Stuhr-Moordeich Kühe würden Mindermann wählen

Stuhr. Kühe melken, Mais häckseln und Zäune reparieren gehört für gewöhnlich nicht zu den Aufgaben eines Politikers. Der Landtagsabgeordnete Frank Mindermann (CDU) wollte trotzdem oder gerade darum wissen, was ein Landwirt alles zu tun hat.
04.09.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Claudia Gilbers

Stuhr. Kühe melken, Mais häckseln und Zäune reparieren gehört für gewöhnlich nicht zu den Aufgaben eines Politikers. Der Landtagsabgeordnete Frank Mindermann (CDU) wollte trotzdem oder gerade darum wissen, was ein Landwirt alles zu tun hat.

Einen Tag hat er deshalb ein Praktikum auf dem Hof von Lars Nordbruch in Moordeich absolviert. Dabei entdeckte Mindermann nicht nur seine positive Wirkung auf Kühe, der Landwirte attestierte ihm sogar ein gewisses Talent fürs Treckerfahren.

Dass Politiker einen Betrieb besichtigen, ist ja nichts Ungewöhnliches, dass sie dabei auch gleich mitanpacken dagegen schon. So einfach wollte es sich Frank Mindermann bei der Umsetzung des diesjährigen Schwerpunktthemas der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag 'Ländlicher Raum - Netzwerk ohne Grenzen' aber offensichtlich nicht machen. Unter dem Motto 'Politik auf dem Bauernhof - die CDU packt an' wollte er gleich einen ganzen Tag lang mitarbeiten, um die Arbeit eines Landwirtes besser kennenzulernen.

Schließlich lagen die letzten Erfahrungen des Politikers vom Leben und Arbeiten auf einem Bauernhof schon geraume Zeit zurück. 'Als Acht- oder Neunjähriger habe ich mal eine Woche Urlaub auf dem Bauernhof gemacht. Dadurch sind mir zumindest die Gerüche bekannt', sagte Mindermann, der es für wichtig hält, dass Kinder wissen, was sich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb abspielt: 'Dann wissen sie auch, wo die Milch herkommt.' Der Politiker will sich deshalb auch dafür einsetzen, dass bei Schulklassen auch mal ein Besuch auf dem Bauernhof auf dem Stundenplan steht.

Doch zurück zum Praktikum: Einen entsprechenden Platz fand der Abgeordnete bei Lars Nordbruch, der einen Milchviehbetrieb mit rund 100 Kühen betreibt. 'Ich habe gleich ja gesagt', erinnerte sich Nordbruch an die Anfrage. Beide sind alte Bekannte, schließlich sitzen sie zusammen für die CDU im Stuhrer Gemeinderat.

Vorschusslorbeeren gab es deshalb für Mindermann trotzdem nicht. Bereits für 5.45 Uhr wurde er auf den Hof bestellt - dann fängt der Tag des Landwirts an. 'Es sollte ja realitätsnah sein', sagte Nordbruch. Für Mindermann war der frühe Start durchaus gewöhnungsbedürftig. 'Meine Zeit ist ja sonst eine ganz andere', gab er zu, war aber natürlich trotzdem pünktlich und bekleidet mit Jeans, Kapuzenpullover und stabilen Schuhen auf dem Hof.

Dort wurde Mindermann schon von Lars Nordbruch und seiner Auszubildenden Rena Ohrdes erwartet, die ihn direkt zum Kühe melken mit in den Stall nahmen. Und dann ging es gleich los mit der praktischen Erfahrung, denn der Abgeordnete durfte auch selbst Hand anlegen. 'Ich habe das erste Mal selbst gemolken', verkündete Mindermann später stolz und berichtete von seinen Erfolgen: 'Es kam sofort Milch, ich habe wohl einen Griff dafür.' Auch Nordbruch war mit seinem Praktikanten zufrieden. 'Perfekt', kommentierte er, erklärte aber auch, dass der Großteil des Melkens heutzutage von einer Maschine übernommen wird. Jeweils 16 Kühe können damit gleichzeitig gemolken werden. Allerdings kann der Landwirt auch nicht einfach so daneben stehen und zuschauen, er muss die Kühe anmelken, an die Maschine anschließen und für den reibungslosen Ablauf sorgen. Und das kann laut Nordbruch auch ganz schön anstrengend sein.

Während des rund eineinhalbstündigen Melkens - das alle zwölf Stunden ansteht - entdeckte Mindermann, dass die Kühe ihm offensichtlich wohlgesonnen sind. Dabei hatte er doch vorher erfahren, dass die Tiere durchaus skeptisch auf Veränderungen und Fremde reagieren können - nicht so jedoch bei ihm. ' Anscheinend habe ich eine gute Aura', vermutete der Landtagsabgeordnete. Nordbruch war ebenfalls zufrieden: 'Das lief relaxt ab.' Mindermann hegte auch keine Zweifel daran, dass die Kühe auch sonst ein zufriedenes Dasein fristen. 'Ich habe gemerkt, dass das glückliche Kühe sind', zeigte er sich überzeugt.

Noch dem Melken stand erstmal eine Frühstückspause an, danach konnte Mindermann sich den Fuhrpark des Landwirts genauer anschauen - darunter Futtermischwagen, Teleskoplader und Trecker. Letzteren durfte der Praktikant selbst ausprobieren. Dabei stellte er sich sehr geschickt an. 'Das war sogar richtig gut', lobte ihn Nordbruch. Keine Frage also, dass der Politiker auch keine Probleme damit hatte, mit der Häckselmaschine hinter dem Trecker gute Arbeit zu erledigen. 'Das ist wie Rasenmähen und macht richtig Spaß', freute er sich. 'Aber nicht bei einem ganzen Feld', entgegnete Nordbruch trocken und nahm seinen Praktikanten mit zu seiner nächsten Herausforderung: einen Zaun reparieren. 'Und sonst noch?', fragte Mindermann. 'Das reicht, das dauert drei bis vier Stunden', war die ernüchternde Antwort von Nordbruch, der sich den Politiker aber offensichtlich schon als Landwirt vorstellen kann. 'Also, wenn du mal nicht wiedergewählt wirst...', scherzte er. Und weiter ging es zu den Zäunen.

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