Kreismuseum Syke Gartenvortrag zur Geschichte der Arts and Crafts Bewegung

Über die Arts and Crafts-Bewegung im England des 19. Jahrhunderts, die Kunst und Handwerk miteinander verband, referierte Michael Ruhnau am Freitagabend im Kreismuseum Syke.
31.10.2021, 15:41
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Von Dagmar Voss

Syke. Auf reges Interesse stieß der Vortrag, den die Arbeitsgemeinschaft Gartenkunst und Gartenkultur für Freitagabend im Kreismuseum organisiert hatte. Es ging um die Arts and Crafts-Bewegung im England des 19. Jahrhunderts, die Kunst und Handwerk miteinander verband. Mehr über Geschichte und Hintergründe, über Beispiele und Gartenreisen dorthin erfuhren die Zuhörer bei dem Vortrag des Diplom-Biologen Michael Ruhnau. In den zwei Stunden präsentierte er beispielhaft Fotos von rund einem Dutzend Herrenhäuser, die er und Mitfahrende auf dessen vergangener Reise aufgenommen hatten. Gebäude und große Grundstücke, die mit ihren planvollen Parkanlagen wieder beste Beispiele für die britische Bewegung darstellen.

Das war in den Jahren seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohl nicht durchgehend so. Zwischendrin hatten nicht alle Besitzer Kraft und Muße, um den einstigen Plänen gerecht zu werden. 1861 entstanden, galt diese Bewegung als Opposition zu der sich rasch entwickelnden Industrialisierung und deren Massenprodukten. Kunstgewerbe und Innenarchitektur sollten ästhetisch gestaltet werden. Das war die Idee von Künstlern, Architekten und Kunsthandwerkern. Hervorgerufen vom Universalgenie William Morris und einigen anderen, die anfänglich der Romantik der Präraffaelitien angehörten. Das Beispiel dazu war das Red House in Englands Süden, das das Ehepaar Morris sich von Philip Webb bauen ließ, innenarchitektonisch dabei auf Mobiliar aus der Region zurückgriff.

In seinen Ausführungen wurde den Gästen des Vortrags klar, wie sehr beispielsweise das Prinzip auch auf dem Festland – so bemerkbar im Jugendstil – angekommen war und beliebter wurde. Vor allem in den Gärten spiegelte sich ein ganz neuer Stil, der zwar auch noch eine Struktur vorgab, aber dann durch eigenwillige Staudenrabatten unsichtbar wird. Ruhnau berichtete: „Im Zentrum der beschriebenen Gartenreise stand das Thema, das für die englische Kunst- und Designgeschichte von besonderer Bedeutung ist.“ Bis etwa 1920 habe diese Bewegung gedauert, die wie kaum eine andere Einfluss auf Architektur, Produktdesign und die Gestaltung von Gärten genommen habe.

Dabei sei insbesondere in der malerischen Landschaft der Cotswolds, Hügel, die im östlichen Mittelengland liegen, die Blüte von Arts und Crafts erlebbar. Es seien „zauberhafte Gärten mit einer zwanglosen Bepflanzung innerhalb eines straffen Rahmens aus Hecken und Mauern entstanden, die mit ihrer Formensprache bis heute prägend geblieben sind.“ So erfuhren die Zuhörer von der damals wichtigen Gartenarchitektin Gertrud Jekyll, die sich nach einem Berufsleben als Kunsthandwerkerin mit 50 Jahren noch als Gartengestalterin einen Namen machte. Sie habe die damals übliche Mode der Teppichbeete abgelehnt, Beete, in denen einjährige Pflanzen zu akkuraten Mustern angeordnet sind. Sie stand für natürlich wirkende Pflanzungen unter Verwendung von Stauden, die häufig eher monochrom oder auch nicht ganz zueinander passend gehalten wurden. Ihre Entwürfe wurden für viele Gartengestalter zum Vorbild, sie soll 500 Gartenentwürfe gezeichnet haben. Während dieses Vortrags zog die ganze Zeit schon ein anregender Duft durch die Museumsdiele – Vorboten dafür, dass sich die Besucher anschließend also noch an einem leckeren selbst hergestellten Mahl der Organisatoren stärken konnten.

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