Trinationaler Jugendaustausch Verständnis über Sprache hinaus

Der erste trinationale Austausch mit Jugendlichen aus Deutschland, Marokko und Polen wurde im Jahr 2020 in Syke veranstaltet. Die nächste Begegnung soll in diesen Herbstferien in Marokko stattfinden.
07.07.2021, 15:10
Lesedauer: 3 Min
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Verständnis über Sprache hinaus
Von Antonia Blome

Syke. "Die Stadt Syke ist international und multikulturell, da gehört die Begegnung dazu", findet Abdelhafid Catruat. Mit dieser Idee im Hinterkopf startete der Jugendpfleger der Stadt ein neues Projekt: Im Frühjahr 2020 kam aufgrund seiner Initiative ein trinationaler Austausch mit Jugendlichen aus Deutschland, Marokko und Polen zustande. Catruat ist selbst in Marokko geboren und mit sechs Jahren gemeinsam mit seiner Familie nach Deutschland ausgewandert. Zehn Tage verbrachten die Teilnehmer in einer Jugendherberge in Ristedt, lernten einander kennen und verstehen. Im Herbst haben Jugendliche die Möglichkeit, erneut bei dem Austausch mitzumachen.

Dieses Mal geht es für die Teilnehmer aus Syke und der polnischen Stadt Wabrzezno ans Mittelmeer. Abdelhafid Catruat hat eine ganz besondere Verbindung zum Reiseziel: Die Jugendlichen verbringen den Austausch in der marokkanischen Stadt Al Hoceïma – seinem Geburtsort. Thematisiert werden bei der nächsten Jugendbegegnung die Themen Holocaust, Kolonialismus behandelt und wie diese mit der Umwelt zusammenhängen. "Die Jugendlichen aus anderen Ländern hier zu Gast zu haben, ist die eine Sache. Selbst nach Marokko zu fliegen, ist eine ganz neue Erfahrung", sagt Tobias Apel, Lehrer an der Syker Realschule und Betreuer.

Gefördert wird der Austausch vom deutschen Außenministerium sowie vom deutsch-polnischen Jugendwerk. Gemeinsam mit den polnischen Teilnehmern treffen sich die deutschen Jugendlichen in Köln und fliegen von dort aus gemeinsam nach Marokko. Zehn Tage verbringen sie dann in einer Pension. "Wegen der Pandemie stehen wir mit dem Außenministerium in Kontakt", sagt Abdelhafid Catruat. Sollte die Lage einen persönlichen Austausch nicht ermöglichen, sei eine digitale Jugendbegegnung geplant.

Teilgenommen haben im vergangenen Jahr unter anderem der 19-jährige Dimitrij Heinrich und die 17-jährige Jacqueline Schröder aus Syke. "Wir hatten alle zusammen eine Menge Spaß", erinnert sich Heinrich. Die Betreuer hätten Rücksicht auf die Wünsche der Schüler genommen und ihnen viel Entscheidungsfreiheit überlassen. "Wir haben zum Beispiel Abende veranstaltet, an denen wir einen kulturellen Abend mit Essen und Tänzen vorbereitet und dann einander präsentiert haben", erzählt Jacqueline Schröder. Laut der Realschülerin waren die Teilnehmer außerdem jeden Tag im Tanzstudio und haben schließlich drei Tänze im Syker Rathaus vorgeführt. "Viele denken erst einmal an die Unterschiede der verschiedenen Kulturen, aber ich finde die Gemeinsamkeiten viel spannender", sagt Tobias Apel zu dem Austausch. Das merke man zum Beispiel, wenn die deutschen und marokkanischen Jugendlichen abends beisammensitzen und über dieselben Witze lachen würden.

Trotz der Sprachbarrieren habe sich die Gruppe gut austauschen können. Dolmetscher seien zwar mit von der Partie, aber hauptsächlich bei den offiziellen Veranstaltungen dabei gewesen. "Ansonsten haben wir uns auf Englisch, mit einem Übersetzer oder auch einfach mit den Händen verständigt", informiert Dimitrij Heinrich. Während des Aufenthalts gingen die Jugendlichen in der Waterfront shoppen, machten einen Stadtrundgang durch Syke und begingen den Holocaust-Gedenktag. "Es war eine großartige Erfahrung", findet Jacqueline Schröder. "Wir konnten sehen, wie Menschen aus anderen Kulturen ihren Alltag meistern, feiern und was sie daheim machen." Bei der Abschiedsfeier seien die Teilnehmer daher traurig gestimmt gewesen. Mit einigen der Teilnehmer haben die zwei Jugendlichen aber bis heute Kontakt.

Zur Sache

Teilnahme am diesjährigen Austausch

Der zweite trinationale Austausch findet in den diesjährigen Herbstferien vom 16. bis zum 26. Oktober statt. Teilnehmen können Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren, die in Syke wohnen. Die Anmeldung ist unter der Homepage der Stadt Syke unter www.syke.de möglich. Anmeldeschluss ist Sonntag, 22. August. Die Teilnehmer benötigen einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist. Mit von der Partie sind Tobias Apel, Abdelhafid Catruat sowie zwei andere Erwachsene, die den Jugendaustausch filmisch festhalten. Aus jedem Land nehmen je zehn Jugendliche teil. Die Teilnahme kostet 150 Euro. "Wir wollten keine exklusive, teure Reise veranstalten, sondern auch Jugendlichen aus Familien mit einem schmalen Budget diese Erfahrung ermöglichen", sagt der Syker Stadtrat Thomas Kuchem. An den finanziellen Mitteln habe es für die Jugendlichen nicht scheitern sollen. Wer Fragen oder Finanzierungsschwierigkeiten hat, kann sich telefonisch unter 0151/72726203 oder per E-Mail an a.catruat@syke.de mit Abdelhafid Catruat in Verbindung setzen.

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