Heimische Wirtschaft

Kleine Molkerei liefert ins große Amerika

Bis nach Amerika liefert die Molkerei Grafschaft Hoya in Asendorf ihre Sauerrahmbutter. Und ihr Sahneschichtkäse erhielt jüngst eine Auszeichnung.
28.08.2017, 18:14
Lesedauer: 2 Min
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Von Dominik Flinkert
Kleine Molkerei liefert ins große Amerika

Mitarbeiter füllen die Sahne ab.

Janina Rahn

Asendorf. Handgemachte Qualität: Der Sahneschichtkäse der Asendorfer Molkerei Grafschaft Hoya ist vor kurzem als kulinarischer Botschafter für den Landkreis Diepholz ausgezeichnet worden. Zum ersten Mal hatte sich Geschäftsführer Heinrich Steinbeck für den Preis beworben, mit einem anderen Produkt will er das beim nächsten Mal wiederholen. Doch der Schichtkäse, der vor allem dafür bekannt ist, dass seine Fettgehaltsstufen in einer Packung übereinander geschichtet werden – die mittlere Schicht ist die fetteste –, ist nur eines von vielen Produkten der Molkerei. Darüber hinaus produziert die Molkerei Butter, klassische Buttermilch, Buttermilchquark, Vollmilch und Joghurt. Eventuell will Steinbeck bald eine Fruchtbuttermilch auf den Markt bringen.

Zu den neusten Produkten gehören ein Milchmischgetränk mit Schokoladen-, Erdbeer- oder Eiskaffeegeschmack sowie die Crème fraîche. Weil es sich um eine kleine Molkerei handelt, setzt Steinbeck vor allem auf Produkte, deren Herstellung sich für große Molkereien nicht mehr lohnt. „Wir führen da ein Nischendasein“, sagt Steinbeck. So füllt seine Molkerei die Milch für den Bauernhof Martens aus Detern (Landkreis Leer) ab.

Und auf die Butter ist sogar ein Supermarkt aus Amerika aufmerksam geworden. Am besten verkauft sich die Sauerrahmbutter. 1500 Tonnen sind es pro Jahr. Darüber hinaus verlassen die Produktionsstätte an der Raiffeisenstraße pro Jahr 500 Tonnen Kräuterbutter und 800 Tonnen Sahne. Pro Tag verkauft die Molkerei etwa 1000 Liter Milch. Die Kräuterbutter geht an Aldi Nord, die Sahne an Bäko, einen Fachgroßhandel für Bäckereien und Konditoreien.

Die größten Verkaufszuwächse verzeichnet Steinbeck nach eigenen Angaben bei der Sahne, da habe es in den vergangenen Jahren in jedem Jahr Wachstumsraten gegeben. „Die Schlagsahne ist ohne Zusatzstoffe“, betont der Firmenchef und fügt hinzu: „Sie hat auch einen unheimlich stabilen Schaum.“ Die Milch, Butter und den Sahneschichtkäse stellt die Molkerei für den regionalen Markt her.

Um die Energiekosten zu senken, lässt Steinbeck ab September ein Blockheizkraftwerk bauen, das bis Ende des Jahres fertig sein und 50 Kilowatt elektrische Leistung erzeugen soll. Dadurch werde der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid um 127 Tonnen pro Jahr gesenkt. Derzeit entstehen für die Herstellung von einer Tonne Rohmilch 3,40 Euro Energiekosten. In einem Labor überprüfen Mitarbeiter der Molkerei die Produkte auf Enterobakterien, Schimmel und Hefen. In einem externen Labor werden sie geprüft, ob sie andere Krankheitserreger wie Salmonellen und Listerien enthalten.

„Wir verarbeiten keinen Tropfen Rohmilch“, sagt Steinbeck. Die Milch werde bei 73,8 Grad erhitzt. Sehr am Herzen liegt Steinbeck die alte, analoge Steuerung der Buttermaschine. Er meint: „Wenn sie mal kaputtgeht, kommt sie bei mir ins Wohnzimmer rein.“ Ein bisschen, sagt der Molkereimeister, sei er schon retro angehaucht. Seit dem Jahr 2011 arbeitet er in der Molkerei, seit Ende 2013 führt er das Unternehmen als Geschäftsführer. Vor seinem Arbeitsbeginn in der Molkerei war Steinbeck Produktionsleiter bei Vilsa-Brunnen.

Die Geschichte der Molkerei geht bis ins Jahr 1888 zurück: In diesem Jahr wurde die Molkereigenossenschaft Asendorf gegründet. 1936 wurde die derzeitige Molkerei gebaut, 1963 der erste Milchtanksammelwagen angeschafft. Heute arbeitet Steinbeck mit 65 Landwirten zusammen, die 56 Millionen Kilogramm Milch produzieren. 1992 waren es noch 330 Landwirte, die lediglich 44 Millionen Kilogramm Milch lieferten. Das macht die Entwicklung zu Großbetrieben in der Landwirtschaft deutlich.

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