Neue Ortsbürgermeisterin in Okel Damit das Dorf nicht zu kurz kommt

Eigentlich wollte sie „nur mal gucken, wie das ist mit der Politik“. Mittlerweile sitzt Marlene Früchtenicht seit vier Jahren im Syker Stadtrat und ist nun auch Okels neue Ortsbürgermeisterin.
01.01.2021, 15:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing

Syke-Okel. Nein. So richtig fassen kann Marlene Früchtenicht es immer noch nicht. „Das war nie mein Ziel“, sagt die neue Ortsbürgermeisterin von Okel und meint damit ihr neues Amt. Sie habe eigentlich „nur mal gucken wollen, wie das ist mit der Politik“. Darum ließ sie sich vor den letzten Kommunalwahlen von ihrem Amtsvorgänger Jürgen Schmock dazu überreden, sich für die Freie Wählergemeinschaft (FWG) für den Ortsrat aufstellen zu lassen. Sie wurde prompt gewählt – nicht nur in den Orts-, sondern auch in den Stadtrat. Vier Jahre begleitete sie Schmock als Stellvertreterin, ehe sie nach seinem Rücktritt (wir berichteten) vom Ortsrat zu seiner Nachfolgerin gewählt wurde.

Wesentliche Änderungen bei der Amtsausübung plant die Lehrerin im Ruhestand nicht. Sie will da weitermachen, wo Jürgen Schmock aufgehört hat: als Bindeglied zwischen Verwaltung und Bürger. Wohlwissend, dass die Ortsräte in ihren Möglichkeiten beschränkt sind. „Der Ortsrat wird gehört, darf aber nichts bestimmen“, sagt sie. Auch finanziell sind Grenzen aufgezeigt. Die Mittel reichen für ein „bisschen Aufhübschen“ oder die Unterstützung der Jugendarbeit in den Vereinen. Doch gerade die Okeler Vereine sieht sie als das „Pfund, mit dem man wuchern kann“. Allerdings habe gerade das Vereinsleben unter der Corona-Pandemie gelitten, weiß die 69-Jährige. Dennoch ist sie optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass sich das wieder einpendelt.“

Nichtsdestotrotz käme sie niemals auf den Gedanken, das Gremium Ortsrat abzuschaffen. „Ich gehe davon aus, dass die Dörfer ganz schön zu kurz kommen würden, wenn sie diese Vertretung nicht hätten“, sagt sie. Der Schwerpunkt liege nun mal auf der Stadt. So sei der Ortsrat das einzige Gremium, um den Ortsteilen eine Stimme zu geben, eigene Wünsche einzubringen. Dennoch seien Rat und Verwaltung sehr bemüht, dem Gremium zuzuhören. „In der Beziehung ist das sehr fair“, findet die Okeler Landwirtstochter.

Dort auf einem Bauernhof groß geworden, war der Weg in die Kommunalpolitik nicht unbedingt vorgezeichnet. „Wie das früher halt so war“, absolvierte sie zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung und ging zur Landfrauenschule. Nach ihrer Heirat 1972 zog sie mit ihrem Mann nach Oldenburg. „Dann kam der Erlass, dass auch Leute nur mit einer Ausbildung Lehrer werden konnten“, erinnert sie sich. Das galt zumindest für die sogenannten technischen Fächer, wozu auch Hauswirtschaft zählte. Lehrermangel ist also keine Erscheinung der jetzigen Zeit. Sie ergriff die Chance und begann, an einer Hauptschule in Brake an der Unterweser zu unterrichten. „Das war richtig, richtig hartes Brot“, sagt sie im Rückblick. Als junge Frau vom Land habe ihr schlichtweg die Erfahrung gefehlt. „Aber gut, man kämpft sich da so durch und tut sein Bestes.“ Dennoch merkte sie, dass ihr in schwierigen Situationen die Pädagogik fehlte. So wurde die Idee geboren, Lehramt zu studieren.

Abitur hatte sie nicht, daher legte sie eine Aufnahmeprüfung an der Universität in Hannover ab. „In Deutsch und Englisch war ich schon in der Schule nicht schlecht, da dachte ich, das könnte ich packen und dann habe ich mich da durchgebissen.“ Sie studierte Deutsch und Englisch auf Gymnasiallehramt, verbrachte ein Semester in Birmingham, bekam ihr erstes Kind und machte dann ihr Referendariat in Bremen. Und nach dem Abschluss? „Da gab es keine Stellen“, berichtet sie. „Lehrerschwemme“ nannte man das damals in den 1980er-Jahren. Marlene Früchtenicht legte also zunächst die Familienphase ein, bekam zwei weitere Kinder und fing schließlich an, Englisch in der Volkshochschule zu unterrichten sowie angehende Techniker. „Das habe ich einige Jahre gemacht.“

In dieser Zeit engagierte sie sich zudem ehrenamtlich bei den Syker Landfrauen, war dort im Vorstand, bis sie 1996 in den Kreisverband wechselte und auch vier Jahre lang den Vorsitz innehatte. „Bis ich 2002 in den Schuldienst gegangen bin“, sagt sie. Beides nebeneinander wäre schwierig geworden, findet sie.

Doch so ganz ohne Engagement ging es dann wohl doch nicht. Kaum an der Schule, wurde Marlene Früchtenicht in die Personalvertretung gewählt. „So ist das nun mal: Wenn man nicht gleich 'nein' schreit, ist man dabei“, sagt sie lachend. Man könnte auch sagen, sie duckt sich eben nicht weg. 14 Jahre unterrichtete sie noch an der Realschule Syke. „Ich war da sehr glücklich und zufrieden“, erinnert sie sich gerne an die Zeit.

2016 ging sie in Rente. „Passend zur Kommunalwahl“, lacht sie. Da wartete bekanntlich gleich die nächste Aufgabe. Eine Aufgabe, die ihr Spaß macht, wie sie sagt. So sehr, dass sie auch bei der kommenden Kommunalwahl im Herbst wieder antreten wird. Sie habe viel gelernt in den vergangenen vier Jahren, sagt die ehemalige Lehrerin. Über Abläufe, Hierarchien, Entscheidungsprozesse, Kompromisse. Und dieses Wissen gibt sie inzwischen weiter, als Mentorin im Programm „Frauen.Macht.Demokratie“.

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