Jazz Folk Bike

Mit Druck und Spaß

Seit über einem Jahr muss Jazz Folk Klassik improvisieren. Konzerte sind kaum möglich gewesen. Jetzt bot der Garten im Syker Vorwerk immerhin eine Möglichkeit für Live-Musik open air.
26.07.2021, 14:45
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss/dv
Mit Druck und Spaß

Beat'n Blow sorgten im Garten des Syker Vorwerks für Stimmung.

Michael Galian

Syke. Corona das Feld ganz zu überlassen, das käme für das Team von der der Kulturinitiative Jazz Folk Klassik (JFK) nicht infrage, erklärte deren Vorsitzender Gerd Harthus am Sonntag. Also hatten sie eine Band eingeladen, die vor acht Jahren schon mal in Syke aufspielte. Es gastierte im Garten des Vorwerks, des Zentrums für zeitgenössische Kunst, die Berliner Gruppe Beat’n Blow. Und begeisterte ihre Zuhörer mit „Druck und Spaß, mit Brass“ – wie Harthus versprochen hatte.

Ein Brass-Power-Urgestein sollen sie sein, Wegbereiter der neuen europäischen Bläserbewegung, denn schon seit rund 25 Jahren bevölkern sie Bühnen, Straßen, Plätze auf aller Welt und reißen mit ihrem Mix aus eigenen und Cover-Stücken ihr Publikum regelmäßig mit. Trompeten, Posaune und Saxofone sowie ein leidenschaftliches Schlagzeug unterstützten eine fetzige Sängerin. Das war Jasmin Graff, die die Besucher auf dem Rasen zum Mitklatschen, Mitsingen, Mitschwingen und etliche sogar zum Tanzen bewegen konnte. Wobei die sieben Musiker Jörg Vollertuhn (Posaune), Lukas Linhardt und Stefan Gold (Trompete), Richard Maegraith und Bernhard Ullrich (Saxofon), Steve Lukanky (Tuba) und Enno Kuck (Drums) ihren wichtigen Teil dazu beitrugen. 

Weshalb das Konzert nicht ausverkauft war, wie man doch hätte erwarten können, ließ sich auf die Wettervorhersage schieben, die nicht so gut geklungen hatte. Es wurde dann stattdessen sonnig, trocken und herrlich entspannend für die gut 150 Gäste. Ganz anders als im Jahr 2013, wo deren Auftritt nach wenigen Minuten unterbrochen werden musste wegen Starkregens. „Wir mussten damals sogar alles vom Strom nehmen – aber dann ging's nach einer halben Stunde doch wieder weiter“, erinnerte sich Harthus. Dieses Mal gab es also von der Sonne beschienene 80 Minuten Klangwelten voller Leidenschaft ohne Pause.

Neben einigen herrlich mitreißenden Instrumentalstücken präsentierte Sängerin Graff ihr eigenes Werk “Tanz dich frei”, das auch auf dem neuen Album der Gruppe dabei ist. Zum besten Mitsingen das Lied von den „Spreeathenern“, zu dem Graff einen leichten Refrain versprach. „Jajaja“ für die eine Hälfte des Publikums, „neinneinnein“ für die andere: „Wir sind Spreeathener jajaja, uns kann keener…“

Neben den deutschen Songs füllten die Brazzer die Atmosphäre über der geschützten Vorwerk-Wiese auch mit englischen. So der „Hit der Band“, wie Graff versprach, dem „Super Tuesday“. Oder sehr groovy eines besonders für Mädels: „“What girl wants“. Dabei wenige Coverstücke von Bruno Mars, dem 1985 in Honululu geborenen US-amerikanischen R&B-Sänger, Songwriter, Musikproduzent und Grammy-Preisträger.

Wie feurig allein schon Enno Kuck sein Schlagzeug behandelte, konnten die Zuhörer an dessen energiegeladenen Soli erkennen. Und dem Ruf nach Gaffa-Tape, das er dann brauchte, um einiges am Instrument zu flicken. „Er tendiert dazu, sein Schlagzeug beim Konzert zu zerlegen“, lachte Graff. Da konnte dieses Ensemble vom Publikum nicht einfach so entlassen werden. So erklatschte man sich noch zwei temperamentvolle Zugaben.

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