgehen und die Nominierung von Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin und Umweltwissenschaftlerin. „Das ist eine Klimawahl – sie gehört an Position eins“, sagte Bruck. Expertinnen wie sie sollten die vorderen Plätze einnehmen, um gesichert wieder Teil der Bundestagsfraktion zu werden.

Einen lokalpolitischen Aspekt griff Elke Oelmann, Bürgermeisterkandidatin in Barnstorf, auf: den Corona-Ausbruch unter Saisonarbeitern auf einem Hof in Scharringhausen. Die mediale Berichterstattung dazu sei „herabwürdigend und verächtlich“ gewesen. Statt Arbeitsbedingungen, Löhne, Unterbringung und Sozialversicherung zu thematisieren, sei von „Insassen“ und „Kontrollen durch Sicherheitskräfte“ die Rede gewesen – das sei unfair den Betroffenen gegenüber. „Die Bedingungen sind unter aller Sau“, betonte sie. Deshalb warb sie dafür, sich als Kreisverband zu positionieren. Denn auch in der Stimmung nehme sie viele Vorurteile wahr.

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