Kirche Barrien Engagement auch ohne Mitgliedschaft

Der Zuspruch sinkt. Entsprechend kürzt die Landeskirche Hannover Mittel für die Gemeinden. Wie kann es weitergehen? Diese Frage diskutierten am Freitagabend 40 Menschen im Hachehuus in Barrien.
22.08.2021, 14:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Rita Behrens / rbe

Syke-Barrien. Der Sparkurs, der dem Kirchenkreis Syke-Hoya von der Landeskirche Hannover vorgegeben wird, hat zu einer konstruktiven aber auch kritischen Selbstreflexion veranlasst. Ein weiteres fundamentales Problem stellen die zunehmenden Kirchenaustritte dar, die zu verminderten Steuereinnahmen führen. Über die verbleibenden Möglichkeiten der hiesigen Kirchengemeinde tauschten sich am Freitagabend im Hachehuus der evangelischen Bartholomäus-Gemeinde in Barrien 40 Menschen aktiv aus.

Für die Jahre 2022 bis 2028 liegt ein beunruhigender Finanz- und Stellenrahmenplan vor, wie dabei deutlich wurde. Betroffen sind vor allem die Stellen für Pastoren und Diakone. 820.000 Euro weniger sind dafür innerhalb des besagten Zeitraumes veranschlagt. Die Sachausgaben müssen um zehn Prozent und die Ausgaben für die Gebäude um fünf Prozent reduziert werden. Zunächst sei Letzteres für die Barrier das geringste Problem, vermittelte der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Hartwig Seevers. Für die Personalausstattung sollte gelten, dass „möglichst volle und attraktive Stellen vorgehalten werden“. Vakanzen und Ruhestände müssten in die Überlegungen eingehen, dazu die intensivere Zusammenarbeit der Gemeinden Barrien, Heiligenfelde und Syke. Das Statement „Stelleneinschränkungen helfen nicht“ führte zur Reflexion, ob ein Pastorengehalt über Spenden gesichert werden könnte.

Die Auswirkungen auf den Konfirmanden-Unterricht, die Gottesdienste, Hochzeiten und Beerdigungen, hier insbesondere auf die Trauerarbeit, wurden diskutiert. Ein Einwand lautete: Die Seelsorge insgesamt würde zu kurz kommen. Entsprechend wirkten sich hier die anteiligen Verwaltungsarbeiten der Pastoren aus. Zudem werde es zukünftig aufgrund des demografischen Wandels schwierig, offene Stellen zu besetzen. Verschiedene Probleme wurden im Verlauf der Diskussion im Kreis der Anwesenden thematisiert. Etwa auch, dass die Aufgaben in den Kirchenvorständen stark zunehmen und zeitlich kaum ehrenamtlich zu bewältigen sind. Diakon Bernd Breckner verwies in diesem Kontext auf die Möglichkeit einer adäquaten Geschäftsführung.

Des Weiteren ging es um die kirchliche Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. Wiederum zeigte sich ein maßgebliches Problem: Nur etwa die Hälfte der Eltern von den Kindergartenkindern und Konfirmanden sind Mitglied in der Kirche. Die Gesprächsbeiträge zeigten, dass es trotzdem wichtig ist, den Nachwuchs von der Kirche zu überzeugen. Lektorin Tanja Riekenberg betonte die Relevanz der Jugendarbeit. Von anderer Seite wurde der Umgang mit den Konfirmanden kritisch beäugt. So müsse bei ihnen auch das Verständnis für Stille erst geweckt werden.

„Warum kommen die Leute in die Kirche?“ Diese Frage wurde eingehend und emotional diskutiert. Suse Laue, Sykes Bürgermeisterin, unterstrich die notwendige Vielfältigkeit der regionalen Kirche. Die Seelsorge dürfe nicht aus den Augen verloren werden und müsse erhalten bleiben. Über die Jugendarbeit könne die Bindung zur Kirche entstehen: „Die Theologie ist das Bindeelement“. Gottesdienste müssten nicht jeden Sonntag stattfinden. Wie sich herausstellte, gehörte auch kaum einer der Anwesenden zu den regelmäßigen Kirchgängern. Pastorin Susanne Heinemeyer zeigte sich über ihre aktuelle Wahrnehmung, dass der Gottesdienst eher überflüssig sei, „verwundert und enttäuscht“. Dennoch wurden Erfolge reflektiert, so etwa die Sommerkirche oder die rollende Kirche, die während der Pandemie zu den Leuten kam und auffallend guten Zuspruch erhielt. Die Aussage „Gottesdienste, die ich selbst mitgestalte, sind mir besonders wichtig“, verdeutlichte das Anliegen, thematisch zu arbeiten, wie beim Frauengottesdienst. Ebenso führe das Chorsingen zum Gemeinschaftsgefühl.

Die Vielseitigkeit des kirchlichen Engagements – etwa bezüglich des Kindergartens oder der Pflegeeinrichtungen – wurde aufgezeigt. Woraus die Frage resultierte: Welche Prioritäten wollen wir setzen? Die Seelsorge und die Kirche als spiritueller Ort bewegten Bernd Becker und standen bei ihm im Fokus. Weiterhin ging es um die Optimierung des sozialen Miteinanders. Themen sollten gemeinschaftlich behandelt werden, hieß es. Das Bild von der Kirche müsse nach außen korrigiert werden, denn Angebot und Nachfrage stimmen offenbar nicht überein. Ein Fazit: Die Kirche dürfe sich nicht nur an eigenen Mitgliedern ausrichten; auch ohne Mitgliedschaft sollte kirchliches Engagement möglich sein.

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