Hospizdienst Syke Was wirklich zählt

Der Hospizdienst Syke bildet neue Sterbebegleiter aus. Interessierte können sich für einen neuen Kursus im September ab sofort anmelden.
04.08.2021, 12:26
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Was wirklich zählt
Von Sarah Essing

Syke. Der Hospizdienst Syke sucht neue Begleiter und bietet dafür einen neuen Kurs an. In Kooperation mit dem Hospizverein Sulingen können an diesem Ehrenamt Interessierte ab Sonnabend, 4. September, daran teilnehmen. "Wir trauen uns jetzt, einen neuen Kurs anzubieten und hoffen, dass wir durchkommen", sagt Heide Wolter vom Hospizdienst mit Blick auf die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen. Die neu ausgebildeten ehrenamtlichen Begleiter für Sterbende und deren Familien sollen dann das Team des Hospizdienstes in Syke unterstützen.

Zum Auftakt wird mit den Interessierten ein Gespräch geführt, erläutert Ilse Lucke vom Hospizdienst den Ablauf der Ausbildung für dieses nicht leichte Ehrenamt. "Dabei wird geklärt, ob es der richtige Zeitpunkt für die Interessierten ist, anzufangen", sagt sie. Denn getreu der Lehren der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross, die sich zeit ihres Lebens mit dem Sterben befasst hat, sollte man erst "sein eigenes Haus in Ordnung haben", ehe man sich Sterbenden und ihrem Umfeld widmet, führt sie aus.

Bei dem dreiteiligen Kurs geht es im ersten Teil um rechtliche und fachliche Fragen, führen die beiden langjährigen Sterbebegleiterinnen aus. So stehen unter anderem die rechtlichen Aspekte in der Pflege auf dem Programm, unterschiedliche Bestattungsformen, Fragen der Ethik oder auch wie Märchen in der Hospizarbeit helfen können.

Der zweite Teil umfasst ein Praktikum, allerdings nicht in der Sterbebegleitung sondern in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder in der Tagespflege. Denn beim Kurs für angehende Sterbebegleiter gehe es auch darum, "sich selbst besser kennenzulernen", sagt Heide Wolter. Wie reagiere ich auf beeinträchtigte Menschen? Wie reagiere ich auf Gerüche und das Gesehene? Wo liegen die eigenen Grenzen im Umgang mit Leid und Tod? Wo endet die eigene Belastbarkeit? Wo kann ich Hilfe finden, wieder Kraft zu schöpfen? Was gibt mir Kraft und wie viel Zeit benötige ich, um wieder Kraft zu schöpfen? Das alles sind Fragen, die Teilnehmer des Kurses für sich beantworten können sollten, wenn sie diese Tätigkeit aufnehmen möchten, erläutern die beiden Sterbebegleiterinnen.

Dementsprechend geht es im dritten Teil des Kurses hauptsächlich um die Reflexion des Gelernten und Erlebten. Es sei ein "Reifeprozess", sagt Ilse Lucke. "Um dann eine fundierte Entscheidung zu treffen, ob diese Tätigkeit für jemanden in Frage kommt oder nicht." Denn: "Es geht bei der Sterbebegleitung nicht um uns", betont Heide Wolter. "Es geht darum, was die Sterbenden und was ihre Familien brauchen." Und dabei könne es große Unterschiede geben. Einige Menschen benötigen am Ende ihres Lebens jemanden zum Reden, andere schweigen lieber, möchten aber jemanden an ihrer Seite wissen. Fähigkeiten wie aktiv zuhören, Bedürfnisse wahrnehmen oder auch einfach nur da zu sein, komme daher eine große Bedeutung in diesem Ehrenamt zu. Sterbebegleitung fordere die Ehrenamtlichen, aber es gebe auch viel zurück, sind die beiden Sterbebegleiterinnen überzeugt. "Am Leben, an den Geschichten der Menschen teilhaben zu können, ist ein Geschenk", sagt Heide Wolter. "Das Sterben gehört zum Leben dazu", fügt Ilse Lucke hinzu. Die Sterbebegleitung erde sie und mache ihr bewusst, was wirklich zähle im Leben, sagt sie.

Der Kurs läuft vom 4. September bis zum 26. März 2022. Er nimmt insgesamt 90 Stunden in Anspruch und findet abwechselnd sonnabends ganztags oder an Donnerstagabenden in den Gemeindehäusern in Barrien, Syke und Sulingen statt. Zwölf Interessierte können teilnehmen. Anmeldungen nehmen Ilse Lucke unter der Rufnummer 04242/80123 oder Heide Wolter unter der Rufnummer 04242/9317299 ab sofort entgegen. Willkommen ist jeder. Weder der Hospizdienst noch der Kurs sind konfessionsgebunden, betonen Ilse Lucke und Heide Wolter. "Wir freuen uns, wenn viele Syker sich melden", sagt Heide Wolter. Denn auch wenn am Ende des Kurses feststehe, dass die Sterbebegleitung für jemanden nicht in Frage kommt, gebe es noch andere Möglichkeiten beim Hospizdienst zu engagieren. "Es ist immer gut, wenn neues Leben und neue Ideen reinkommen", so Ilse Lucke.

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