Dienstälteste Tagesmutter "Wie eine große Familie"

Nach 31 Jahren und 65 betreuten Tageskindern geht Sigrid Bluhm in den Ruhestand. Zum Abschied feierten ehemalige Schützlinge, Eltern und aktuelle Tageskinder die "weltbeste Tagesmutter".
02.08.2021, 16:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Sarah Essing

Syke-Leerßen. Eigentlich wollte Sigrid Bluhm sich nur in den wohlverdienten Ruhestand begeben. Doch da hatte Sykes dienstälteste Tagesmutter die Rechnung ohne "ihre" Kinder und deren Eltern gemacht. Mit Blumen, Geschenken, einer Urkunde für die "weltbeste Tagesmutter" und einer vorbereiteten Party überraschten sie "ihre" Tagesmutter. "So viele liebe Menschen, die mich begleitet haben", nahm Sigrid oder Kiko oder Kutti, wie sie von den Kindern auch genannt wurde, gerührt die guten Wünsche entgegen.

"Du kannst doch gut mit Kindern umgehen, kannst du nicht mal auf Jenny aufpassen?" Mit dieser Frage ihrer Sportkollegin Christine Nordmann begann vor 31 Jahren alles. Als ehemalige Sprechstundenhilfe bei einem Kinderarzt konnte Sigrid Bluhm in der Tat gut mit Kindern. "Das hat mir immer Spaß gemacht", sagt sie. Daher half sie ihrer Sportkollegin gern aus der Klemme. "Ich war die erste Kraft in meiner Firma, die nach der Mutterzeit in Teilzeit wieder anfangen konnte", erinnert sich Christine Nordmann. Das sei 1990 längst noch nicht selbstverständlich gewesen, erinnert sie sich. "Früher war das alles nicht so einfach", sagt sie. Sie sei deshalb dankbar, dass Sigrid Bluhm sich bereit erklärte, auf die kleine Jenny, damals noch kein Jahr, aufzupassen. "Und von da an hat sich das so entwickelt", sagt die Tagesmutter.

Zu Jenny gesellte sich David Zimmermann und über Mund-zu-Mund-Propaganda fanden bald weitere Schützlinge den Weg nach Leerßen. 65 Kinder waren es in den 31 Jahren insgesamt. "Das ist ein ganz großer Verlust für die Stadt Syke", bedauert Anke Weidenhöfer, in der Stadtverwaltung zuständig für die Tagespflege. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Suse Laue schaute sie vorbei, um sich ebenfalls zu verabschieden und Danke zu sagen. "Sie ist eine hervorragende Pädagogin und hat die Kinder immer zuverlässig betreut." 

"Sie hat das toll gemacht", erinnert sich auch ihr erstes Tageskind Jenny, heute Meier und selbst Mutter von zwei kleinen Mädchen, gern an ihre Zeit mit Sigrid. "Sie war immer da", fügt David Zimmermann hinzu. Sie sei mit den Kindern viel nach draußen gegangen, es wurde gespielt und durch Feld und Wiesen getobt. Bauernhofbesuche standen ebenso auf dem Programm wie Ausflüge in den Tierpark oder zum Eis essen. "Es war nie eine Einrichtung sondern eher wie eine Familie", sagt Jenny Meier. Dass ihr eigener Nachwuchs zu Sigrid geht, war daher keine Frage. Höchstens eine Frage der Plätze, denn die waren bei Sigrid Bluhm heiß begehrt. "Ich konnte sie nie vermitteln", lacht Anke Weidenhöfer. David Zimmermanns jüngerer Sohn Jari und Jenny Meiers ältere Tochter Charlotte sind nun die letzten Tageskinder. Dass Sigrid aufhört, sei "schwierig", bekennt Jenny Meier. "Aber wir besuchen sie noch ganz oft, oder?" "Ja!", sagt Charlotte mit Nachdruck.

"Es war eine schöne Zeit", zieht Sigrid Bluhm Bilanz, doch jetzt sei die Zeit gekommen, mit ihrem Mann Hartmut in eigenem Tempo weiterzumachen. Dem "Spielzeug-Reparateur" und "Piratenschiff-Erbauer sowie ihrer Familie gilt ihr erster Dank für die jahrelange Unterstützung. Ohne ihn sei das nicht möglich gewesen. Auch ihr Vermieter habe Beistand geleistet und schließlich gelte ihr Dank den Eltern, "für das Vertrauen." Dass unter und mit ihnen viele Freundschaften entstanden seien, freue sie am meisten. Das sei "wie eine große Familie."

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