Erich Scheibner ist der älteste Teilnehmer beim 18. Internationalen ADAC-Oldtimer-Motorradtreffen in Barrien Mit 90 Jahren noch immer auf dem Bock

VON ECKEHARD SCHÖRKEN
02.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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VON ECKEHARD SCHÖRKEN

Syke-Barrien. Während etliche Barrier Sonnabend um acht Uhr noch an der Matratze horchten, waren andere schon längst aus den Federn. Sie hatten sich in ihre wetterfesten Klamotten gezwängt, sich auf ihre betagten Schätzchen geschwungen und auf den Weg zum Barrier Schützenplatz gemacht. Dort wurde 90 Minuten später das 18. Internationale Oldtimer-Motorradtreffen gestartet.

Mehr als 80 Fahrer hatten sich beim Veranstalter, dem Motorsportclub (MSC) Schwarme, zum Treffen angemeldet. Zugelassen waren nur Maschinen, die mindestens 30 Jahre auf dem Buckel hatten. Es waren sogar einige Modelle darunter, die dreimal so alt waren und aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammten. Zum Beispiel das älteste Motorrad des Tages, eine Progress, die 1905 das Werk in Berlin-Charlottenburg verlassen hatte und nach gründlicher Restaurierung heute noch problemlos funktioniert, wie Werner Stockmann aus Dielingen versichert. Der Kfz-Mechanikermeister hatte 1983 die Maschine mit dem 50-Kubikzentimeter-Motor von einem Nachbarn erhalten. "Nein, nicht abgekauft, sondern sie umsonst bekommen, denn sie war nur noch ein Schrotthaufen", erklärt Stockmann. Und diese alte Mühle machte er - mit Original- Ersatzteilen, versteht sich - wieder flott. "Die schafft mit ihren drei Pferdestärken immerhin noch bis zu 55 Sachen." Auf die Frage, ob das nur bergabwärts und mit Wind im

Rücken gilt, fauchte Stockmann zurück: "Gleich kriegste 'ne rote Karte", drehte sich um und schraubte die Startnummer 1 an sein auf Hochglanz poliertes Stück.

Wenn die Startnummer nach Lebensjahren vergeben worden wären, hätte sie Erich Scheibner zugestanden. Der Senior aus Neustadt am Rübenberge ist 90 Jahre alt, schwingt sich immer wieder auf den "Bock" und ist mit einer seiner zahlreichen Maschinen stets dabei, wenn der Motorsportclub Schwarme einlädt. Diesmal war er mit einer DKW RT (Reichstyp) nach Barrien gekommen. Beim Leistungstest, an dem alle Fahrer teilnahmen, belegte der Senior den neunten Platz.

Wertung? Ja, das Internationale Oldtimer-Treffen war, wie alle Veranstaltungen dieser Art, mit vier Wettbewerben des ADAC verbunden. Es ging um die Classic-Cups Nord, Weser-Ems, Ostwestfalen-Lippe und Revival. Auf dem Betriebsgelände der Firma Ellinghausen in Martfeld fand die Gleichmäßigkeitsprüfung statt.

Obwohl ein solches Spektakel eine Männerdomäne ist, sind auch immer Frauen aktiv dabei. So wie Claudia Adler aus Dortmund. Sie fährt eine Triumph Cornett. "Es ist meine erste Fahrt mit diesem restaurierten Moped." Was sie als Moped bezeichnet, ist ein schmuckes, ausgewachsenes Motorrad. Die Erklärung: "Wir im Ruhrpott sagen immer Moped, egal ob das ein schmalbrüstiges oder ein schwergewichtiges Krad ist", sagt ihr Mann Bernd, der eine Norton, Baujahr 1964, fährt.

Eine weite Anreise hatte das dänische Ehepaar Rasmussen hinter sich. Alex und Jette wohnen in Ebeltoft und fahren seit vier Jahren bei den ADAC-Classics mit. Sie mit einer Yamaha RD YL 1, ihr Mann Alex mit seiner Honda CB 175. "Wir kommen gerne nach Deutschland, um uns mit den Leuten zu unterhalten und um mal was anderes zu sehen", sagt er, der eine Beratungsfirma in der Kleinstadt mit dem malerischen Ortskern am Kattegatt betreibt.

Pokalausgabe im Schützenhaus

Vom Sammelplatz in Barrien führte die Rundfahrt zunächst über Okel und Osterholz und zurück zum Dreyer Hafen. Nach einer Pause ging es weiter über Syke nach Barrien. Während der Mitorganisator des Treffens, Hans-Georg Göbel von der "Barrier Butze", den Gästen den Jugendtreff im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus zeigte, konnten Besucher alle betagten Motorräder besichtigen, die auf dem Kirchplatz abgestellt waren. Am Nachmittag fand beim Schützenhaus die Pokalausgabe statt.

Trophäen für die ersten Plätze gingen an folgende Fahrer aus dem Landkreis Diepholz: Hans Heinrich Lüdemann aus Ahausen auf seiner BMW R 51/3 (1952). In der Jugendklasse Andreas Wilms aus Syke mit seiner Goebel GS 7 (1976) und Günter Eggers aus Weyhe auf seiner DKW VS 250 mit Seitenwagen (1957).

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