Berliner Paar wird auf dem Muhlenhof-Flohmarkt fündig / Hinter alter Kaffeemühle verbirgt sich Geschichte Milchkanne als Schmuck für die Datscha

VON ECKEHARD SCHÖRKEN
26.04.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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VON ECKEHARD SCHÖRKEN

Syke-Osterholz. Ostermontag: Auto um Auto rollt langsam die Straße Lange Heide herunter. Und immer wieder geht es nur sehr zäh vorwärts, denn Radler und Fußgänger bestimmen zeitweise das Tempo auf der schmalen Fahrbahn. Sie alle haben nur ein Ziel: den Muhlenhof. Dort ist gestern Auftakt zur Flohmarktsaison 2011 gewesen.

Um 11 Uhr sollte es losgehen. Wer aber schon einmal das Spektakel miterlebt hat, weiß, dass er um diese Zeit nur schwerlich einen Parkplatz finden wird. Also kommt die Masse bereits zwei Stunden früher.

80 Flohmarktstände reihen sich aneinander, füllen Wiesen und Wege rund um den idyllisch gelegenen Hof in der Osterholzer Senke. Das Publikum lässt sich in drei Gruppen einteilen. Eine, die auf Schnäppchenjagd ist, die zweite, die sich vom Angebot überwältigen lässt und die dritte, die eigentlich nur zum Gucken gekommen ist, doch oft mit gefüllter Plastiktüte den langen Fußmarsch zum weit entfernt geparkten Auto antritt.

So wie Moritz Schmidt aus Berlin: "Ich bin auf Osterbesuch bei meiner Mutter in Bassum, und die hat mich auf diesen Flohmarkt aufmerksam gemacht. Gemeinsam mit Christine Raftopoulo, meiner ,Fastfrau', sind wir über den Markt geschlendert, haben diese Milchkanne entdeckt und dafür vier Euro bezahlt. Die kommt bepflanzt vor die Türe unserer Datscha in Berlin."

Der siebenjährige David hält an der Seite seines Vaters hingegen gezielt Ausschau nach Pokemon-Karten. Ausgefallene Stücke sollen es schon sein, auch wenn sie etwas mehr kosten. Bei Julian Wachsmann aus Barrien wird er fündig. Der junge Mann bietet außerdem eine ganze Reihe von Siku-Autos und allerlei andere Dinge an, mit denen er schon lange nicht mehr spielt. Für David macht er einen Sonderpreis. 2,50 Euro zahlt der Vater für sieben Karten, und sein Sohn strahlt.

Es geht auf 12 Uhr zu. Immer mehr Besucher kommen aufs Gelände. Luigis Eiswagen quält sich durch die Menge. Kaum hat er angehalten und die Verkaufsklappe geöffnet, bildet sich eine Schlange vor dem Wagen.

Hinter vielen Dingen, die hier auf den Tischen ausgebreitet sind, verbirgt sich auch eine Geschichte. Wie die einer alten eisernen Kaffeemühle, die Gerd Fichte für 45 Euro anbietet: "Diese Mühle stammt aus dem Jahr 1930. Damals stand sie in meinem Elternhaus in Breslau-Stapelwitz. Als 1944 die Russen kamen und wir flüchten mussten, hat mein Großvater die Mühle und andere Dinge versteckt. 1987 haben meine Frau und ich den Mut gefasst und mein Elternhaus im heutigen Polen besucht. Wir wurden freundlich aufgenommen. Als ich dort berichtete, dass mein Großvater auf dem Heuboden über dem Ziegenstall allerlei verborgen hatte, schauten sie verdutzt drein und im Stall nach. Und siehe da, alles war noch vorhanden. 'Nehmen Sie die Dinge mit, denn sie gehören Ihnen', sagten die Gastgeber zu uns. Heute pflegen wir gute Beziehungen zur polnischen Familie."

Eine, wenn auch nur kurze Geschichte, weiß Hannelore Krause aus Riede über den Sitz aus knallrotem Kunstleder zu erzählen, den sie für 60 Euro anpreist: "Das Ding mit den eingebauten Stereolautsprechern in der Nackenstütze und dem Kasten für einen MP3-Player in Po-Nähe, habe ich bei einer Weihnachtsfeier gewonnen. Ich habe nur einmal darin gesessen, kam aber dann nicht mehr hoch." Zur Erklärung: der Sitz hat keine Beine und ist noch niedriger als ein japanisches Futonbett. "Das ist was für junge, gelenkige Leute, nichts für mich", sagt die Seniorin trocken.

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