Schottische Hochlandrinder zeigen ihren Charme Leerßens next Top-Cattle

Syke-Leerßen. Mit großen dunklen Augen lugte sie unter ihrem rot-braunen Haarschopf hervor, der ihr bis auf die Nase hing. Ein paar Schritte ging sie vor und zurück, und dann hatte der Preisrichter sein Urteil gefällt. "Sehr gute Beine, ein gerade Gang und gut führbar", lautete die Bewertung für Cilke. Ihre fünf Mitkonkurrentinnen guckten gleichgültig. Cilkes Besitzer, Herbert Diers aus Bassum, indes strahlte vor Stolz: Sein Hochlandrind hatte bei "Norddeutschlands next Top-Cattle" am Sonnabend in Syke-Leerßen eine Zwischenwertung gewonnen.
02.05.2011, 05:00
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Von Karsten Bödeker

Syke-Leerßen. Mit großen dunklen Augen lugte sie unter ihrem rot-braunen Haarschopf hervor, der ihr bis auf die Nase hing. Ein paar Schritte ging sie vor und zurück, und dann hatte der Preisrichter sein Urteil gefällt. "Sehr gute Beine, ein gerade Gang und gut führbar", lautete die Bewertung für Cilke. Ihre fünf Mitkonkurrentinnen guckten gleichgültig. Cilkes Besitzer, Herbert Diers aus Bassum, indes strahlte vor Stolz: Sein Hochlandrind hatte bei "Norddeutschlands next Top-Cattle" am Sonnabend in Syke-Leerßen eine Zwischenwertung gewonnen.

Insgesamt 103 zottelige Schönheiten, zwei Drittel davon weiblich, waren von nah und fern auf den Hof von Peter und Brigitte Frey gekommen, um sich von Preisrichter Angus MacGillivray begucken und auch betasten zu lassen. "Es sind einfach die schönsten Rinder", erklärte nicht nur Frey seine Begeisterung für die Tiere, die - anders als ihre schwarzbunten Hochleistungskuhkollegen - ihr kurzes Leben lang nicht nur im Stall stehen. Die Highland-Cattle zeichnen nicht nur ihr langes Haar und die formschönen Hörner aus. Sie können, ja müssen sogar ganzjährig draußen gehalten werden und haben einen angenehmen Charakter, wie alle Züchter unisono erklärten. Frey hatte vor zwölf Jahren auf einer Fahrradtour die Tiere kennengelernt, und danach wurde die leere Weide neben dem Haus zur Heimat von zurzeit 14 Rindern.

Für die Jungtierschau des Zuchtverbandes Bremen-Niedersachsen richtete er sein Gelände her. Sogar aus Rheinland-Pfalz kamen Züchter mit ihren Tieren. Die meisten Züchter führten dem aus Schottland angereisten Preisrichter mehrere Tiere in verschiedenen Wertungsklassen vor. Brigitte Frey kämmte der einjährigen Dorothee noch kurz vor dem Auftritt die Mähne, und natürlich waren vor dem Schönheitswettbewerb auch die Klauen frisch pedikürt worden. "Halfterführig" werden die Rinder sowieso schon von Kalbesbeinen an gemacht. Das heißt, dass die Tiere ohne Widerstand am kurzen Strick gehen müssen. Doch es nützte alles nichts, Dorothee, deren Nachname "von Schorlingskamp" ("So hieß hier früher der Hof", erklärte Frey) lautet, fand vor den unbestechlichen Augen des kritischen Schotten im grünen Hemd keine Gnade und kam nur auf Platz sechs.

Doch dieser letzte Rang interessierte das Tier wenig. Das war bei ihrer Kollegin Astasia aus Scholen schon anders. Laut muhend hatte sie die Siegerehrung kommentiert. Kurz bevor ihr Gang beguckt und ihr Körperbau betastet werden sollte, hatte Astasia vor den Augen der 200 Besucher noch mal schnell Pipi gemacht - bei ihrer Aufregung brauchen die sympathischen vierbeinigen fleischigen Models weniger Scham zu haben als ihre dürren zweibeinigen menschlichen Kolleginnen.

Doch früher oder später werden die tierischen Models dann doch zu Wurst und Steaks verarbeitet werden - und die schmecken laut Frey so gut, dass man nie wieder anderes Fleisch essen möchte. Rund 300 Kilogramm bringen die Färsen auf die Waage beim Schlachter, Bullen werden schon mal 400 Kilo schwer - nach zwei bis drei Jahren ist ein Tierleben vorbei, es sei denn, das Rind geht in die Zucht. Dorothees Mutter Deborah beispielsweise ist schon im biblischen Alter von 14 Jahren und hat zwölf Kälber geboren. Im Katalog war jeder Stammbaum der Rinder bis zu den Großeltern abgedruckt.

Bei der Namensgebung sind die Züchter übrigens so erfinderisch wie Menscheneltern. Neben Poseidon und Odin gab es auch so klangvolle und an die schottische Heimat der Cattle erinnernde Namen wie Oak's boy oder Bridheach Ruadh 6th.

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