Kunstverein Syke

Der Kunst mehr Raum verschaffen

Kunst und Menschen zusammenbringen – das war vor fast 30 Jahren das Ziel des Kunstvereins Syke. Seit fast 20 Jahren steht Manfred Palm an der Spitze. Er hofft darauf, bald wieder Kunstreisen anbieten zu können
09.03.2021, 17:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss

Syke. Kunst und Menschen zusammenzubringen, nicht nur als Betrachter in Kunstausstellungen, sondern als lebendige, erfahrbare Form des menschlichen Miteinanders – so benannten 21 Interessierte Anfang 1992 ihr Anliegen. Vor knapp drei Jahrzehnten gründeten sie den Kunstverein Syke (KVS) mit dem Vorhaben, „Kunst in der Region einen Ort zu verschaffen“ – mit den Schwerpunkten Durchführung von Ausstellungen, Veranstaltung von Kunstreisen und Trägerschaft der Kunstschule.

Sie wollten den Menschen die Wurzeln der Kulturlandschaft bewusst machen und ein Forum schaffen für Kultur- und Kunstinteressierte sowie künstlerisch-kulturelle Fähigkeiten fördern und ausbilden. Dazu sollten die Planung und Durchführung von Projekten der außerschulischen Bildung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe beitragen. So wurde also eine Kunstschule gegründet, die im Lauf der Jahrzehnte eine bunte Fülle von Kursen anbot.

Kunst und das Sichtbarmachen derselben stand auf dem Plan, spätestens seit 20 Jahren verstärkt; auch wenn zuvor eine große Vielfalt von Kursen vor allem für die jungen Bewohner angeboten wurde. Doch dann geriet der Verein in eine Krise. Die Situation des Vereins war laut Manfred Palm von Anfang an prekär, denn es gab keine Räume, in denen man länger bleiben konnte. Nach dem Start in Mobilbauten an der La-Charte-Straße ging es zu verschiedenen Gebäuden in der Hauptstraße. Das damalige Kooperationsangebot der Volkshochschule (VHS) konnte nicht angenommen werden, weil die VHS nur Erwachsenenkurse anbot. Seit 2001 – als der KVS schließlich „auf der Straße stand“, so Palm – gibt es die Kurse für Kinder nur noch aufgrund der Aktivität der einzelnen Mitglieder, und dann meist bei ihnen im eigenen Atelier zu Hause oder auch schon mal im Kreismuseum.

Außerdem fand sich niemand mehr bereit, den Vorsitz des KVS zu übernehmen. Der heutige Vorsitzende Manfred Palm, der seinerzeit den KVS nur von den Kursen kannte, zu denen er seinen Sohn brachte, kümmerte sich etwas mehr. Dazu motiviert durch den Besuch eines Kurses bei dem Cartoonisten Markus May. „Das fand ich wertvoll und bemerkenswert, diese Arbeit mit Jugendlichen“, so Palm. Das Angebot für Jugendliche hielt ihn nicht davon ab, auch selbst als älterer Mensch daran teilzunehmen.

Das Sichtbarmachen hat der KVS seitdem wieder vermehrt getan. „Das haben wir konsequent umgesetzt“, sagt Palm. 2002 machte Alexander Steig, ein Kunststipendiat der Gemeinde Stuhr in Heiligenrode, den Anfang. Er installierte im Glockenturm der Syker Christuskirche eine Videokamera und projizierte die bewegten Bilder auf eine große Leinwand im Torbogen des Kreishauses.

Immer mehr Raum nahmen im Lauf der Jahre die Kunstreisen ein, die innerhalb kürzester Zeit auf viele Interessierte trafen und bis heute zu einem Renner wurden. „Es ging nämlich zu richtig sehenswerten Zielen“, berichtet Manfred Palm. „Unter anderem nach St. Petersburg, Barcelona, London oder Dresden. Und wir bieten das immer noch mit großem Erfolg an – jedenfalls hoffentlich bald wieder nach der Pandemie.“

Das ist schließlich eins der wichtigen Vereins-Standbeine. Immer wieder ging es zu spannenden Museen oder Galerien oder Orten, so zuletzt nach Vegesack ins Overbeck-Museum oder nach Amsterdam, Gent oder Brügge, nach Breslau oder nach Schleswig-Holstein. „Bei diesen Reisen fahren immer viele Nicht-Mitglieder mit, die das Reiseziel interessiert – und manche werden hinterher Mitglieder“, freut sich der agile 80-Jährige. In den vergangenen Jahren hat Manfred Palm sich bemüht, den Kunstverein Syke auf neue Pfade zu locken. Sein Ziel sei es, „die Leute unter die Kunst zu bringen“, schmunzelt er und denkt an die dialogischen Kunstgespräche, die eine Möglichkeit dazu seien.

Heute befindet sich ein kleiner Teil der kreativen Werke aus den vielen Jahren, die zumindest einmal jährlich bei den Ausstellungen „Jahresgaben“ in der Kreissparkasse und der VHS gezeigt wurden, im städtischen Archiv bei Hermann Greve. Darunter auch ein großes Aquarell des Vorsitzenden selbst. Palm war froh, dass er die Bilder dorthin bringen konnte und Greve meinte: „Es wird zu viel weggeschmissen, das darf nicht untergehen.“ Also für beide eine Erleichterung, dass es einen Aufbewahrungsort gibt für die hiesige künstlerische Mannigfaltigkeit der vergangenen Jahrzehnte.

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