Kulturprogrammplanung Flexibilität ist gefordert

Die Kulturprogrammplanung in Zeiten von Corona gestaltet sich schwierig. Sykes Kulturbeauftragte Kathrin Wilken hielt im Kulturausschuss der Stadt Rückblick auf ein herausforderndes Jahr
19.02.2021, 15:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing

Syke. „Die Corona-Pandemie hat gerade den Kulturbereich erheblich durcheinander gebracht.“ Mit diesen Worten fasste Ralf Eggers den Bericht von Kathrin Wilken noch einmal kurz zusammen. Die Kulturfachfrau der Stadt Syke hatte im Zuge der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses das kulturelle Geschehen für die Ausschussmitglieder zusammengefasst. Wie zu erwarten standen die Einschränkungen und Herausforderungen durch die Corona-Pandemie dabei im Zentrum.

107 kulturelle Veranstaltungen waren 2020 in Syke geplant gewesen, fünf mehr noch als im Vorjahr, bemühte Kathrin Wilken eingangs die Statistik. „Losgelegt haben wir noch mit einem Riesenerfolg“, erinnerte Kathrin Wilken an die ausverkaufte Vorstellung des Ohnsorg-Theaters mit Heidi Mahlers Abschiedsauftritt und die gut besuchte Vorstellung von „Tod eines Handlungsreisenden“ mit Helmut Zierl. Weitere vier Veranstaltungen, die gut besucht waren, folgten im Januar und Februar noch. Doch dann: „Ab März wurde alles anders.“

Die ersten Absagen trafen ein, Auftritte wurden verschoben. „Damals haben wir die noch optimistisch in den Herbst verlegt“, erinnerte Wilken an die Anfangszeit der Pandemie. Während auf der Bühne des Syker Theaters dann zunächst Stille herrschte, sei im Hintergrund jedoch reichlich zu tun gewesen, so Sykes Kulturbeauftragte. In Abstimmung mit den einzelnen Anbietern und Agenturen galt es, Veranstaltungen neu zu koordinieren, die Rückerstattung von bereits gekauften Karten abzuwickeln und in Kooperation mit dem Gesundheitsamt des Landkreises ein Abstands- und Hygienekonzept für die Wiedereröffnung des Theaters zu erstellen. Dafür wurde zudem der Kartenverkauf „relativ schnell“ auf Reservierung umgestellt.

Während des Sommers sei eine Schwerpunktverschiebung im Theater Syke festzustellen gewesen, führte Kathrin Wilken weiter aus. Statt Theateraufführungen und Konzerte wurde der Raum wegen seiner Größe und der damit verbundenen Möglichkeit, Abstände besser einzuhalten als Versammlungsraum genutzt, für Sitzungen, Konferenzen und Arbeitstreffen. Auch die Seniorenveranstaltungen, die sonst im Ratssaal stattfanden, rückten ins Theater und aufgrund des größeren Platzangebots fand auch eine Kooperation mit dem Gleis 1 statt.

Im Sommer wurde zudem umgebaut im Theater. Sitzreihen wurden entnommen, um Abstände einhalten zu können, ein Einbahnstraßensystem eingeführt, der Catering-Bereich und die Garderobe geschlossen, um Schlangenbildung zu vermeiden. So habe man in September mit dem Auftritt von Carmela de Feo als Gast des Gleis 1 zwar einen "großartigen Auftakt" feiern können, doch "das Erlebnis ist ein anderes", sei die Resonanz vieler Besucher gewesen, berichtete Kathrin Wilken weiter. Ohne ein Glas Sekt und ein Pläuschchen nur auf Abstand habe vielen etwas gefehlt. Das schlug sich auch bei den Zahlen nieder. Im Herbst war die Zurückhaltung bei den Gästen deutlich spürbar. "Da hätten wir uns mehr Zulauf gewünscht“, sagte Kathrin Wilken. Zumal seit Anfang November die Türen wieder komplett verschlossen sind. Das nennt Kathrin Wilken vor allem beim Blick auf das beliebte Kindertheater "tragisch". "Wir wollen daher versuchen, das Kindertheater im Frühjahr als Open-Air-Veranstaltung anzubieten", stellt sie in Aussicht.

Inwieweit das möglich sein wird, ist aber noch unklar, macht Wilken deutlich. Diese Unsicherheit und Unwägbarkeit mache auch eine weitere Planung des Programms schwierig. So sollen verschobene Termine soweit wie möglich nachgeholt werden und es gebe viele interessante neue Angebote, die geprüft werden müssen. Doch ohne eine klare Marschroute sei das knifflig. Die Planungen konzentrieren sich daher momentan auf Veranstaltungen im Freien, bei denen auf Erfahrungen aus 2020 zurückgegriffen werden kann. So soll das Gartenkulturmusikfestival stattfinden, zumal Syke die Eröffnungsveranstaltung am Hohen Berg für den 30. Juni plant. Auch eine „wandervolle Nacht“ ist ins Auge gefasst, dazu kleinere Konzertangebote im Freien, die sich speziell an Senioren richten.

Für dieses Engagement und die Flexibilität des Syker Kulturteams gab es Dank seitens der Ausschussmitglieder. Isabell Jagst unterstrich: „Kultur ist wichtig, sowieso und immer, aber auch gerade in dieser Zeit, da sonst zu befürchten steht, dass die Menschen vereinsamen.“

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