Korbball

An Kreativität mangelt es nicht

Der Saisonstart in die Bundesliga-Nord-Saison bei den Korbballerinnen Mitte Januar scheint sehr fraglich. Doch die Trainerinnen und Trainer der Teams zeigen Kreativität mit ihren Spielerinnen.
13.12.2020, 14:55
Lesedauer: 4 Min
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Von Christine Leska-Ottensmann

Syke. Normalerweise wäre zum jetzigen Zeitpunkt bereits die Hinrunde in der Korbball-Bundesliga gelaufen. Favoritenstürze, Überraschungen, neue Talente, die die etablierten Spielerinnen ärgern wollen – all das muss aufgrund der Corona-Pandemie noch warten. Ob es tatsächlich beim Saisonstart am 17. Januar bleibt, erscheint angesichts der aktuellen Situation mehr als fraglich.

Holger Schulze, emsiger Staffelleiter der Bundesliga Nord, ist zumindest auf alles vorbereitet. So hat er für die Aufnahme des Spielbetriebs bereits ein Konzept erstellt. „Wir haben ein Grundgerüst, wie ein Spieltag corona-konform ablaufen kann“, sagt er. Einen genauen Spielplan gebe es aber noch nicht. „Die aktuelle Verordnung sieht ein Hallennutzungsverbot bis zum 10. Januar vor. Selbst wenn wir direkt danach wieder in die Sporthallen gehen dürften, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Mannschaften kurz darauf Spiele absolvieren dürfen oder wollen“, gibt Schulze zu Bedenken. Er ist im regelmäßigem Austausch mit den acht Bundesligisten. „Auf ein gemeinsames Training mit der eigenen Mannschaft freuen sich viele, aber der Gedanke an Spiele und die Fahrten lässt doch einige abschrecken“, weiß er. Zeitdruck habe die Bundesliga nicht. „Wir können auch einige Wochen später in die Saison starten. Denn das Technische Komitee hat bereits angekündigt, dass die Deutschen Meisterschaften von Mitte Mai auf Ende Juni verschoben werden sollen. Somit haben wir die Möglichkeit, die Geschehnisse abzuwarten und bei der Termingestaltung flexibel zu agieren“, erklärt Schulze.

Wenn es nach dem FC Gessel-Leerßen geht, wäre es nicht schlimm, wenn die Saison ersatzlos gestrichen werden würde. „Wir haben fünf Spielerinnen, die im medizinischen Bereich arbeiten. Es kann sich keine erlauben, in Quarantäne zu gehen. Letztlich ist Korbball nur unser Hobby, Beruf und Gesundheit gehen vor“, betont Trainerin Anja Brüning. Sie weiß, wovon sie spricht: „Mein Mann, unsere Töchter und ich hatten Anfang September Corona. Wir waren richtig krank.“ Schon lange ist die Familie zum Glück wieder gesund. „Aber noch heute habe ich Probleme mit dem Geschmacks- und Geruchssinn, Energie habe ich auch nur wenig. Nach zehn Minuten auf dem Crosstrainer bin ich kaputt“, berichtet Brüning. „Auch aufgrund dieser Erfahrungen fänden wir eine Absage der Saison nicht schlimm. Vielleicht tut eine Pause uns allen gut.“ Mit ihrer Mannschaft ist sie seit Schließung der Sporthallen Anfang November über eine App in Kontakt. „Alle Spielerinnen können ihre Trainingseinheiten wie Laufen, Radfahren oder andere Workouts in diese App eintragen. Dafür gibt es unterschiedlich viele Punkte. Die trainingsfleißigste Spielerin bekommt einen Preis. Die Spielerin mit den wenigsten Punkten muss eine Runde ausgeben“, erklärt Brüning.

Auch die anderen Bundesligisten sind fleißig. „Wir sind bis Ende Oktober voll unter Dampf gewesen. Mit dem zweiten Lockdown ist dann der Hammer richtig auf uns niedergesaust. Die Motivation war auch bei mir im Eimer“, verrät Camilla Hahn, Trainerin der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst. „Nun hat uns die Realität eingeholt. Es wäre absolut unvernünftig, jetzt Punktspiele oder Trainingseinheiten abzuhalten und ich sehe auch in naher Zukunft noch kein Licht am Horizont.“

Also mussten die Seckenhauserinnen ihre Ziele herunterschrauben. Im November setzten sie sich wochenweise Ziele, wie viele Sporteinheiten geschafft werden sollten. Für den Dezember erstellte Hahn einen tollen Adventskalender. „Täglich wartet eine Aufgabe, mal sportlich, mal kreativ. Diese muss von einer Spielerin, einem kleinen Teil oder von allen zusammen erledigt werden. Der Fokus liegt darauf, die Mädels zusammenzuhalten und dabei etwas Sport einfließen zu lassen“, betont Hahn. „Corona erfordert von uns Trainern im Mannschaftssport ein hohes Maß an Kreativität. Mal sehen, was mir im Januar so einfällt.“

Beim TuS Sudweyhe lädt Julia Hoffmann, die nach der vergangenen Saison das Amt der Co-Trainerin übernommen hat, ihr Team zweimal in der Woche zum Onlinetraining ein. „Ich habe mir im Vorfeld einige Videos angeschaut und mir Pläne gemacht. Am Anfang fand ich es komisch, die Übungen vorzumachen. Aber mittlerweile macht es total Spaß, das Feedback ist gut. Es ist auch schön zu hören und zu sehen, dass die Mädels das durchziehen und auch mal stöhnen oder leicht meckern, wenn die Übung so anstrengend ist. Dann weiß ich, dass sie sich richtig anstrengen“, lacht Hoffmann. „Besonders auffällig: Nina von Weyhe und Alina Ehlers sind ganz weit vorne, sie haben in den letzten Monaten nur eine Trainingseinheit verpasst. Viele gehen aber auch zusätzlich laufen und halten sich weiter fit“, lobt die Co-Trainerin. „Es ist wichtig, dass man ein Ziel hat. Sonst lässt die Motivation nach. Wir wollen auf jeden Fall bereit sein, wenn es wieder losgeht.“

Beim TSV Heiligenrode hat Monika Duncan das Traineramt von Dagmar Schnelle übernommen. Sie hat lange bei Werder Bremen gespielt und trainiert. „Monika bringt viel Expertise und Enthusiasmus mit. Das passt sehr gut“, freut sich Kapitän Jördis Detken auf die Zusammenarbeit. Duncan arbeitete einen Wochenplan mit Lauf- und Fitnessübungen aus, den jede Spielerin individuell umsetzt. „Wir tauschen uns dann online aus und berichten von unseren Fortschritten“, erklärt Detken. „Es macht uns auch viel Spaß, ersetzt aber natürlich nicht das Training in der Halle. Das vermissen wir sehr. Wir freuen uns, wenn wir wieder in die Halle zurückkehren und Korbball spielen können.“

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