Kunsthandwerker-Stübchen

Ein Stübchen für alle

Eine Alternative, wie auch in Corona-Zeiten Kunsthandwerk zu präsentieren ist, hat die Stadt Syke jetzt eröffnet. An der Schloßweide 1 stellt sie Kunsthandwerkern bis zum 30. Dezember Räume zur Verfügung.
04.12.2020, 16:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing

Syke. Auf die weihnachtlichen Kulturtage muss Syke in diesem Jahr verzichten. Doch „so ganz ohne Kunsthandwerk wollten wir auch nicht“, sagt Bürgermeisterin Suse Laue. Deshalb hat die Stadt sich eine Alternative überlegt, wie das auch in Corona-Zeiten zu den Bürgern kommen kann: das Kunsthandwerk-Stübchen an der Schloßweide 1. Bis Mittwoch, 30. Dezember, hat die Stadt die Räumlichkeiten angemietet. Sie stellt sie interessierten Kunsthandwerkern zur Verfügung, die dort nun unter einem Dach ihre Werke präsentieren und verkaufen können. „Alle sind eingeladen, hier nach Weihnachtsgeschenken zu stöbern oder sich selbst zu beschenken“, so Laue.

Insgesamt elf Kunsthandwerker stellen im Stübchen aus. Fünf von ihnen bleiben für die gesamten vier Wochen, die restlichen wechseln sich im Wochentakt ab. „Die verfügbaren Zeiten haben wir vorher abgefragt“, berichtet Ilsemarie Hische von der Stadtverwaltung, die diese Aktion organisiert hat. Die Kunsthandwerker waren angeschrieben worden, ob sie zum einen überhaupt Interesse haben, daran teilzunehmen und zum anderen, zu welchen Zeiten sie zur Verfügung stehen. „Das konnte individuell abgesprochen werden“, so Ilsemarie Hische.

Wie mit Roswitha Körner etwa. Die Hobbykünstlerin fertigt Schmuck aus Kaffeekapseln, der allerdings nur die erste Woche dort zu finden sein wird, weil sie nicht mehr Zeit hat. Nichtsdestotrotz wollte sich die Rentnerin die Gelegenheit nicht entgehen lassen. „Ich habe mich riesig gefreut“, sagt sie. „Wir Hobbykünstler haben sonst keine Gelegenheit gehabt, unsere Sachen anzubieten.“ Dem kann sich Gitta Arndt nur anschließen. Sie fertigt Modeschmuck und verkauft diesen normalerweise auf Märkten. Aber: „Die gab es in diesem Jahr ja nicht.“ Sie mache das zwar nicht hauptberuflich, sagt Gitta Arndt, doch es „war nicht einfach, jetzt nichts zu machen".

Auch Silvia Lauer-Schulz sagt: „Ich finde die Idee super!“ Die freischaffende Künstlerin wird in der zweiten Woche Postkarten mit ihren Aquarellen anbieten. Von den Verkäufen allein könnte sie nicht leben, weiß sie aus Erfahrung. Doch allein als Plattform, sich und seine Werke darstellen zu können, sei dieses Stübchen wichtig, findet sie. So sieht es auch Marion Burmeister. „Ich habe mit großer Freude gehört, dass wir hier ausstellen dürfen“, sagt die Inhaberin eines Ateliers in Wietzen, in dem sie nicht nur Taschen, sondern auch Kleidung fertigt.

Um die Präsenz geht es auch Sigrid Dellies. Die Okelerin fertigt Mützen, Schals und Stirnbänder und betreibt mit fünf weiteren Kunsthandwerkerinnen seit diesem Jahr einen Laden (wir berichteten). Da alle Märkte abgesagt wurden, hatten sich die Damen dazu entschlossen. Das Angebot im Kunsthandwerker-Stübchen nutzen sie gern, um auch den Laden noch bekannter zu machen. „Wir möchten dort weiter existieren“, verweist sie darauf, dass das Geschäft in Okel auch nach dem 30. Dezember geöffnet ist.

Mit dabei ist zudem das Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz. Die Einrichtung hatte ursprünglich ein Lichterfest geplant, das coronabedingt jedoch ausfallen musste. Die Unterstützer hatten dafür jedoch schon fleißig gestrickt und gehäkelt, sodass man sich nun über diese Gelegenheit freue, das Geschaffene doch noch anbieten zu können, verrät Nicole Schmidt von Löwenherz. Darüber hinaus sei es eine schöne Gelegenheit für die vielen freiwilligen Helfer, die in diesem Jahr ihre Tätigkeit im Hospiz ebenfalls einschränken mussten, doch noch mal tätig zu werden. An drei Tagen wird Löwenherz vor Ort sein, vom 21. bis 23. Dezember. Mit im Angebot wird dann auch neue Backbuch des Fördervereins sein.

Für den Besuch des Kunsthandwerker-Stübchens gelten dieselben Abstands- und Hygieneregeln wie sonst im Einzelhandel auch. Für die Dauer des Aufenthalts ist eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und sind die Hände zu desinfizieren. Maximal 13 Kunden und zwei Verkäuferinnen dürfen sich zeitgleich in den Räumen, in denen auch die Beratungsstelle von Nordischnet zu finden ist, aufhalten. „Das bedeutet auch, dass nicht alle jederzeit an ihrem Stand stehen können“, erläutert Suse Laue. Nur immer zwei der Aussteller sind vor Ort. Sie übernehmen dann auch den Verkauf von den anderen Ständen. Darum ist auch nur Barzahlung möglich.


Geöffnet ist das Kunsthandwerker-Stübchen montags bis sonnabends von 10 bis 18 Uhr. Sonn- und feiertags sowie an Heiligabend bleibt es geschlossen.

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