SKIP Syke Karate ist sein Lebensweg

Oliver Marahrens ist als Karateka hoch dekoriert. Der Vorsitzende des SKIP Syke lebt seinen Sport und gibt sein Wissen an seine Schüler weiter.
23.04.2019, 16:25
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup

Einen kurzen Moment grübelt Oliver Marahrens. „Karate ist deutlich mehr als ein Hobby für mich. Es ist das prägendste Element in meinem Leben“, sagt der 53-Jährige dann über seine Leidenschaft. Dieser geht er bereits seit 32 Jahren nach, mehr als ein Vierteljahrhundert lang ist er zudem Vorsitzender des SKIP Syke. Karate ist sein Lebensweg.

Schon als Kind kam der in Bremen wohnende Marahrens mit seinem Sport in Berührung. „Der Ex-Freund meiner Schwester war Schwarzgurt. Also habe ich auch eine kleine Weile trainiert. Dann haben sich die beiden getrennt und ich habe erst einmal aufgehört, bis ich mitbekommen habe, dass es in Syke einen Verein gibt.“ Dieser Verein ist der SKIP, der im vergangenen Jahr seinen 40. Geburtstag feierte. Einen Großteil dieser Zeit hat Marahrens nicht nur miterlebt, sondern auch mitgeprägt als Vorsitzender. Unter ihm wuchs der Verein von rund 40 Mitgliedern zu heute nahezu 160. „Wir haben besonders bei den Kindern einen großen Zulauf“, freut sich der SKIP-Vorsitzende.

Ein Rüpel-Image haben Karateka und ihre Vereine längst nicht mehr. Im Jahr 2003 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Karate zum gesundheitsfördernden Sport erklärt. „Das war ein wichtiger Schritt“, weiß Marahrens. Als er Karate mit 21 Jahren ernsthaft betrieb, „da waren die meisten, die neu angefangen sind, in meinem Alter. Da war Kinderkarate noch nicht so weit verbreitet. Das hat sich total gewandelt“, sagt er mit Blick auf Anfänger, die teilweise erst vier Jahre alt sind. Die Jugend macht heute einen Großteil des SKIP aus. Generell gebe es aber das perfekte Einstiegsalter nicht. „Karate ist eine Breitensportart geworden. Es ist nie zu spät anzufangen“, sagt Marahrens. Auch im SKIP gebe es viele Mitglieder, die erst mit 30 oder auch 40 Jahren zum Sport gekommen seien.

In diesem Alter hatte Marahrens bereits zahlreiche Erfolge vorzuweisen. Er ist ein hoch dekorierter Karateka. Er gewann die Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften, wurde zudem Landesmeister in diversen Landesverbänden, in denen er für verschiedene Teams beziehungsweise Dojos startete. Darüber hinaus ist er als Trainer gefragt, gibt Lehrgänge „von Herzberg in Brandenburg bis nach Osnabrück“. Zweimal trainiert er zudem beim SKIP, im Mai will er in Bremen Karate-Stunden anbieten. Marahrens, der auch Schwarzgurt-Prüfungen abnehmen darf, will sein Wissen weitergeben. „Es macht Spaß, sich auf die Schüler einzustellen, gerade bei Kindern erhält man immer einen Kessel Buntes“, gefällt ihm vor allem die Vielfalt. Mittlerweile habe er ein Gerüst und auch ein Konzept, „aber man muss immer flexibel bleiben.“

Wenn er dann noch die erwachsenen Anfänger trainiert, muss er sich erneut umstellen. „Das macht das Training so reizvoll“, meint er. Er versuche immer, seinen Schülern beizubringen, „gerade durchs Leben zu gehen“, wie er es nennt. „Man kann Karate sehr gut aufs Leben übertragen. Es ist ein charakterbildender Sport, der nicht nur die motorischen Fähigkeiten stärkt. Aufrecht stehen, dem Gegenüber ins Gesicht schauen, Respekt zeigen. Das ist alles wichtig, und das lernt man beim Karate.“ Von vielen Eltern habe er gehört, dass sich ihre Kinder durch den Sport zum Positiven verändert hätten. „Das ist für uns als Trainer ein tolles Kompliment.“

Seit November vergangenen Jahres hat Oliver Marahrens den 6. Dan. „Das können nicht allzu viele in Deutschland von sich behaupten“, sagt er nicht ohne Stolz. Dan bedeutet so viel wie Stufe. Es gibt verschiedene Meistergrade auf dem Weg zur Perfektion. Die letzte Stufe ist der 10. Dan. „Ich bin sicher, dass der 6. nicht mein letzter Dan war“, sieht sich Marahrens noch nicht am Ende. Fünf Jahre muss er zwischen den einzelnen Prüfungen warten. Bis dahin ist vor allem Training angesagt. „So intensiv wie auf die letzte Prüfung habe ich mich noch nie vorbereitet“, erinnert er sich. „Es ist ein langer Weg, der viel Selbstdisziplin erfordert. Aber das ist auch gut so“, findet er.

Diesen langen Weg beschreiten viele Schüler, die in den drei Säulen Kumite (Freikampf), Kata (Kampf gegen imaginäre Gegner) und Grundschule unterrichtet werden, nicht bis zum Ende. Viele verliere man. „Wenn von zehn einer übrig bleibt, dann ist das gut. Besonders in der Pubertät, wenn die Interessenverlagerung stattfindet, springen viele ab.“

Hunderte Schülerinnen und Schüler hat Marahrens kommen und gehen sehen, seit er damals noch als Grüngurt seine ersten Trainingseinheiten leitete. Die Zeiten, in denen er es persönlich nahm, dass sich Schüler gegen Karate entschieden, „sind längst vorbei“. Am Anfang habe es sich schlimmer angefühlt. Schließlich investiere man viel Zeit und Energie, aber auch Geld in die Ausbildung. Doch Marahrens sieht das Positive: „Mit vielen Schülern habe ich Freundschaften geschlossen. Das ist das, was die Arbeit als Trainer so besonders macht.“ Besonders prägend ist die Beziehung zu Claudia Lox, die von Kindesbeinen an dabei war und noch heute ihren Weg gemeinsam mit Marahrens geht. Momentan läuft für sie die Vorbereitung auf den 4. Dan. „Das ist eine ganz seltene Sache als Lehrer, dass man jemanden so lange dabei hat. Das freut mich natürlich“, sagt Marahrens. Lox ist ebenfalls Trainerin beim SKIP.

Als Wettkämpfer, der seine Kunst auch vor Publikum präsentiert, hat der 53-Jährige eine besondere Stellung. „Für viele ist Karate ein Ausgleichssport. Die Quote derer, die an Wettkämpfen teilnehmen, liegt bei vielleicht fünf Prozent“, verdeutlicht er, dass es durchaus eine Hemmschwelle gibt. „Seine Fähigkeiten vor Publikum und Kampfrichtern zu zeigen, ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Aber auch das bringt einen als Persönlichkeit weiter. Deshalb halte ich den Wettkampf nicht für verkehrt.“ Mit Daniel Korobko, der bereits internationale Erfolge erzielt hat, hat der SKIP einen jungen Vorzeigekämpfer in seinen Reihen. Einen Schüler zu Wettkämpfen zwingen werde er aber nie, verrät Marahrens.

Auch weil er sich treu geblieben ist, genießt der Karateka ein hohes Ansehen. Darüber hinaus hat er beim SKIP ein fähiges Team um sich geschart, zu dem zusätzlich zu Claudia Lox unter anderem bei den Trainern noch Björn Strote sowie Brigitte und Lina Steenken gehören. Der Zulauf neuer Mitglieder komme mittlerweile schon fast von allein. Der SKIP zählt inzwischen zu den größten Vereinen im Niedersächsischen Karate-Verband. Viele offene Wünsche hat Oliver Marahrens deshalb nicht. Eine eigene Halle beziehungsweise ein eigenes Dojo ist so einer. „Daran arbeiten wir“, verrät er. Und sonst? „Wünsche ich mir, dass es für den SKIP so weitergeht“, sagt Marahrens. Der Weg des Vereins ist wie der des 53-Jährigen noch nicht zu Ende.

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