Bovelmarkt Bassum

Lang lebe Bovelvoigt Funkenflug

Die Bassumer Bovelzumft hat den dritten mittelalterlichen Bovelmarkt auf dem Freudenburggelände gefeiert. Unter anderem wurde ein neuer Bovelvoigt gekrönt - für Fans des Marktes kein Unbekannter.
30.07.2018, 12:22
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Von Peter Cordes
Lang lebe Bovelvoigt Funkenflug

Auf die Mütze: Der Dreschbalken hat auch in diesem Jahr wieder einige tapfere Freiwillige angezogen.

Fotos: Jonas Kako

Bassum. Ein Riesenspektakel hat am Wochenende die Ruhe in der Stadt Bassum überschattet. Der 1. Obermeister Baldewin Bovel, alias Marcus Heinze, hatte mit seinen Zümftern zum dritten Bovelmarkt auf das gerade zu diesem Ereignis hervorragend passende Gelände der Freudenburg eingeladen. Schon auf dem Parkplatz war an den Autokennzeichen das große Interesse der Gäste aus dem gesamten norddeutschen Raum zu erkennen. Kaum einer war mit Pferd und Wagen angereist, um sich rechtzeitig vor der Markteröffnung am Rande des Geländes sein Zelt aufzubauen und sich seinen Lagerplatz zu bereiten. Zu einem Stilbruch bekannten sich auch einige der Gäste, denn sie hatten sich eines der in der Bassumer Gastronomie vorhandenen Zimmer angemietet, um dort etwas luxuriöser nächtigen zu können.

Erst als der seit 2017 amtierende Bovelvoigt Kjartan, sonst Nordmann und Stadtgardist im Zumftengefüge, am Sonnabend um 12 Uhr das Gelände, vorbei an der Hauptbühne, den Kampfplatz und der Zwergenwiese abgeschritten und überprüft hatte, eröffnete dieser mit Unterstützung der Musikanten Duivelspack aus Detmold den diesjährigen Bovelmarkt. Weitere musikalische Hochgenüsse bereiteten den Besuchern auch die „Vertriebenen“ aus Kiel. Mit ihren Dudelsäcken begeisterten sie die vielen Marktbesucher. Nicht nur die Musik kam beim Volk an. Gaukler, Feuerspucker, die Schwertkampfgruppe sowie die Boveltenzeler sorgten für angenehme Kurzweil. Wer Fragen hatte, konnte sich bei den Schriftgelehrten Ulrike Paschedag und Louise Mathis erschöpfend Auskunft holen. Langeweile konnte wirklich nicht aufkommen. Verhallten Klänge der Musik, erfreute Gaukler Immernochfrank aus Hannover sein Publikum mit vielen Zaubertricks und als Jongleur. Rund um die Pfade der Freudenburg hatten sich Marketender ausgebreitet und luden bei Speisen und Getränken zum Verweilen ein. Auch fanden viele handwerkliche Dinge das Interesse der Besucher. Wer wollte, konnte sich bei den Schneiderweibern am Verkaufskarren einkleiden oder neue Schwerter, Pfeile und Bogen sowie Schilde, gegen Vorlage entsprechender Taler, erwerben. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Zwergenwiese gewidmet. Unter Leitung der Zwergenwiesenbeauftragten Alexander Bartels aus Syke und Nicole Hormann aus Seckenhausen kamen die Lütten mit vielen Spielen und Basteleien auf ihre Kosten. Unter dem Lagernamen Alfrigg und Selma, alias Frank Bachmann und Sonja Frese, aus Korschenbroich in Nordrhein-Westfalen hatten sich beide als Lagerbesucher eintragen lassen. „Das Ambiente und ganz besonders die Betreuung der Kinder begeistern uns. Deshalb besuchen wir auch an diesem Wochenende zum dritten Mal den Bovelmarkt in Bassum“, so die beiden. „Für mich ist es mittlerweile schon wie nach Hause kommen“, gesteht Sonja Frese.

Beim fast wichtigsten Ereignis galt es schon am Sonnabend, den alljährlichen Kampf um das Amt des Bovelvoigtes zu entfachen. Weiber, Recken, Maiden, Händler, Gaukler, Musica, Säufer und Haudegen wurden vom 1. Obermeister Baldewin Bovel aufgefordert, sich für dieses Amt zu bewerben. „Der Bovelvoigt ist als Repräsentant der Bovelzumft in Amt und Würden die höchste Instanz. Und wie es sich für einen guten Beamten geziemt, ist er von jedweder Arbeit, wie auch von jedweden Zahlungen, freigesprochen. Doch wenn gleich er auch ein Beamter ist, so ist sein Stand nicht sicher von Dauer. Jedes Jahr aufs Neue muss der Voigt sein Zepter und seinen Mantel, die Erkennungsmerkmale, mit aller Kraft verteidigen. In einem kräftezehrenden Kampf gegen andere Anwärter ist es an ihm, sich durchzusetzen, um die Vogtei weiterhin repräsentieren zu dürfen. Gelingt es ihm nicht, muss er die Insignien, die Merkmale seiner Macht, an seinen Bezwinger abtreten und sich wieder ins gemeine Volk begeben“, erläuterte Baldewin Bovel das Verfahren.

Für den diesjährigen Kampf hatte der Vereinsvorstand unter strengster Geheimhaltung die fünf Disziplinen, den Dreschbalkenzweikampf, das Schnellwassertrinkstechen, den Malwettbewerb, das Pfannkuchenwenden und das Tauziehen, festgelegt. Die weitere Disziplin des „Säckenwerfens“ wurde zusätzlich eingeplant und musste wegen gleicher Ergebnisse auch in Anspruch genommen werden. Da die Auswertungen auch weiter Punktgleichstände brachten, entschied das Volk durch die Lautstärke ihres erbrachten Jubels.

Der Gauklerkönig Diego Funkenflug, alias Bastian Hülsemann aus Barnstorf, hatte am Sonnabend unter den sieben Bewerbern die Nase vorn und wurde am zweiten Markttag unter dem Jubel der Marktbesucher von Bürgermeister Christian Porsch zum Bovelvoigt der folgenden zwölf Monate in Bassum berufen. Funkenflug machte aus seiner Freude kein Hehl: „Die letzten zwei Jahre hat es bei mir immer nur für den zweiten Platz gereicht, und so freue ich mich heute ganz besonders, die Bovelzumft im kommenden Jahr repräsentieren zu dürfen.“

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