Kreismuseum Syke

Man kann die Späne förmlich riechen

Sie sind schwarz-weiß, aber sie sind nicht historisch, die Fotos von Fritz Kohnert, die noch bis zum 20. Juni im Kreismuseum Syke hängen. Wer sie anschaut, kann den Duft von Sägespänen förmlich riechen.
30.04.2021, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Man kann die Späne förmlich riechen
Von Micha Bustian
Man kann die Späne förmlich riechen

Gutes Auge für die Situation: Über vier Jahre hat Fritz Kohnert immer wieder im Sägewerk Bösselmann fotografiert. Die Ergebnisse sind nun im Syker Kreismuseum zu bestaunen.

TAMMO ERNST

Syke. Unübersehbar. Es gibt wohl kein anderes Wort für das Foto, das zurzeit die Kopfseite des Sonderausstellungsraums im Syker Kreismuseum ziert. Ein älterer Herr schiebt eine Karre, der Hintergrund lässt Fragen offen. Klar ist aber: Hier geht es um Handwerk. Um Holz. Um das Sägewerk Bösselmann in Neubruchhausen. Trotz der Schwarz-weiß-Optik sind es keine historischen Bilder. Fritz Kohnert aus Hallstedt hat sie von 2017 bis 2021 fotografiert. Ab sofort und bis zum 20. Juni haben sie ihren Platz im Kreismuseum, Herrlichkeit 65 in Syke.

Das riesige Foto an der Kopfseite des Sonderausstellungsraums ist auch das Lieblingsstück des Hobby-Fotografen. „Es hat so eine Dynamik“, findet Fritz Kohnert. „Und das Licht ist einfach traumhaft.“ Der 71-Jährige hat bereits Mitte der 1960er-Jahre mit dem Fotografieren begonnen. Er startete mit schwarz-weißen Kleinbildern und ging dann zur Dia-Fotografie über. Anfang der 70er-Jahre gönnte sich der Sozialpädagoge ein eigenes Schwarz-weiß-Labor, um diese Zeit legte er sich auch eine Spiegelreflexkamera zu. Verschiedene Fotokurse, unter anderem bei der Volkshochschule, festigten Kohnerts Begeisterung für die Fotografie. Die Folge: 2005 kaufte er eine digitale Spiegelreflexkamera. Seither stellt er regelmäßig aus - im Kunsthaus Jesteburg, in einer Arztpraxis in Bruchhausen-Vilsen und bei der Holperdorfer Hofausstellung. Auch im Kreismuseum war er bereit zweimal zu Gast, einmal gemeinsam mit seiner Ehefrau Heidrun.

2015 schloss sich Fritz Kohnert den Bassumer Fotofreunden an. Zwei Jahre später stellte er in diesem Zuge in der Volksbank der Lindenstadt aus, unter anderem die ersten Fotos vom Sägewerk Bösselmann. Inzwischen ist die Auswahl für dieses Thema deutlich größer geworden. Etwa 60 Motive hat der gelernte Elektromechaniker herausgesucht, liebevoll auf Multiplex-Platten gezogen, denn „die verziehen sich nicht“. Jedes Bild ist beschriftet, auf kleinen Kärtchen steht, was auf dem dazu gehörenden Werk zu sehen ist.

Und was gibt es nun zu sehen? Die östliche Giebelseite beispielsweise - mit einem Bagger aus den 1970er-Jahren. Dazu die Rückansicht mit dem Originalbau von Gründer Hermann Müller. Und Schienen, auf denen mit Transportwagen die Stämme neben die Säge gerollt werden. Handwerkliche Fachbegriffe wie Spänebunker, Spanklauen, automatischer Vorschub und Vollgattersäge sind Bestandteil der Erklärungen. Und natürlich sind Alwin Bodenstab und Wilfried Bösselmann in Aktion zu bewundern. Wer diese Fotos sieht, der hat automatisch den Geruch von Sägespänen in der Nase.

Museumsleiter Ralf Vogeding hat auch eine persönliche Bindung zu dieser Ausstellung. Zum einen, weil das Kreismuseum alle Sägearbeiten, die es mit den eigenen Gerätschaften nicht bewerkstelligen kann, bei Bösselmann in Neubruchhausen machen lässt. „Da kriegt man die Sachen genau so, wie man sie braucht.“ Und zum anderen, weil sich Vogeding und der gebürtige Wilhelmshavener Kohnert schon seit Jahren kennen. Nicht nur von den drei Ausstellungen, die der Hallstedter schon im Kreismuseum aufgehängt hat.

Ralf Vogeding findet, dass Fritz Kohnerts Bilder etwas Privates haben, „da kommt die Atmosphäre rüber“. Insgesamt seien die Werke - obgleich aktuell - „aus der Zeit gefallen“. Wem's gefällt, der kann die Bilder auch käuflich erwerben. Nicht direkt im Kreismuseum, wo sie bis zum 20. Juni noch hängen, sondern beim Künstler höchstselbst. Bei Interesse reicht eine E-Mail an fkohnert@t-online.de.

Info

Zur Sache

Müller, Bösselmann, Bodenstab

Das heutige Sägewerk Bösselmann hieß nicht immer Sägewerk Bösselmann. Aufgebaut wurde es von Hermann Müller aus Neubruchhausen. Im Katalog zur Ausstellung „Das Sägewerk Bösselmann in Neubruchhausen“ im Syker Kreismuseum wird als Gründungsdatum der Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert genannt. Hermann Müllers Sohn Heinrich, geboren 1912, übernahm den Betrieb nach dem Tod seines Vaters in den 1940er-Jahren. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren verwaltete ein Herr Bothe, „Heinzi“ Müllers Schwager, den Betrieb vom Café Waldesruh aus. 1970 pachtete ein Onkel von Wilfried Bösselmann aus Affinghausen die „Sägerei Müller“ für zwei Jahre. Dann kaufte Bösselmann das Sägewerk in Neubruchhausen und betrieb es nun in Eigenregie. 1973 stellte er den zehn Jahre jüngeren Alwin Bodenstab ein. Der wiederum kaufte das Sägewerk 2003. Alwin Bodenstab und Wilfried Bösselmann arbeiten dort bis heute zusammen - diesmal allerdings, ohne den Namen zu ändern.

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