Unblutige Jagd mit Hundemeute zwischen Ristedt, Fahrenhorst und Heiligenrode Immer dem Geruch des Aniswassers nach

Syke·Stuhr. Gar seltsam war das Geschehen, das sich am Sonnabend in Wald und Feld zwischen Ristedt, Fahrenhorst und Heiligenrode abgespielt hat. Rund 30 Reiter ritten hinter einer Hundemeute her, die ihrerseits einer Spur aus Anis-Tinktur folgte. Ab und zu mussten die Reiter Hindernisse überqueren und eine Gruppe von Blechbläsern gab ihre melodischen Töne dazu. Begleitet wurde die Gruppe von 70 interessierten Zuschauern, die auf vier Trecker-Anhängern den Meuten folgten.
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Von Karsten Bödeker

Syke·Stuhr. Gar seltsam war das Geschehen, das sich am Sonnabend in Wald und Feld zwischen Ristedt, Fahrenhorst und Heiligenrode abgespielt hat. Rund 30 Reiter ritten hinter einer Hundemeute her, die ihrerseits einer Spur aus Anis-Tinktur folgte. Ab und zu mussten die Reiter Hindernisse überqueren und eine Gruppe von Blechbläsern gab ihre melodischen Töne dazu. Begleitet wurde die Gruppe von 70 interessierten Zuschauern, die auf vier Trecker-Anhängern den Meuten folgten.

Natürlich war das Ganze kein zufälliges oder gar wirres Zusammentreffen. Sondern es stand die vierte Schleppjagd des Reitvereins Heiligenrode an. 'Das ist eine ganz besondere Mischung aus Tradition und reiterischer Herausforderung', erklärte Georg Kramer, der den Jagdherren gab. Allerdings wird bei einer Schleppjagd kein lebendes Wild gejagt, sondern zu Pferde eine Hundemeute verfolgt, die auf einer künstlichen Fährte geht.

Fünf Reiter vorweg

Die zwei Dutzend drahtigen Foxhounds, die durch Ristedt und umzu streiften, stammen aus der in der Nähe von Detmold beheimateten Lipperlandmeute. Fünf Reiter unter der Leitung von Master Friedel Sielemann leiteten die Hunde an. Aus einem Kanister am Pferdesattel ließ Heinz Delikat das Aniswasser tröpfeln und legte damit die Fährte. 'Ich dosiere das nach der Stärke des Hundegeläuts', erläuterte Delikat, schließlich sollte es den Tieren nicht zu leicht gemacht werden. Hundegeläut meint das Bellen, an dem der Experte hören kann, ob die Hunde gerade die Fährte aufnehmen, verfolgen, verlieren und wiederfinden.

Die Orientierungsfähigkeit der Hunde steht übrigens im Mittelpunkt des Schleppjagd-Geschehens. 'Wir haben also nicht viel mit den grünen Jägern zu tun', erläuterte Georg Kramer, der dennoch in gutem Kontakt zu den Jagdpächtern und Landwirten steht. Schließlich geht der Orientierungslauf mit Pferd und Hund über deren Gelände. 'Wir haben die Strecke dafür etwas vorbereitet und mit Holzstämmen Hindernisse aufgebaut.'

Das Holz dafür hatten die Organisatoren extra in den Wald geschafft. 21 Sprünge auf etwa 15 Kilometern waren notwendig, wobei viele der Hindernisse umritten werden konnten. Die Reiter und Pferde im ersten Feld mussten springen, die im zweiten Feld durften drum herum reiten. 'Das ist anspruchsvoller Reitsport', urteilte Corina Schmidt.

Die Schwarmerin saß in zwei Metern Höhe auf dem Rücken ihres Rosses Hakim. Seit 25 Jahren ist sie in dieser Reitdisziplin aktiv. 'Jagdreiten hat den Reiz, dass man nie weiß, was kommen wird und wie das Pferd die Strecke annimmt. Wir bereiten uns mit Dressurreiten vor, das ist dabei ein gutes Training, damit die Pferde geschmeidig und gehorsam werden.'

Im lockeren Trab sammelten sich die Reiter auf dem Feld in der Ristedter Ortsmitte gegenüber des Hofs von Reiterkollege Heinrich Reinecke, während im Hintergrund Trompetentöne erklangen. Das waren genauer gesagt die Jagdhörner, die Trompe de Chasse genannt werden und aus Frankreich stammen.

Traditionelle Uniform

'Wir verständigen uns damit, als wenn wir miteinander sprechen und teilen mit, geben Warnungen aus, sagen, wo gerade ein Hindernis ist und wie die Jagd verläuft', erläuterte Marion Rieke von den sieben Musikern der Rally Trompes de la Bruyère aus Ahlden in der Lüneburger Heide. Die Musiker hatten sich ebenso wie viele der Reiter in die typische traditionelle Uniform geworfen. 'Das ist der Reitrock, den ich nur für solche Jagden anziehe', beschrieb Georg Kramer das rote Gewand mit den goldenen Knöpfen und Abzeichen. Folklore sei das nicht, aber eine große Tradition.

Mit echt schießenden Jägern haben die Jagdreiter wenig gemein. Die eigentliche Parforcejagd, bei der mit Hundemeuten Tiere gejagt werden, ist in Deutschland seit den 30er Jahren verboten. 'Aber wir leben gut miteinander und einige von uns sind auch Jäger', erzählte Kramer. Ihren Adrenalinstoß holen sich die Jagdreiter auf andere Weise.

'Der Reiz liegt darin, dass wir mit den Hunden mithalten müssen und die gehen schon ein ordentliches Tempo.' Davon konnten sich auch die Zuschauer überzeugen. Als der Tross den Ortsausgang erreicht hatte, öffnete Heinz Delikat das Ventil, das nach Anis duftende Wasser tropfte, und die Foxhounds nahmen die Witterung auf.

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