Gesundheitspolitiker zu Gast in Bassum Lauterbach: Die Benotung funktioniert nicht gut

Am 22. Mai ist Karl Lauterbach auf Einladung der SPD zu Gast in Bassum. Im Vorfeld sprach Christoph Starke mit dem Befürworter der Bürgerversicherung und des Pflege-TÜV. Auch Lauterbachs Fliege war Thema.
23.04.2015, 00:00
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Er gilt als einer der bekanntesten Gesundheitspolitiker in Deutschland. Am Freitag, 22. Mai, spricht Karl Lauterbach auf Einladung der Bassumer SPD in der Gaststätte Sport Arena. Beginn der öffentlichen Veranstaltung ist um 18 Uhr. Doch der Professor der Medizin und stellvertretende Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion ist nicht unumstritten. Als Befürworter der Bürgerversicherung und des Pflege-TÜV ist der 52-Jährige für manche sprichwörtlich ein rotes Tuch. Über diese Themen sprach er vorab mit Christoph Starke. Im Interview mit dem WESER-KURIER lüftete er außerdem ein Geheimnis um sein Markenzeichen – die Fliege.

Guten Tag Herr Lauterbach, wie geht es Ihnen? Haben Sie die Grippewelle gut überstanden?

Karl Lauterbach: Danke, es geht mir gut. Ob man Grippe bekommt oder nicht, ist Zufall. Ich hatte Glück.

Haben Sie ein Geheimrezept?

Es gibt kein Geheimrezept. Risikopatienten sollten sich aber impfen lassen.

Wie halten Sie sich generell fit?

Ich mache sehr viel Sport, achte auf meine salzlose Ernährung, rauche nicht und trinke nur in Maßen Alkohol.

Was verschlägt sie eigentlich nach Bassum?

Ich bin von der SPD in Bassum eingeladen worden. Wenn es die Terminlage zulässt, komme ich solchen Einladungen sehr gerne nach.

Auch in unserer Region droht der Ärztemangel. Der Landkreis Diepholz hat deswegen ein Stipendium-Programm aufgelegt. Kann durch solche Projekte das Problem behoben werden? Wie schätzen Sie solche Stipendien ein? Wie kann dem Medizinermangel noch begegnet werden?

Solche Projekte können hilfreich sein. Wir haben in Deutschland immer noch zu wenige Medizin-Studienplätze. Deshalb wird gemeinsam mit den Ländern ein Masterplan Medizinstudium 2020 entwickelt. Mit dem neuen Versorgungsstärkungsgesetz werden zur Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung die Anreize zur Niederlassung in unterversorgten Gebieten weiter verbessert. Wir bauen unnötige bürokratische Anforderungen ab und flexibilisieren die Rahmenbedingungen für Zulassungen. Auch die Förderung im Bereich der Weiterbildung für angehende Allgemeinmediziner wird erhöht, und künftig können arztgruppengleiche Medizinische Versorgungszentren helfen, die Versorgung speziell auf dem Land zu verbessern.

Die SPD hat sich die Bürgerversicherung auf die roten Fahnen geschrieben. Was haben Sie eigentlich gegen Privatversicherte?

Ich habe nichts gegen Privatversicherte persönlich. Im Gegenteil: Viele Privatversicherte sind zu bedauern, weil sie ihre private Krankenversicherung nicht mehr bezahlen können. Viele Rentner müssen bis zu 40 Prozent und mehr ihrer Rente für die private Krankenversicherung aufbringen oder Leistungsausschlüsse akzeptieren. Ihnen würde eine Bürgerversicherung kurzfristig helfen. Langfristig ist nur eine Krankenversicherung finanzierbar, an der sich auch Gutverdienende und alle Steuerzahler beteiligen. Beiträge alleine für die arbeitende Bevölkerung reichen nicht. Daher keine Sonderregelungen mehr für Privilegierte, für Beamte, für Top-Verdiener oder Politiker. Mit einer Bürgerversicherung kann sichergestellt werden, dass alle Menschen nach ihren medizinischen Bedürfnissen behandelt werden und nicht nach ihrem Status oder Einkommen.

Der sogenannte Pflege-TÜV gilt auch in der schwarz-roten Regierung als umstritten. Kritisiert wird unter anderem das Benotungssystem. Sie wollen am Pflege-TÜV festhalten. Warum? Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Ich war immer der Meinung, dass wir bei Pflegeeinrichtungen die guten und schlechten erkennen können müssen, durch ein Bewertungssystem. Es ist richtig, dass die Benotung von Pflegeheimen derzeit nicht gut funktioniert, aber sie ist auch nicht wertlos. Manche Missstände in Heimen sind dadurch schon aufgedeckt worden. Das Bewertungssystem muss überarbeitet und verbessert werden. Es macht keinen Sinn, dass bei der Benotung Wichtiges mit Unwichtigem verrechnet werden kann. Die medizinisch-pflegerische Versorgung muss im Mittelpunkt stehen und nicht die Frage, wie viele Feste ein Heim veranstaltet.

Apropos schwarz-rote Regierung: Warum heißt der Bundesgesundheitsminister eigentlich Hermann Gröhe und nicht Karl Lauterbach? Haben Sie keine Ambitionen?

Ich hätte das Amt nicht abgelehnt. Wir arbeiten jetzt aber gut zusammen.

Ihr Markenzeichen ist die Fliege. Wie kam es dazu? Und wie lange haben Sie gebraucht, um eine Fliege einwandfrei binden zu können.

Ich habe als junger Arzt in San Antonio, Texas, gearbeitet. Dort hat das Tragen einer Krawatte oder einer Fliege zum Dresscode gehört. Ich habe zuerst mit einer Krawatte angefangen, aber die hing immer in den Wunden der Patienten. Ich binde auch keine Fliege, sondern nutzte vorgefertigte Modelle. Die Steckfliege ist die Fliege des Pragmatikers.

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