„Oh Schreck blas nach!“ ist Kult auf dem Arbster Hoffest / Finanzielle Unterstützung bleibt aus

Heavy Metal mit der Tuba

Asendorf. „Wir möchten die Zukunft für das Leben auf dem Land einläuten und alte Höfe und Natur erhalten“, begrüßten Vera und Peter Henze die Gäste zum Hoffest in Arbste. Die beiden Schauspieler und Theaterpädagogen arbeiten seit vielen Jahren in der Region mit Menschen aus der Region.
28.07.2015, 00:00
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Von MAJANNE BEHRENS
Heavy Metal mit der Tuba

Auftritt vor rund 500 Zuhörern: Die Band „Oh Schreck blas nach!“ musizierte beim Fest auf dem Hof Arbste 7.

Udo Meissner

„Wir möchten die Zukunft für das Leben auf dem Land einläuten und alte Höfe und Natur erhalten“, begrüßten Vera und Peter Henze die Gäste zum Hoffest in Arbste. Die beiden Schauspieler und Theaterpädagogen arbeiten seit vielen Jahren in der Region mit Menschen aus der Region. Sie schufen große Projekte wie das Tafeltheater und bildeten immer wieder Foren für kulturelle und politische Themen. Deswegen gab es am Sonntag nicht nur leckeren Kuchen und Kaffee zu herrlichem Sonnenschein und bäuerlichem Ambiente, sondern Informationen der niedersächsischen Landesforsten und einer neuen Bürgerinitiative des Ortes gegen Massentierhaltung. Im Mittelpunkt allerdings stand die kultige Blechkapelle „Oh Schreck blas nach!“, die mit eigenwilligem Spielwitz, wunderbarem Jazz und rattenscharfer Polka die rund 500 Besucher begeisterten.

„Wir haben echten Heavy Metal dabei“, kommentierte Sänger Werner Dumski seinen Kollegen, der grade eine riesige Tuba auf die Bühne hievte. Das war gar nicht zu viel versprochen, denn Klaus Deutschmann beherrscht alle Rhythmen auf seinem Instrument, schnell, griffig, mitreißend. Ebenso wie Helmut Schünemann mit seiner Cajon, Lutz Sanner (Posaune und Eufonium), Werner Dumski (Sopransaxofon und Ukulele) sowie Manfred Kraatz an der Trompete.

„Manfred ist unser Urgestein“, witzelte Dumski weiter und erzählte über die Geschichte der legendären Brass Band aus Bremen, die sich in der Widerstandsbewegung gegen Aufrüstung und Krieg Ende der 1970er-Jahre gründete. „Unser Trompeter war von Anfang an dabei“, erklärte Dumski. Nicht nur die Leidenschaft für ungewöhnliche Weltmusik, schräge Klänge und sentimentale Schnulzen, sondern auch der Wunsch nach bewusster Abgrenzung von Hörgewohnheiten des Mainstreams verbindet die Musiker miteinander. Mit ungebremstem Spaß begeisterten sie ihr Publikum mit Klassikern der Rockmusik und feinsten Bluesballaden. Ob die beiden Sänger, Schünemann und Dumski, mit gefühlvollen Klezmer entzückten oder die gesamte Formation mit rasanten Balkan-Beats beeindruckte – die Fans dankten es den Jungs mit lang anhaltendem Applaus.

„Auf dem Hoffest wird eine besondere, wertschätzende Lebensphilosophie zelebriert“, bemerkte Marie-Luise Gerull aus Siedenburg, deswegen würde sie schon seit Jahren regelmäßig zu den Veranstaltungen des Vereins Land und Kunst kommen. Er würde gerne Kontrapunkte setzten und Orte einer besonderen Lebenskultur besuchen, erzählte Matthias Kühnling, der das Sonntagswetter für einen Ausflug mit dem Rad nutzte. So bot das ländliche Ambiente im Halbschatten der alten Kastanie und auf der Wiese viel Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

„Halte den Spiegel unter deine Nase, dann sehen deine Augen die Baumwipfel aus einer anderen Perspektive“, erklärte Jessica Roßberg-Schramm vom Waldpädagogikzentrum Hahnhorst einem kleinen Jungen. Nicht nur er, auch seine Oma folgte dieser Anweisung. Und so liefen beide staunend unter den großen Buchen längs. „Wald ist ein Bildungsort“, schmunzelte die Mitarbeiterin der Landesforsten, und häufig sei ein Perspektivwechsel erste Voraussetzung, Lust auf Umweltthemen zu wecken.

Diese Aussage konnten Heide Strangmann und Elke Hübner, Nachbarinnen des Hofes, aus anderer Sichtweise unterstützen. „Wir sind hier aufgewachsen und lieben unser Zuhause“, sagten beide, doch nun soll laut ihren Aussagen in unmittelbarer Nähe eine Massentierhaltung entstehen. „Wir sind gegen die Auswirkungen einer Agrar-Industrie, die unsere Lebensqualität auf dem Land vernichtet“, informierten sie die Besucher über ihr Anliegen, eine Bürgerinitiative zu gründen.

Ganz im Sinne der spinnenden Dorfweiber, die unlängst ein Buch zu diesem Thema mit selbst geschriebenen Gedichten und Geschichten veröffentlichten. „Vor vier Jahren haben wir mit einem Frauenprojekt diese Gruppe ins Leben gerufen“, erinnerte sich Vera Henze. Daraus entwickelten sich ein musikalisches Erzähltheater und ein kleiner Hofkammerladen, in dem die kreativen Frauen Köstlichkeiten und Kunsthandwerk zum Verkauf anbieten.

„Die Fördermittel bleiben aus, und der Erlös kommt unsere Landkultur-Arbeit zugute“, freuten sich die Kulturschaffenden. Doch unklar bleibt indes, ob sie im nächsten Jahr wieder ein Hoffest veranstalten. „Wir bemühen uns intensiv um finanzielle Unterstützung, ohne die wir unserer Engagement beenden müssten“, war das traurige Resümee einer sehr gelungenen Kultur-Veranstaltung in Arbste.

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