Pünktlich zum 15. Geburtstag ist über den Waldkindergarten im Heiligenberg ein Buch erschienen Hier wird dem Nachwuchs etwas zugetraut

Seit 15 Jahren gibt es den Waldkindergarten Bruchhausen-Vilsen. Pünktlich zum Geburtstag ist das Buch „Die Dachse vom Heiligenberg“ erschienen.
19.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von BÄRBEL RÄDISCH

Seit 15 Jahren gibt es den Waldkindergarten Bruchhausen-Vilsen. Pünktlich zum Geburtstag ist das Buch „Die Dachse vom Heiligenberg“ erschienen.

„Ein Buch über unsere Erfahrungen herauszubringen und Eltern Fragen zu beantworten, wie es im Waldkindergarten zugeht, hatten wir schon lange vor“, sagt Sabine Hofmann. „Als uns der Mumm verließ, kam uns das Angebot der Biologie-Doktorin Heike Mumm, sich an der Fertigstellung zu beteiligen, gerade recht“, so Sabine Hofmann – und schmunzelt über ihr Wortspiel. Mit Hilfe der Grafikerin Miriam Schulz ist zum 15. Geburtstag des Kindergartens das Buch „Die Dachse vom Heiligenberg“ im Holtenauer Verlag auf den Markt gekommen. Die Grafikerin hatte auch die Idee für die angehängte Holzscheibe mit der Brandmalerei eines Dachskopfes. Ein Neffe der Familie Rodekohr war eines der Kinder in der Gruppe, weshalb das Buchprojekt durch einen heimischen Mineralwasseranbieter unterstützt wurde.

Ihre Kinder in einem Kindergarten anzumelden, in dem sie sich die meiste Zeit im Freien aufhalten – sprich im Wald – war vor 15 Jahren für Eltern absolutes Neuland. Die beiden Betreuerinnen Sabine Hofmann und Heike Riewe, die von Anfang dabei sind, haben vom ersten Tag an das Potenzial für alle Beteiligten gesehen. Anton, der Sohn von Heike Mumm, war vier Jahre lang ein Dachs. „Er freut sich, immer mal wieder in den Ferien reinzuschauen“, weiß die Mutter. Der tierische Name der Gruppe wurde gewählt, weil Dachse in hügeligen Waldgebieten leben. Also beste Voraussetzungen für die kleinen Butscher, die trotz Regen nicht im beheizten Bauwagen hocken. „Sie erfahren unheimlich viel über die Pflanzen- und Tierwelt, und wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kinder auch im weiteren Leben ein besseres Verständnis zur Natur entwickeln“, findet Heike Riewe. Vom dritten Jahr bis zur Einschulung ist immer ab August Platz für 15 Dachse. Dieses Jahr kommen vier nach den Ferien in die Schule. Sieben neue würden gerne nachrücken. Aber die Zahl 15 sei optimal, und das Kultusministerium erlaube bei zwei Betreuerinnen nicht mehr Kinder.

Unter dem Vordach des Bauwagens wird emsig gewerkelt. Ein Stück von einem Buchenast ist in einen Schraubstock gespannt. Mit einem Fuchsschwanz sägt Heike, wie die Kinder sie nennen, eine Kerbe, und dann macht Ciara sich mit einer kleinen Bügelsäge an die Arbeit, eine Scheibe vom Ast abzusägen. Aus großen und kleinen Astscheiben soll ein Eulengesicht gebastelt werden. „Um Gottes Willen“, wird mancher denken, aber hier wird den Kindern etwas zugetraut. „Verletzungen gibt es ganz selten“, sagt Hofmann und nickt Paula zu, die auf einer Iso-Matte kniet, mit einem Messer an einem Stock schnitzt und fragt, ob sie es richtig macht.

Kilian und Joost schaufeln Erde in ein Sieb, zwei andere Knirpse jagen sich zwischen den Bäumen. „Mich ärgert es, wenn Erwachsene jetzt sagen würden, die Kinder spielen ja nur, dabei ist pädagogisch gesehen, nichts so wichtig für die Bildung von Kindern wie das Spiel“, sagt Hofmann. Sie weiter: „Es muss sich immer aufs Neue bewusst gemacht werden, wie kommunikativ Spielen ist. Ich finde übrigens den Begriff Erzieherin furchtbar. Mir würde Bildungsbegleiterin viel besser gefallen. Wir tun etwas für die Zukunft der Kinder.“

Im Buch wird von den Anfängen des Waldkindergartens berichtet und auf Fragen eingegangen. Laufen die Kinder nicht weg? Das tun sie nicht. Gibt es ein Klo? Ja, eine Komposttoilette mit Rindenmulch. Werden sie öfter krank? Nein, ein Mädchen leidet zum Beispiel unter Asthma, der Hausarzt hat dennoch sein Okay gegeben. Nichts wäre für das Kind besser als viel Aufenthalt in der frischen Luft.

Was Eltern bedenken müssen: Waldtaugliche Hosen, Schuhe und Jacken sind wichtig. An Regentagen sieht man schon einmal einen Papa oder eine Mama mit einem blauen Müllsack beim Abholen, in den Samira oder Rasmus gesteckt werden, am Hals zugebunden und – ab auf den Rücksitz im Auto. „Manchmal sehen die Kinder aus, als probten sie für Germany’s next Matsch-Model – so wie heute“, sagt Sa-bine Hofmann. „Kommt alle her, es wird noch ein Foto gemacht.“ Sie drückt Emily das Buch in die Hand und wünscht sich, alle sollen ein freundliches Gesicht machen. Bei drei rufen sie im Chor „Ameisenscheiße“ – und lachen sich kaputt.

„Die Dachse vom Heiligenberg“ sind im Buchhandel oder beim Holtenauer Verlag zum Preis von 19,95 Euro zu erwerben.

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