"Jugend entscheidet" Die Jugendbeteiligung "griffiger" machen

Die Stadt Syke ist für die Teilnahme am "Jugend entscheidet" der Hertie-Stiftung angenommen worden. Damit sollen Jugendliche die Möglichkeit erhalten, sich und ihre Ideen politisch einzubringen.
30.03.2022, 13:50
Lesedauer: 3 Min
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Die Jugendbeteiligung
Von Sarah Essing

Syke. Die Syker Jugend mitnehmen und mehr einbinden. Das ist der Wunsch, dem der Stadtrat Syke schon in der letzten Ratsperiode Ausdruck verliehen hat (wir berichteten). "Es fehlt an Konkretem, an etwas Greifbarem", sagt auch Bürgermeisterin Suse Laue. "Da müssen wir etwas 'griffiger' werden, uns umstellen." Umso größer ist ihre Freude, dass die Stadt nun einen weiteren Schritt dafür getan hat. Syke hat sich für das Förderprogramm "Jugend entscheidet" der Hertie-Stiftung beworben und ist dafür angenommen worden, berichten Suse Laue und Stadtjugendpfleger Abdelhafid Catruat.

Ziel des Förderprogramms der Hertie-Stiftung ist es, Jugendliche für die demokratische Beteiligung vor Ort zu begeistern und Methoden zu finden, wie das in der konkreten Situation möglich ist. "Die aktuelle politische Lage zeigt, was für ein fragiles, aber auch schützenswertes Gut die Demokratie ist", sagt dazu Elisabeth Niejahr, Geschäftsführerin der Hertie-Stiftung. "In dieser Situation möchten wir dazu beitragen, dass noch mehr Menschen früh im Leben positive Erfahrungen mit politischer Gestaltung machen und die Vorteile der Demokratie erleben." Im Förderprogramm, in das Syke inzwischen aufgenommen wurde, geht es daher darum, dass junge Menschen nicht nur konsultiert werden, sondern sie eine konkrete politische Fragestellung auch tatsächlich selbst gestalten.

Um das zu erreichen, sei die Unterstützung durch die Hertie-Stiftung und ihr Knowhow sehr willkommen, wie Abdelhafid Catruat betont. Zum Auftakt wird es eine Einführungsveranstaltung geben, an der Vertreter aus allen beteiligten Kommunen teilnehmen. "Dort wird besprochen, wie es weitergeht und ein Plan erstellt", so Catruat.

Anschließend wird es in Syke losgehen. Dafür müssen jugendliche Akteure gewonnen werden. "Das ist ganz wichtig", betont Suse Laue. "Wir wollen schließlich mit den Jugendlichen arbeiten." Dahingehend macht sich Catruat allerdings keine Sorgen. Das Interesse bei den Jugendlichen sei da. Das zeige sich zum Beispiel bei der Planung des Skaterparks, die derzeit laufe. Dort bringen sich die Jugendlichen aktiv ein. Diese Möglichkeit erhalten sich auch in verschiedenen Workshops im Zuge dieses Programms. Dort können sie ihre Ideen, Vorschläge und Projekte einbringen und diskutieren. Wie viele das sein werden und wie oft Treffen stattfinden, "das müssen wir nach unseren Möglichkeiten entscheiden", so Suse Laue. 

Haben die Jugendlichen dann mindestens ein Projekt entwickelt, das sie gerne umgesetzt sähen, arbeiten Politik und Verwaltung konkrete Vorschläge aus, wie das geschehen kann. Ähnlich einer Beschlussvorlage. Dafür wird in Syke eine Projektgruppe gebildet, die aus der Bürgermeisterin und dem Stadtjugendpfleger besteht, zwei Vertretern aus dem Rat und zwei Vertretern aus der Verwaltung.

Über diese konkreten Vorschläge wiederum diskutieren erneut die Jugendlichen. Sie legen auch fest, welche Priorität das Projekt oder die Projekte haben. Darüber stimmt dann schließlich der Stadtrat in einer öffentlichen Ratssitzung ab und der oder die Vorschläge der Jugendlichen werden umgesetzt. Das sei "ganz, ganz wichtig", betont Catruat. "Damit die Jugendlichen merken, dass sie ernst genommen werden, und dass sie Gehör finden."

Los geht es bereits in diesen Tagen. Die Einführungsveranstaltung findet online statt, ehe die Projektgruppe im Mai an einem Netzwerktreffen teilnimmt. Etwa von Juli bis Oktober 2022 ist dann der Zeitraum für die Thementage, an denen die Jugendlichen ihre Ideen diskutieren. Bis Ende des Jahres könnte die Ratssitzung erfolgen, dann ist im Frühling und Sommer 2023 Zeit für weitere Workshops. Läuft alles nach Zeitplan, könnte das Projekt im Juli 2023 abgeschlossen sein.

Ob am Ende dann daraus tatsächlich ein Jugendparlament entsteht, wie der Ratsbeschluss lautete, lässt Suse Laue noch offen. Es müsse sich zeigen, ob ein derartiges Gremium, in dem Jugendliche dasselbe machen wie die Erwachsenen im Stadtrat, tatsächlich der richtige Weg für eine Beteiligung der Jugend in Syke ist. Mit diesem Programm sei man jedoch auf dem richtigen Weg, die Jugendlichen mit einzubinden. Findet diese Art der Beteiligung Anklang, soll dieser Entscheidungsprozess daher nach Möglichkeit etabliert werden. "Damit wird die Grundlage für eine aktuellere, modernere Jugendbeteiligung gelegt", ist die Bürgermeisterin überzeugt.

Zur Sache

"Jugend entscheidet"

Im Programm "Jugend entscheidet" der gemeinnützigen Hertie-Stiftung sollen Jugendliche durch ein eigens konzipiertes Beteiligungsformat lernen, dass es sich lohnt, sich vor Ort für die Demokratie einzusetzen. Kommunalpolitiker wiederum sollen Methoden erproben, junge Menschen für ihre Arbeit zu begeistern, heißt es in der Beschreibung des Förderprogramms seitens der Hertie-Stiftung.

Das Programm findet jetzt das zweite Mal statt. Dafür hatten sich 151 Kommunen in ganz Deutschland beworben. 15 Kommunen, darunter auch Syke, können teilnehmen.

Die Hertie-Stiftung unterstützt das Programm nicht nur mit einer professionellen Prozessbegleitung in allen Phasen des Projekts. Jede Kommune erhält zudem 5000 Euro, um die begleitenden Workshops und mehrteiligen Entscheidungsverfahren durchführen zu können.

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