Noltesche Scheune

In Schweiß gebadete Barden

Es hätte auch in einem Stadion stattfinden können, das Konzert mit Bluesrocker Michael Dühnfort und seinen Kollegen. Doch auch die Besucher in der Nolteschen Scheune in Süstedt waren begeistert.
16.04.2018, 10:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Bärbel Rädisch
In Schweiß gebadete Barden

Meister an ihren Instrumenten: Die Bluesrocker Michael Dühnfort (links) und Frank Rihm gaben in Süstedt alles.

Jonas Kako

Süstedt. Dreierlei vereint den Sänger, Gitarristen, Komponisten Michael Dühnfort mit Sänger und Harpspieler Frank Rihm, der als Special Guest beim Konzert am Sonnabend in der Nolteschen Scheune auftrat: die Liebe zum Blues, mit eigener Band Musik zu machen und ein Aha-Erlebnis, wie die beiden Musiker jeweils zu ihrem Instrument kamen. Im Fernsehen sah Dühnfort 1977 den Auftritt von Little Feat, Jimi Hendrix und Rory Gallagher. Speziell Rorys wegen stieg er von Gitarre auf eine Stratocaster um, die E-Gitarre der Firma Fender. Wie Gallagher schrieb er von da an zu seinen eigenen Kompositionen die Texte, unterstützt von Ehefrau Angelika. 1988 hörte Frank Rihm im Radio einen Livemitschnitt von William Clark. „Jede freie Minute verbrachte ich nun mit dem Zehn-Löcher-Hobel.“ Die Frage, ob er auf speziell angefertigten Mundharmonikas spiele, verneinte er. „Es sind ganz gewöhnliche; nur auf die Fertigkeit von Zunge und Lippen kommt es an.“

Beide Künstler führten in der Scheune mit ihrem Gesang die Ray-Charles-Aussage ad absurdum: „No white can sing the blues.“ Kein Weißer kann den Blues singen. Falsch! „Yes, they can“, lautete wohl am Schluss des Abends das einhellige Urteil der Fans, die in der Scheune Bluesrock vom Feinsten serviert bekamen. Mit „My Babe“ von Little Walter Jacobs, der ein Wegbereiter der Harp in der Bluesmusik war, eröffnete Rihm und coverte anschließend, zwischen kraftvollem Gesang und Spiel, auf wechselnden Harps Eric Claptons „Key To The Highway“ und Frank Sinatras „My Love Is Here To Stay“. Bei „Last Night“ fragte man sich unwillkürlich, der klagenden Harp geschuldet: Was passierte in dieser Nacht? Die Tremolos ließen Böses ahnen, unterstrichen vom Gitarrenstakkato. Mit dem sechsten Titel ging es zurück zu Little Walters „Just Your Fool“. Gekonnt folgte Dühnfort dem Chicago-Elektriksound Rihms, stahl ihm nicht die Schau sondern war ihm perfektes Pendant, folgte willig, dabei eigenwillig, unterstrich die Fertigkeit seines Gastes, während immer mehr Bewegung in die Menge der Fans kam.

Teil zwei des Abends bestritten dann die beiden Noisy Boys, Bassist Steffen Schmidt, seit 2007 Bandmitglied, und Michael Löscher an den Drums, seit 2015 dabei, gemeinsam mit Dühnfort. Mit „Don't Waste My Time“ war sofort klar: Laut, intensiv und exzessiv würden alle drei Künstler ihre Musik präsentieren, ja ihre Seele verkaufen, wenn ihnen das untersagt würde.

Erst 2016 kam die erste CD „Years Of Balls End“ auf den Markt mit Titeln wie „Want To Kick The Bucket“ mit harten Beats oder „You're A Knife In My Heart“, ein Slowblues. Der Saal war nicht bestuhlt, dem Musikgenre angepasst, und mehr und mehr wogte die Menge, die den Rhythmen folgend bei „Walk Around“ und „Sweet and Tasty“ rockte.

Die prägnante Stimme Dühnforts, die Performance auf den Saiten der Gitarre, oft mit Slideröhrchen am kleinen Finger ungeahntes Glissando aufzuzwingend, riss die Zuschauer immer wieder zu Beifall hin. „Ich benutze Keramikslides. Metallene sind mir nicht weich genug“, erzählte er. Bass leben, nicht nur spielen – die Devise Steffen Schmidts. Begeisternd! Sich bewundernd zu verneigen vor seinem Können, der Dank. Der Geschwindigkeit der Schlägel, Klöppel oder Besen, mit der Michael Löscher seine Instrumente Becken und Drums bearbeitete, konnte vom Auge nur mit Mühe verfolgt werden. Grandios ein minutenlanges Solo. Mit „01-05-02“ – an diesem Tag entstand das Stück – zeigte Dühnfort seine Meisterschaft als Solist. Das Plektrum dabei zwischen den Lippen statt auf den Saiten – es bestand die Befürchtung, beim nächsten Luftholen würde er es verschlucken – und jetzt an beiden kleinen Fingern Slides, rasten seine Hände über Saiten und Griffbrett. Atemlosigkeit im Publikum, das kaum glauben konnte, was es sah und hörte. Gleichwertige Partner zollten sich auf der Bühne ihre Achtung voreinander.

Mit „Little Willi“ endeten die drei in Schweiß gebadeten Barden, die jedes Stadion füllen könnten. Strahlende Gesichter im Saal und frenetischer Beifall. Es konnte ausgeatmet werden. Was für eine Show!

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