Kreismuseum Syke Der Faszination von Dampfmaschinen erliegen

Alte Handwerke und Ingenieurskunst standen am Wochenende im Syker Kreismuseum im Mittelpunkt. Nach langer Zeit konnten die Freunde von Dampfmaschinen endlich mal wieder ihre Modelle zeigen.
24.10.2021, 17:43
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Von Jürgen Juschkat/ju

Syke. Eine preußische G 8.3, eine Lokomotive im Maßstab 1:11, stand aufgrund ihrer Größe beim Handwerker- und Dampf-Tag am Sonntag im Kreismuseum Syke im Gebäude im Blickpunkt. Doch es gaben auch andere Aussteller auf dem Freigelände Einblick in ihr an frühere Zeiten erinnerndes Hobby.

Thomas Meyer aus Bremen-Horn hat die 100 Kilogramm schwere Lok G 8.3 gebaut. In den nächsten Wochen soll noch ein Kessel geliefert werden, den er dann einbauen will. Der Koloss besteht hauptsächlich aus Stahl, doch es wurden auch Messing und Bronze verarbeitet. „Einige tausend Arbeitsstunden habe ich schon investiert – in den Jahren 2016/17“, berichtet der ehemalige Ingenieur für Nachrichten-Technik. „Es ist die Faszination und die Liebe zu Maschinen gewesen, die mich zu diesem zeitintensiven Hobby geführt hat“, sagt Meyer. Nach alten Detail-Plänen hat er die Lok mit einem Betriebsdruck von acht Bar gebaut. Der Antrieb erfolgt per Luftdruck. Das Original der Güterzug-Lokomotive mit Heißdampf-Drillingstriebwerk wurde übrigens nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt.

Der Syker Fred Bösche hatte einige Antriebsmodelle selbst gefertigt und präsentierte auch den „Beam“-Antrieb von James Watt. Große Augen bei Kindern löste ein angetriebenes Karussell aus, das beständig seine Runden drehte. Vom Hobby des Großvaters wurde längst der 15-jährige Enkel Leon Meyer infiziert. „Er ist von klein auf davon begeistert“, verrät der alte Herr. Der Syker Realschüler sagt: „Das ging relativ schnell. Die erste Maschine stand schon in meinem sechsten Lebensjahr auf dem Tisch. Damit ging es los.“

Aktuell durften nur fünf Aussteller ihre Exponate präsentierten. „Das konnten wir wegen Corona zwei Jahre lang nicht. Sonst hatten wir schon bis zu zwölf Dampf-Aussteller. Man trifft sich immer wieder, auch auf anderen Ausstellungen“, erklärt Bösche.  

Der Asendorfer Jonas Schilling brachte nur eine Dampfmaschine mit. „Es soll ein altes Meisterstück von Hanomag aus Hannover sein. Das habe ich vor einem Jahr von einem Sammlerkollegen gekauft. Den hatte ich auf einer Eystruper Veranstaltung angesprochen, weil ich schon immer so etwas haben wollte. Ich bin in einer Eisenbahn-Familie groß geworden“, berichtet er. „Es fehlt noch ein Gerät, das angetrieben werden soll“, fügt er an.

Bei Vorbesitzer Roland Köhr stand mit fünf Exemplaren nur eine kleine Auswahl seiner rund 28 Modelle auf dem Tisch. „Mit Kohle befeuerte Maschinen kann man nur draußen einsetzen“, sagt der Mann, der sich schon seit der Kindheit mit dem Modellbau befasst. Zunächst mit Flugzeugen und Schiffen, doch dann wurde die IG Leman-Senf in Eystrup gegründet und die Ausrichtung verändert. Alle historischen Modell wurden von ihm restauriert.

„Das ist eine englische Stuart“, erklärt derweil Peter Isselmann aus Bremen-Huchting einem Besucher und hat gleich mehrere interessante Geschichten und Detail-Informationen parat: „Die vier Bar entwickeln 0,4 PS. Das hier ist ein Regelventil. Für die eine Maschine aus England habe ich 550 Pfund bezahlt. Einige kleinere Modelle stammen aus den 1930er- und 1940er-Jahren.“

Wer das Museums-Gelände nach seiner Impfkontrolle betrat, landete zunächst jedoch schnell bei den Handwerkern, die an diesem Tag auch wieder aktiv werden konnten. Johann Kröger aus Oldendorf im Kreis Stade, der einer Handwerkergemeinschaft angehört, gab zum Beispiel einen Einblick in die Besenbinderei. „Ich verwerte Birken-Reisig, die Stiele sind aus dem Holz der Haselnuss, für die Wanderstöcke habe ich verschiedene Holzsorten genutzt. Nur Eiche und Buche sind zu hart." Johann Viebrock aus Ohrel hatte unter anderem Heuharken im Angebot, aber auch Nistkästen. Schwiegersohn Jens Martens war für die Seilerei zuständig. „Da können Kinder sehen, was aus einem Band wird, wenn es gedreht wird“, sagt er. Etwas abseits war Jutta Radeke aus Emtinghausen dabei, Brot zu backen. „So 120 Stück in zwei Durchgängen sollen es schon werden“, berichtet sie. Daniel Bialetzki heizte derweil noch einen anderen Ofen an. „Damit die Feuchtigkeit raus geht“, nennt er den Grund.

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