IJGD-Workcamp

Für das globale Verständnis

Der Bundesverein Internationale Jugendgemeinschaftsdienste hat eine zwölfköpfige Gruppe aus Deutschland, Großbritannien und Mexiko nach Syke geschickt. Diese Truppe verrichtet freiwillig Naturschutzarbeiten.
28.09.2021, 14:48
Lesedauer: 3 Min
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Für das globale Verständnis
Von Micha Bustian

Syke-Ristedt. Es gab Berliner zum Frühstück. Schon ein gewisser Luxus, gehört das marmeladengefüllte Fettgebäck in Deutschland doch eigentlich auf den nachmittäglichen Kaffeetisch. Beim Biotoppflege-Workcamp des Bundesvereins Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) in Syke machten die Verantwortlichen am Dienstag eine Ausnahme. Vielleicht, weil der erste Arbeitstag der zehn Freiwilligen aus Mexiko, Großbritannien und Deutschland so erfolgreich lief.

Atakan Yurmutaci ist Leiter dieses Workcamps, des einzigen dieser Art in diesem Jahr in Deutschland. Der 30-Jährige mit türkischen Wurzeln betreut die Truppe gemeinsam mit einem Kollegen aus Simbabwe. Zwei Wochen sind sie hier, um der Natur etwas Gutes zu tun und nebenbei mal etwas anderes zu sehen. Syke beispielsweise. "Ruhig und schön" sei es hier. Am Wochenende wollen sich die ehrenamtlichen Naturschützer dann Bremen anschauen.

Lebensraum für Sandbienen

An sechs Tagen übernimmt der Naturschutzbund die Betreuung, die Beschäftigung. Auf dem Naturerfahrungsgelände am Hohen Berg hat das Dutzend Ehrenamtliche gleich am ersten Tag den alten Schuppen für die Schafsherde angerissen und einen neuen gebaut. Darüber hinaus wurde Lebensraum für Sandbienen geschaffen, zählt Anni Wöhler-Pajenkamp auf. An den kommenden zwei Tagen soll noch ein Stück Land entsiegelt werden und aus toten Ästen eine Benjes-Hecke aufgestellt werden.

Doch es ist nicht nur das Areal rund um den Hohen Berg, das sich der Aufmerksamkeit der fleißigen Syker Gäste erfreut. Am Blanken Schlatt in Barrien sollen Birken gezogen und gemähtes Gras abtransportiert werden. In den Sträuchern am Randbereich breitet sich darüber hinaus die Traubenkirsche aus. "Die droht, zu weit in das Gelände hineinzuwachsen", erklärt Wöhler-Pajenkamp. In der Sandgrube in Okel schließlich soll Platz geschaffen werden für den Faden-Enzian, "der ist selten".

Am Mittwoch und Donnerstag der kommenden Woche hat die Syker Revierförsterei für die IJDG-Gäste ausreichend zu tun. Am Warwer Sand soll der Verbuschung entgegengewirkt werden, sagt Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier. Wildbienen und Grabwespen würde sonst die Wärme der Sonne fehlen. Im Krendel schließlich soll der durch einen Sturm beschädigte Aussichtsturm wieder aufgebaut werden.

Viel zu tun also für die teils weit gereisten Ehrenamtlichen. Heinz-Dieter Tegtmeier hat keinen Zweifel daran, dass die gestellten Aufgaben erledigt werden. "Das ist eine lebhafte, muntere Truppe", freut er sich über den schnell entwickelten Teamgeist. Für solche Projekte würden immer wieder Aufgaben zurückgestellt. "Solche Menschen wollen manuelle Tätigkeiten erledigen, ordentlich mit anpacken."

Fünf Deutsche, zwei Briten, drei Mexikaner

Die zehnköpfige Gruppe, die in der Pension Adrett untergekommen ist, besteht aus fünf Deutschen, zwei Briten und drei Mexikanern. Mexiko, mehr als 10.000 Kilometer von Deutschland entfernt. Strände, Metropolen, Regenwälder – aus welchem Grund reist man da nach Deutschland, um dort auch noch zu arbeiten? Ohne Lohn zudem. Marketing-Student Eduardo aus Monterrey freut sich besonders über die Schafe, da es in seinem Wohnort kaum Natur gibt. Wirtschafts-Student Fernando wollte die deutsche Kultur kennenlernen und schauen, wo in Sachen Naturschutz die Unterschiede zwischen den beiden Ländern liegen. Und Imelda wollte eine Auszeit vom Studium und weg aus der 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt Léon. "Ich hatte vorher gehört, die Deutschen seien so kühl", sagt sie. "Aber das stimmt gar nicht. Alle, denen wir bisher begegnet sind, waren sehr freundlich."

Die Idee zum Workcamp hatte Stadtjugendpfleger Abdelhafid Catruat schon "vor längerer Zeit". Er traf Vertreter des IJGD und machte einen Projektvorschlag. Da Syke sich besser vorbereitet präsentierte als der Konkurrent aus Köln, bekam die Hachestadt den Zuschlag. Gezahlt wird das Workcamp aus dem Kassen der Stadt und der Bingo-Umweltstiftung. "Ich finde, wir sollten so etwas viel häufiger machen", meint Catruat. "Es dient dem globalen Verständnis. Und da hilf nur, was man selber erlebt."

Zur Sache

IJGD - Freiwillige für die ganze Welt

Er hat Geschäftsstellen in Berlin, Bonn, Halberstadt, Hildesheim, Potsdam und Wismar, zudem Regionalbüros in Agathenburg, Duisburg, Erfurt, Görlitz, Hamburg, Lübeck, Magdeburg, Marburg, Mühlhausen, Potsdam, Regensburg, Soest und Stralsund. Der Bundesverein Internationale Jugendgemeinschaftsdienste, 1949 von Schülern aus Hannover gegründet, agiert bundesweit. Laut Internet-Lexikon Wikipedia hat der Verein aber nur 192 Mitglieder.

Die scheinen aber extrem fleißig zu sein, organisieren laut eigener Website "Freiwilligendienste in der ganzen Welt". Dazu gehören sowohl das freiwillige soziale Jahr und der Bundesfreiwilligendienst innerhalb Deutschlands als auch die Workcamps in aller Welt. So wie das zurzeit in Syke.

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