Solarenergie

Rathaus produziert Strom jetzt selbst

Die Stadt Syke und die Genossenschaft Bürger-Energie Syke haben ihr neuestes Gemeinschaftsprojekt abgeschlossen. Die Solaranlage auf dem Dach des Rathauses ist nun in Betrieb.
13.05.2021, 07:34
Lesedauer: 2 Min
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Von Joshua Leive Sarah Essing
Rathaus produziert Strom jetzt selbst

Sind zufrieden mit der neuen Solaranlage samt Batteriespeicher (von links): Robert Buschmann, Suse Laue Ralf Borchers, Manuel Schulenberg und Medard Andrae.

Michael Galian

Syke. Die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach des Rathauses in Syke ist fertig. Seit gut vier Wochen liefert sie bereits Strom. "Nicht nur tagsüber, sondern vor allem auch nachts", betont Robert Buschmann, Geschäftsführer der Firma Buschmann Energietechnik aus Twistringen. Er hat sich nicht nur um die Installation der Solarstromanlage gekümmert, sondern vor allem auch um den Batteriespeicher im Keller des Rathauses. Dieser sorgt dafür, dass zu jeder Zeit Energie da ist - nicht nur tagsüber, wenn die Sonne scheint. Dabei habe sich in den ersten vier Wochen Einsatzzeit gezeigt, dass die Anlage auf dem Dach rund 75 Prozent des gesamten Energiebedarfs deckt, freuen sich Bürgermeisterin Suse Laue, die Vorstände der Genossenschaft Bürger-Energie Syke, Medard Andrae und Ralf Borchers, und deren Aufsichtsratsvorsitzender Manuel Schulenberg über den guten Start dieses Kooperationsprojekts.

Im Oktober 2019 brachten die Stadt Syke und die Genossenschaft Bürger-Energie Syke dieses Vorhaben ins Rollen (wir berichteten). Die Bürger-Energie Syke hatte dazu einen Teil der Dachfläche gepachtet und dort eine Solarstromanlage gebaut. Der Strom wird an die Stadt verkauft. Was tagsüber nicht gleich wieder verbraucht wird, speichert die neue Anlage im Keller des Rathauses automatisch in der Batterie für die Nutzung in der Nacht. "30 Kilowatt kann der Speicher in der Nacht abgeben", berichtet Buschmann über die Leistung der Anlage. Davon werden etwa vier bis fünf Kilowatt allein für den Standby-Betrieb benötigt.

Insgesamt produziert die Anlage 55- bis 60.000 Kilowattstunden pro Jahr. Genug für "rund 20 Haushalte", wie Borchers anmerkt. Selbst bei wolkenverhangenem Himmel - sogenanntem diffusen Licht - produziert die Anlage Strom, noch etwa 20 bis 30 Prozent ihrer möglichen Leistung bei vollem Sonnenschein. Ganz bewusst habe man die Module auf dem Dach deshalb in drei verschiedene Himmelsausrichtungen ausgerichtet. So kann die Sonne zu jeder Tageszeit effektiv genutzt werden. "Wenn alle Solarzellen nach Süden ausgerichtet wären, wäre die Stromproduktion am Tag zwar höher", erläutert Buschmann. Aber es gäbe auch eine deutliche Spitze am Mittag. Dadurch, dass die Anlage in drei Himmelsrichtungen ausgerichtet ist, wird gleichmäßiger Strom über den Tag hinweg produziert und die Batterie kann sich effektiver aufladen. "Das kommt dem natürlichen Energieverbrauch des Rathauses sehr entgegen", so Buschmann weiter. Selbst wenn noch Vorrichtungen für die E-Mobilität hinzukommen sollten, ist er überzeugt.

Ein Wechselrichter wandelt den Gleichstrom der Solarmodule in Wechselstrom um. Dieser geht in den Speicher und kann dann bei Bedarf abgerufen werden. Für die Anschaffung des Batteriespeichers gab es einen Zuschuss vom Land Niedersachsen. Mit etwa 40 Prozent wird diese gefördert.

Borchers macht auf einen weiteren positiven Nebeneffekt aufmerksam: Durch die Modulplatten auf dem Dach wird im Sommer ein Teil der Wärmestrahlung reflektiert. Somit bleibt es dann im Dachgeschoss des Rathauses rund drei Grad Celsius kühler. Im Winter funktioniere das Prinzip übrigens auch andersherum. Durch die Solarzellen entsteht ein Luftschacht auf dem Dach, welcher die durch Abwärme des Rathauses erhitzte Luft nicht so schnell entweichen lässt. Dadurch müsse im Sommer weniger Energie für die Klimaanlage und im Winter weniger Energie für die Heizung aufgewendet werden.

Insgesamt hat die Bürger-Energie Syke rund 100.000 Euro in diese Anlage investiert. Ihre neunte insgesamt. Es sei eine Win-win-Situation für die Genossenschaft wie für die Stadt, sind sich die Beteiligten einig. Die Stadt erhält günstigen Strom, CO2-neutral produziert. "'Ein Zeichen' für den Klimaschutz", wie Suse Laue findet. Hinzu kommt: "Es ist ein gutes Gefühl energetisch unabhängig zu sein." Für weitere Kooperationen ist man daher auf beiden Seiten offen.

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