180 Feuerwehrleute aus Syke, Stuhr und Weyhe nehmen an einer Heißausbildung teil Immer zu dritt durch die Hölle

Syke-Barrien. „Alles klar, dann ab aufs Dach“, ruft Steffen Schlusche. Er ist Feuerwehrtrainer und führt den Dreiertrupp an, der auf einen Wink hin über eine enge Wendeltreppe auf den Container steigt.
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Von Eckehard Schörken

„Alles klar, dann ab aufs Dach“, ruft Steffen Schlusche. Er ist Feuerwehrtrainer und führt den Dreiertrupp an, der auf einen Wink hin über eine enge Wendeltreppe auf den Container steigt. Dennis Finke aus Syke, Mike Obuch aus Stuhr und Frank Pietrowski aus Weyhe stapfen die eisernen Stufen hoch. Oben wird eine Luke geöffnet. Jetzt geht es hinunter in den Schlund. Was die Vier unten erwartet, wird „Flashover“ genannt: eine wahre Flammenhölle.

Seit Freitagabend nahmen insgesamt 180 Frauen und Männer aus den drei Nordgemeinden Syke, Stuhr und Weyhe an einer Heißausbildung teil. Verdammt heiß wurde es in der Tat, wenn das Gas aus den Propanflaschen im Innern des Containers gezündet wurde. „Wenn eines Tages alle Holländer nach Deutschland kommen, dann wissen wir, wir haben die Polkappen abgeschmolzen“, ulkte ein Mitarbeiter des Containerverleihs Blauel & Seifert aus Burgstädt bei Chemnitz.

180 Grad und mehr herrschten in dem gepanzerten Monstrum, das bis Sonntagmittag auf dem Gelände der Feuertechnischen Zentrale des Landkreises Diepholz in Barrien stand. Es war seit 2010 das vierte Mal, dass die Wehren der drei Kommunen solche Übungen anboten.

„Ziel dieser Ausbildung ist es, die Einsatzkräfte unter möglichst realen Bedingungen auf eine Brandbekämpfung in Gebäuden vorzubereiten“, sagte Christian Tümena, Pressesprecher der Stuhrer Gemeindefeuerwehr. Zwar seien in kleineren Städten des Nordkreises Gebäudebrände nicht so häufig, aber im Falle eines Falles müsse in jeder Wehr ausgebildetes Personal in ausreichender Anzahl vorhanden sein. Und damit sich die Kräfte aus den drei Wehren gegenseitig helfen könnten, sei die Schulung so angelegt, dass immer ein gemischter Trupp ins Feuer geschickt werde.

Was Dennis, Mike und Frank während der Sicherheitseinweisung lernen sollten, ist, möglichst unfallfrei durch die Flammen zu kommen. Für den Fall, dass einer von ihnen schlapp macht, hatten sie eine Bergungstasche dabei. Unter anderem befanden sich darin eine kleine Sauerstoffflasche und ein Bergungstuch, auf dem der Verletzte aus der Gefahrenzone gezogen werden kann. Einweisung ist das eine, Realität das andere. Das erfuhren die drei Feuerwehrleute, die sich durch den Container kämpften und dabei den Flammen trotzten und sie löschten, am eigenen Leib.

Das Löschen geschah mit einem sogenannten Hohlstrahlrohr. Das funktioniert so: Durch eine ringförmige Düse wird das Löschwasser versprüht. „Die Wirkung ist enorm, die Reichweite wird erhöht und der Verbrauch reduziert. Die Ladung eines Tanklöschfahrzeugs reicht also länger“, erklärte ein Experte. 20 Minuten im heißen Container in voller Montur, die schlauchen, denn die überlebenswichtige Ausrüstung besteht aus einer Überhose, einer Überjacke und einem Helm samt Flammenschutz, der Ohren und Hals schützt. Allein die Bekleidung aus dem flammfesten Novex-Gewebe wiegt rund 15 Kilogramm. Hinzu kommen das etwa zehn Kilogramm schwere Atemschutzgerät und noch einmal zehn Kilo für die bereits erwähnte Rettungstasche. Das alles schleppten die Brandbekämpfer auf ihrem Gang durch den Container mit sich, immer auf der Hut, das alles richtig zu machen, was ihnen am Anfang der 45-minütigen Kurzausbildung eingetrichtert wurde.

„Klar, dass die Männer und Frauen fit sein müssen,“ so Tümena. Das sei heute gar nicht mehr so selbstverständlich, meinte ein Mitglied der Containerbesatzung. „Früher haben viele Feuerwehrleute noch nach Feierabend und an Wochenenden Fußball gespielt oder einen anderen Sport betrieben. Heute sitzen sie vor dem Computer, statt sich körperlich zu betätigen. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Fitness. Manche schaffen ihr Ausbildungspensum nur mit Hängen und Würgen, andere mit Bravour.“

Und da war ja auch noch die Sache mit der Übungstür, die ein Türhersteller eigens für Übungszwecke angefertigt hat. Die Anfertigung aus massivem Stahl hält selbst Schlägen mit Äxten und Vorschlaghämmern stand. Sie mit gezielter Gewalt vorsichtig öffnen, ohne das ihnen durch die Sauerstoffzufuhr die Flammen aus dem Gebäude entgegenschlagen, das lernten die Teilnehmer von dem „Türsteher“ – in Gestalt eines erfahrenen Feuerwehrmannes.

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