Skulpturenpark am Vorwerk

Begehbarer Garten voller Kunst

Für seinen Kulturpreis 2021 schaut sich der entsprechende Beirat des Landkreises Diepholz dieses Jahr Skulpturenparks an. Der in Syke existiert seit 2003 und war nun Ziel für eine Begehung des Gremiums.
02.05.2021, 15:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Dorit Schlemermeyer
Begehbarer Garten voller Kunst

Hat sich im Syker Skulpturenpark beim Vorwerk genau umgeschaut: Der Kulturbeirat des Landkreises Diepholz will sich in diesem Jahr dem Thema "Kunstobjekte im öffentlichen Raum" widmen.

TAMMO ERNST

Seit 2003 entsteht in beiden Gartenbereichen des Syker Vorwerks ein Skulpturenpark. In den vergangenen Jahren eher Kulisse und Bühnenbild bei Konzerten und Aufführungen oder Arbeitsstätte für Bildhauer, rückt er 2021 in das besondere Blickfeld des Kulturbeirats des Landkreises Diepholz - dem Entscheidungsgremium zur Vergabe des Kulturpreises. Denn 2021 will sich der Kulturbeirat unter anderem dem Thema „Kunstobjekte im öffentlichen Raum“ widmen. Der Skulpturenpark könnte also als möglicher Preisträger infrage kommen, sodass die Mitglieder sich jüngst entschieden, sich den Park mal genauer anzuschauen.

Empfangen wurden die Mitglieder des Kulturbeirats von der Kuratorin und Leiterin des Zentrums für zeitgenössische Kunst Nicole Giese-Kroner, die den Rundgang im hinteren Teil des Gartens am ersten „Wegzeichen“ mit dem Titel „Park“ von Rita Bieler begann. Das Kunstwerk besteht aus Terrakotta. Giese-Kroner erläuterte, dass die Künstlerin das Naturmaterial verwendet habe, um den Bezug von Kunst und Natur herzustellen. Die rote Farbe korreliere mit der Backsteinfassade des Gebäudes. Entstanden sind die „Wegzeichen“ vor zehn Jahren während des Bildhauersymposiums anlässlich der ersten „Straße der Kunst“ im Landkreis Diepholz.

Das nächste Anschauungsobjekt war der imposante „Blatt Geist Totem“ des nigerianischen Künstlers Emmanuel Eni. Das fünf Meter hohe Totem symbolisiere einerseits die Herkunft des Künstlers, andererseits habe Eni aber auch die Eindrücke mit eingebunden, die er in Syke gesammelt habe. Auch er verwendete Naturmaterialien - so besteht das Objekt aus dem Stamm einer Douglasie. Darüber hinaus hat Eni Terrakotta verarbeitet, ebenso Keramik und Spiegelscherben. „Natur und Mensch werden in den grafischen Elementen der Masken und Blätter gegenübergestellt“, heißt es dazu im Flyer. Die Kuratorin bezeichnete das Totem als sehr „männliches Werk“, zudem stellten der Strahlenkranz und die Antenne die spirituelle und geistige Komponente dar.

Ebenfalls aus Douglasie und ebenfalls 2011 entstanden ist das wohl charakteristischste Kunstwerk des Parks: der Amtmann von Detlef Fritz Voges. Auch er und Eni schufen ihre Werke im Zuge der „Straße der Kunst“. „Der Amtmann ist eine Reminiszenz an die früheren Bewohner, die Amtmänner, die ihren Sitz im Vorwerk hatten", erklärte Nicole Giese-Kroner. Und so sieht der Betrachter einen Mann im gesetzten Alter mit grauem Haar, elegant mit Zylinder und in Schwarz gekleidet, der halb skeptisch, halb amüsiert auf sein ehemaliges Refugium blickt.

Die spannende Vielseitigkeit des Parks findet ebenfalls Ausdruck im Werk von Rupprecht Matthies. Es trägt den Titel „Goyo“. Das Wort stammt aus dem Koreanischen und bedeutet Ruhe und Stille im kontemplativen Sinne. „Also wunderbar passend für einen Park“, fand Nicole Giese-Kroner und erläuterte, dass das koreanische Alphabet „Hangeul“ eine Buchstabenschrift sei, die für die koreanische Sprache verwendet werde und von einem König entwickelt worden sei, der damit die Konversation zu seinem Volk vereinfachen wollte, das größtenteils aus Analphabeten bestanden habe.

Natürlich durfte bei der Begehung des Beirates auch nicht die Bodenarbeit „Zum größten gemeinsamen Nenner“ von der Künstlerin Rana Matloub fehlen. Sie hatte das Element erst im Kleinen gestaltet und bekam dann die Idee für diese Bodenarbeit, die durch ihre Offenheit Raum für die Unendlichkeit lasse. Die Künstlerin habe den ikonografischen Ursprung des Sternenmotives aus dem abendländischen Formenschatz mit der Form des Kreuzes verknüpft.

Ob der Skulpturenpark in Syke zum größten gemeinsamen Nenner für den Kulturpreis 2021 wird, darf mit Spannung erwartet werden, denn das Gremium wird sich nun auch noch weitere Skulpturenparks auf Vorschlag von Thomas Stahl, der seitens des Landkreises das Gremium begleitete, ansehen. Ganz nebenbei übrigens erfuhren die Besucher auch noch, dass das Vorwerk bis vor Kurzen in einem der Außengebäude eine Fledermauskolonie beherbergt hatte. „Wir hoffen, dass sie im nächsten Jahr zurückkehrt“, sagte Giese-Kroner.

Info

Zur Sache

Kulturpreis des Landkreises Diepholz

Seit 1989 verleiht der Landkreis Diepholz jährlich den Kulturpreis, mit dem künstlerische und kulturelle Aktivitäten, die in einer Beziehung zum Landkreis stehen, ausgezeichnet werden. Es gibt die Sparten Kunst/Kultur allgemein, Literatur, Musik, bildende Kunst, Film/Fernsehen, Design/Fotografie/Kunsthandwerk, Architektur/Denkmalpflege, Darstellende Kunst, Publizistik, Sonstiges. Er ist mit 5000 Euro dotiert und zusätzlich zum Preisgeld erhält der Preisträger eine Verleihungsurkunde. Darüber hinaus wird zur Würdigung des Preisträgers eine Broschüre veröffentlicht und es wird die Möglichkeit gegeben, die Kunstwerke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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