Landkreis Diepholz

Küche des DRK-Seniorenheims Barrien erhält EU-Zertifikat

Syke-Barrien. Eigentlich ist es die perfekte Frühstückszeit. Kurz vor zehn, da dürfen es gern noch ein Kaffee und ein genüsslicher Biss ins Brötchen sein. Nicht so in der Großküche des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Barrien. Dort wird bereits in Windeseile das Mittagessen zubereitet.
08.05.2010, 00:54
Lesedauer: 3 Min
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Küche des DRK-Seniorenheims Barrien erhält EU-Zertifikat
Von Malte Bürger

Syke-Barrien. Eigentlich ist es die perfekte Frühstückszeit. Kurz vor zehn, da dürfen es gern noch ein Kaffee und ein genüsslicher Biss ins Brötchen sein. Nicht so in der Großküche des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Barrien. Dort wird bereits in Windeseile das Mittagessen zubereitet, das wenig später nicht nur im benachbarten Seniorenheim die Bewohner beglücken soll, sondern auch in den Kindergärten der Umgebung und für Essen auf Rädern auf die Teller wandert. Und dass in Barrien besonders gute und saubere Arbeit abgeliefert wird, belegt seit kurzer Zeit auch ein EU-Zertifikat, dass die Küche als erste im Landkreis Diepholz überreicht bekommen hat.

Es weht ein Duft von Hackbraten und Kartoffeln durch die Luft, doch die fleißigen Küchenkräfte haben keine Zeit, um die Gerüche ausgiebig zu genießen. Sie wuseln durch die Gänge, klauben aus den Schränken eifrig Geschirr zusammen, um das Mittagsmenü möglichst schnell auf die Reise zu schicken - und warm natürlich. 'Wir haben den Ehrgeiz, unser Essen jeden Tag warm und auf Porzellantellern auszuliefern', erklärt der Einrichtungsleiter Klaus Richter. 'Aluschalen gibt es bei uns jedenfalls nicht.' Schließlich habe Essen gerade im Alter auch etwas mit Lebensqualität zu tun.

Wie auf Kommando stellen sich Beate Meins und Bernd Strege in diesem Moment die ersten Teller zurecht, um sie jeweils mit ein Paar Kartoffeln, einer Scheibe Hackbraten sowie der nicht zu vergessenen Sauce zu bestücken. Jeder Handgriff sitzt, zum Teil gibt es auch eine klare Ansage, lautstarkes Gebrüll - wie es in einigen Fernsehsendungen vorgegaukelt wird - gibt es in Barrien jedoch nicht. 'Hier schreit keiner herum', betont Beate Meins und fügt mit einem Augenzwinkern an: 'Und wenn doch, dann nur nach Hilfe.'

Im vergangenen Jahr waren die Verantwortlichen in Barrien durch eine Fachzeitschrift auf das EU-Zertifikat aufmerksam geworden und bewarben sich um die Auszeichnung. Im Januar statteten dann Mitarbeiter des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit aus Oldenburg sowie des Kreisamtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz der Zentralküche einen Besuch ab. 'Und die haben bei ihrer Begehung ganz genau hingeschaut, vier Stunden waren die insgesamt hier', berichtet Küchenchef Peter Röpe. Zwar gab es die üblichen, kleineren Beanstandungen - unter anderem wurde die Haltbarkeit eines Dübels moniert - dennoch stand der Verleihung des Zertifikats letztlich nichts im Wege. 'Alle Mitarbeiter sind mächtig stolz, denn es war schon eine Menge Arbeit im Vorfeld nötig', erzählt Klaus Richter.

Rund 450 Essen gilt es Tag für Tag herzustellen. Neben den Barrier Heimbewohnern lässt es sich auch der Nachwuchs in den Kindergärten in Syke, Barrien und Kirchweyhe sowie die Belegschaft der DRK-Seniorenheime in Bruchhausen-Vilsen, Barrien und Syke schmecken. Und natürlich die zahlreichen Kunden von Essen auf Rädern. 'Und in allen Fällen garantieren wir bis 13 Uhr eine Auslieferungstemperatur von mindestens 65 Grad', erläutert Röpe.

Garantie ist gut, aber Kontrolle ist natürlich besser. Deshalb wird jeder Fuhre, die die Zentrale verlässt, eine spezielle Chipkarte beigelegt. Diese registriert in mehrminütigen Intervallen ganz genau die aktuelle Temperatur der Lieferung, später wird dann am Computer die elektronische Speicherkarte ausgewertet. 'Es kamen einmal Beschwerden aus einem Seniorenheim, dass unser Essen immer kalt komme', erinnert sich Richter. 'Aber dank der Karte konnten wir nachweisen, dass der Fehler nicht bei uns lag, sondern stattdessen im Heim vergessen wurde, die Wärmebehälter am Strom anzuschließen.'

Die Vorlieben der Kunden sind derweil nicht immer zu ergründen. Zwar seien Hähnchenkeulen der absolute Renner, andere Dinge kämen dagegen weniger gut an. 'Wir haben mal eine italienische Woche gemacht, die haben wir wegen der Proteste gleich wieder abgebrochen', erinnert sich Richter. 'Aus der Minestrone ist am nächsten Tag ganz schnell eine Gemüsesuppe geworden und alles war wieder gut.'

Mittlerweile ist es 10.45 Uhr, einige der Küchenakrobaten stehen bereits seit fünf Stunden am Herd oder Schneidebrett, um die Leckereien vom Salat bis zum Nachtisch vorzubereiten. Entspannung? Fehlanzeige! Zwar sind die meisten Teller befüllt und verpackt, doch die müssen auch noch auf die Reise geschickt werden. Und genau jetzt kommen Fahrer wie beispielsweise Werner Borchers ins Spiel. Sie nehmen die rollenden Transportschränke in Empfang, die ihnen die Küchenkräfte mit sicherer Hand, aber dennoch zügigem Tempo entgegenschieben. Wie beim Staffellauf erfolgt die Übergabe fließend, Werner Borchers packt einen der Behälter und verstaut ihn transportsicher in seinem kleinen Lieferwagen. 'Ach, so geht das nicht', raunt er verschmitzt. 'Da muss doch erst noch was anderes rein'.

Also Kommando zurück, der Rollwagen muss erstmal wieder raus. Wenige Sekunden später ist das fehlende Puzzlestück dann da, die letzten Leckereien wandern an ihren Platz. Und schon schwingt sich Werner Borchers ans Steuer, damit die Mahlzeiten tatsächlich pünktlich und warm ihr anvisiertes Ziel erreichen. Alles im verkehrslegalen Rahmen versteht sich. 'Mit Blitzern haben wir jedenfalls noch keine Probleme gehabt', meint Peter Röpe lachend.

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