Geschäftsbericht

Kunststoffsäcke handgemacht

In Syke befindet sich einer der wenigen Big-Bag-Produzenten in Deutschland. Bei der Pema Verpackung GmbH sitzen 20 Frauen an Industrienähmaschinen und fertigen Großsäcke aus Kunststoff.
13.01.2020, 17:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Ilias Subjanto
Kunststoffsäcke handgemacht

In der Syker Produktionshalle fertigen 20 Mitarbeiterinnen rund 75 000 Big Bags im Jahr.

Fotos: Vasil Dinev

Syke. Etwa ein Dutzend Frauen sind in der Produktionshalle zugange. Sie sitzen an Industrienähmaschinen und fertigen Großsäcke aus Kunststoff, sogenannte Big Bags. Statt Fäden wie bei Textilien ist es hier besonders stabiles Garn, den sie in den Kunststoff verweben. Es ist anstrengende körperliche Arbeit, die großen Big Bags sind etwa einen Meter lang und breit. Immer wieder müssen die Arbeiterinnen den Großsack wenden, drehen, neu ansetzen.

Diese Szene findet nicht in Bangladesch oder Vietnam statt – sondern in Syke. Die Pema Verpackung GmbH, deren Hauptsitz sich seit 30 Jahren im Syker Industriegebiet befindet, ist nach eigenen Angaben eines der wenigen Unternehmen, die solche Big Bags in Deutschland produziert. 2019 habe die Firma insgesamt 2,2 Millionen dieser Großsäcke verkauft, zumeist an Kunden in Mitteleuropa, berichtet Peter Frey von Pema.

70 Mitarbeiter beschäftigt der Verpackungshersteller in Syke, davon arbeiten 20 in der Produktion – nur Frauen. In den Pema-Standorten in China und Indien sei dies anders, erklärt Frey, dort würde die Belegschaft in den Produktionshallen zur Hälfte aus Männern bestehen. Qualitätsunterschiede im Vergleich zur Syker Produktionsstätte gebe es keine, betont der Vertriebsexperte. „Wir verwenden an allen Standorten die weltweit modernsten Industrienähmaschinen“, sagt er.

Trotz allen technischen Fortschritts ist der Mensch noch immer ein wichtiger Produktionsfaktor. Eine vollständig automatisierte maschinelle Fertigung der Kunststoffsäcke ist bis heute nicht möglich, zumindest aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Der Syker Standort produziert jährlich ungefähr 75 000 Big Bags. Zu den Kunden von Pema zählen unter anderem Unternehmen aus der Lebensmittel- und Chemieindustrie, die für den Transport ihrer Güter Großsäcke mit bestimmten Qualitätsstandards benötigen.

Nach ihrer Verwendung müssen diese Big Bags entsorgt werden, wenn sie etwa zum Versand von Lebensmitteln verwendet wurden. „Dies schreibt unter anderem das Lebensmittelgesetz vor“, erläutert Frey, der gleichzeitig darauf hinweist, dass die Kunststoffsäcke vollständig recyclebar seien.

Eine Alternative zum mittlerweile viel diskutierten Material Kunststoff gebe es für die Big Bags nicht, sagt er. „Hier ist vielmehr die Forschung gefragt, mit weniger Material die gleiche Qualität zu erreichen“, findet Frey. So seien früher bei einem Kunststoffsack rund 250 Gramm Polypropylen pro Tonne Ladungsgewicht notwendig gewesen; heute seien es nur noch 100 Gramm.

Neben dem Verkauf von flexiblen Großsäcken steht auch der Handel mit flexiblen Verpackungsmaterialien wie etwa Jute-, Raschel-, Papier- und Gewebesäcken sowie Tragetaschen und Folienverpackungen aller Art im Fokus der Geschäftstätigkeit von Pema.

In Syke produziert das Unternehmen nicht nur, im Industriegebiet verfügt Pema ebenfalls über mehrere große Lagerhallen. „Dies ermöglicht es den Kunden, große Mengen an Verpackungsmaterial zu bestellen und auf Abruf nach und nach geliefert zu bekommen“, so Frey. Die neueste Halle wurde 2017 errichtet: ein zehn Meter hohes Schwerlast-Verschiebe-Hochregallager mit 6760 Palettenstellplätzen.

Diese Verschieberegale sind auf Schienen montiert, wodurch ganze Regalzeilen bewegt werden können. Dies hat den Vorteil einer besonders hohen Lagerkapazität, da zwischen den Regalzeilen kein Platz freigelassen werden muss. Auf den Regalstellplätzen können Paletten mit mehr als fünf Tonnen Gewicht untergebracht werden, insgesamt befinden sich in diesem Lager laut dem Vertriebsfachmann Frey einige 100 000 Big Bags.

Die Paletten seien nicht nach Produkten oder nach Unternehmen sortiert, sondern würden bunt gemischt in den Regalen stehen. Frey spricht von „chaotischer Warenlagerung“, was jedoch nicht abwertend gemeint sei, da man über das Computersystem jederzeit nachvollziehen könne, wo sich welche Ware befindet.

Besonders stolz ist Frey auf die auf dem Dach installierte Solaranlage: „Damit laden wir unsere Elektrogabelstapler-Flotte auf“, sagt er. Die Bauzeit des Lagergebäudes habe sechs Monate betragen, die Erteilung der Baugenehmigung habe drei Mal so lange gedauert, moniert Frey.

Hier wünscht er sich von Stadt und Land mehr Unterstützung für die ansässigen Wirtschaftsunternehmen. „Schließlich sind wir einer der größten Steuerzahler in Syke“, sagt er und lacht.

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