Flüchtlingssozialarbeit

Keine Angst vor zwei Kommunen

Die Kommunen Syke und Bassum teilen sich eine Flüchtlingssozialarbeiterin. Die heißt Marei Radke, ist 33 Jahre alt und hat schon einiges an Erfahrung gesammelt.
17.01.2018, 17:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Dominik Albrecht

Syke/Bassum. Was macht eine Triathlon-Begeisterte und ausgebildete Rettungsschwimmerin beruflich? Richtig, sie wird Flüchtlingssozialarbeiterin. So jüngst geschehen mit Marei Radke, die sich gerade in ihrem neuen Posten einfindet und ab sofort für Bassum und Syke zuständig ist. In einem Gespräch mit dem SYKER KURIER stellt sie sich und ihre Aufgaben vor.

Marei Radke ist 33 Jahre alt, studierte Pädagogik und Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt interkulturelle Pädagogik und sagt von sich selber, dass sie mit der interkulturellen Pädagogik groß geworden ist. „Das ist bei uns familiär bedingt, wir hatten immer eine offene Tür und viel Besuch“, erzählt sie. Der Schwenk auf die Flüchtlingspolitik habe sich indes erst 2015 mit den Flüchtlingsströmen und der dadurch steigenden Nachfrage nach Flüchtlingssozialarbeitern ergeben. Doch selbstverständlich war das nicht die einzige Motivation für die im Rheinland geborene Radke. „Man macht erfolgreiche Arbeit, die nicht nur für die Betroffenen selber, sondern auch für die Gesellschaft etwas bewirkt. Und es ist eine abwechslungsreiche und langfristige Arbeit, die uns noch in den nächsten Jahren beschäftigen wird“, fasst sie zusammen.

Die Flüchtlingssozialarbeiterin ist in je halber Anstellung sowohl für die Stadt Syke (montags und dienstags) als auch in Bassum (mittwochs und donnerstags) tätig – am Freitag pendelt sie zwischen den beiden Kommunen. Die ersten zwei Wochen dienten der Sozialpädagogin dazu, sich einen Überblick über das neue Arbeitsgebiet zu machen. Gut so, denn das ist für die Expertin seit Januar deutlich gewachsen. Hat sie sich in Bremen noch mit einem Team um rund 120 Flüchtlinge gekümmert, werden es in den beiden Kommunen jetzt mehr als 300. Und das nicht als Team, sondern alleine.

Kamen da nicht irgendwann während des Bewerbungsgespräch Zweifel auf, ob man das alles größtenteils alleine schaffen kann? „Nein. Ich glaube, das liegt auch an der Erfahrung, die ich mitbringe und meiner eigenen Kompetenz, Dinge zu organisieren“, bestätigt Marei Radke gelassen ihre Motivation. Die mitgebrachte Erfahrung stammt aus Bremen, wo sie für die Diakonie als stellvertretende Einrichtungsleiterin von Notunterkünften, Übergangswohnheimen und Wohnraumvermittlerin sowie Sozialpädagogin gearbeitet hat.

Und so ganz alleine ist die studierte Pädagogin und Sozialarbeiterin dann ja doch nicht. „Uns ist die Verknüpfung von ehrenamtlicher und professioneller Arbeit sehr wichtig“, betont Bassums Bürgermeister Christian Porsch. Für ihn ist es nach wie vor beeindruckend, dass sich Bürger freiwillig fanden, die angesichts des Hilfspotenzials ihr Engagement anboten. „Ohne Ehrenamtliche geht es auch gar nicht. Es gibt viele, die Familien einfach betreuen, was für mich eine große Erleichterung ist. Das könnte ich alleine alles gar nicht leisten“, ist auch Marei Radke über die Unterstützung froh. So seien auch alle Helfer und die, die es noch werden wollen, gerne in ihrer Sprechstunde gesehen.

Die Sprechstunden von Marei Radke (Bassum mittwochs von 10 bis 12 Uhr, donnerstags von 14-16 Uhr; Syke: montags 14 bis 16 Uhr und dienstags 10 bis 12 Uhr) stehen ab sofort allen Betroffenen Menschen offen, die Rat in ihrer Situation brauchen. „Unser Ziel ist es, dass die Menschen in ihrer Selbstständigkeit unterstützt werden und sie zu mir kommen, wenn sie Hilfe brauchen“, erklärt Marei Radke. Zugleich macht die Flüchtlingssozialarbeiterin aber auch Außer-Haus-Besuche.

Bassums Erster Stadrat Norbert Lyko freut sich des Weiteren besonders über das Voranbringen der interkommunalen Zusammenarbeit. „Dadurch hat Marei Radke den Vergleich zwischen den Städten und kann sagen, was in Syke oder Bassum besser läuft.“ Zudem bestach die Bremerin durch ihre mitgebrachte Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen. „Darauf liegt aktuell das Hauptaugenmerk in unseren Kommunen. Wir haben genug Wohnungen, jetzt geht es um das In-Arbeit-Bringen der Flüchtlinge“, skizziert Lyko. Denn häufig hapere es bei den Sprachkenntnissen – obwohl die Arbeitsbereitschaft da sei. Diese Beobachtung hat auch schon Sykes Wirtschaftsförderer Thomas Kuchem gemacht. „Wir haben gerade einen Mann, der engagiert sich ganz toll, möchte eine Ausbildung machen, scheitert aber in der Berufsschule an der Sprachbarriere“, beschreibt Thomas Kuchem.

An der Sprachbarriere wird es bei Marei Radke indes übrigens sicher nicht scheitern. Die Sozialarbeiterin spricht nach eigenen Angaben fließend Englisch, kann sich in den Grundzügen auch auf Französisch unterhalten und lernt dazu gerade noch Arabisch. „Das macht total viel Spaß“, schwärmt sie. Des Weiteren wird ihrer Meinung nach deutlich, dass Sprache der Schlüssel sein kann: „Ich hatte letztens eine Arabisch sprechende Frau bei mir, die sehr zurückhaltend war. Ich habe sie auf Arabisch begrüßt und mich vorgestellt, und sofort war das Eis gebrochen.“

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